Am Wochenende füllt sich Valparaíso
mit Trommlern, die von überall kamen. Aus Valparaíso selbst, aber
auch aus allen Regionen Chiles, aus Bolivien, Brasilien, Kuba und
vielen anderen Ländern. Es waren sehr viele Trommler, genau 1000,
deshalb heißt das Fest auch die Mil Tambores (Tausend Trommler). Die
Trommler blieben das ganze Wochenende und trommelten viel.
In allen
Teilen Valparaísos fanden Workshops und Trommelvorführungen statt.
Am Samstag ging ich zu einem Umzug in Placeres (das ist dort wo ich
wohne). Viele Trommlergruppen führten wilde Trommeleien vor und die
Zuhörer tanzten, sprangen, lachten oder wippten – wie in meinem
Fall – unauffällig mit dem Fuß im Takt.
Dieser Umzug war aber nur ein kleiner
Vorgeschmack auf das, was am Sonntag in Playa Ancha abging. María
Paz, Daniela und ich trafen uns schon um 12 Uhr dort und stießen zu
einer Gruppe von Austauschstudenten. Bevor der Umzug losging, wurden
noch schnell die Gesichter geschminkt. Leider blieb uns nur ein mega
fetter Pinsel, sodass alle anderen Leute mit wunderschönen Blumen
und grazilen Formen im Gesicht herumliefen, während wir uns mit
klobigen Formen, unförmigen Punkten, aber einem strahlenden Lächeln
präsentierten.
Die Veranstaltung mit dem Schminken
heißt Cuerpos Pintados (die bemalten Körper) und da das Gesicht ja
nicht der einzige Teil des Körpers ist, fanden sich auch sehr viele
Leute, die komplett bemalt waren und im Takt der Trommeln tanzten.
Wir beließen es vorerst bei der Gesichtsbemalung.
Dann begann der Umzug der Trommler und
es waren wirklich unzählige Gruppen, jede für sich besonders und
alle topmotiviert. Es ist ja nicht gerade ein Sonntagsausflug mit
einer schweren Trommel den ganzen Tag herumzuspringen, aber man sah
die Anstrengung keinem der Trommler an. Alle waren gut gelaunt und
die Menge auch.
María Paz' Cousine María Consuelo war
auch bei einer der Gruppen aus Valparaíso dabei und wir freuten uns
sehr sie zu sehen. Sie trug eine Art Glockenspiel und durfte ab und
zu Solos spielen, wenn die Trommeln gerade für einen Moment zur
Pause kamen.
Einziger großer Kritikpunkt dieses
Festes sind die Unmengen von Müll, die nach dem Wochenende jedes
Jahr in der Stadt und an den Stränden bleiben. Viele junge Leute
zelten für zwei Tage an den Stränden Valparaísos und hinterlassen
diese häufig in katastrophalem Zustand. Andererseits muss man auch
sagen, dass es sehr wenig Müllbehälter insgesamt gab und diese
meistens schon rappelvoll waren, sodass die Schuld nicht nur bei den
Besuchern, sondern auch bei der Stadt liegt.
Trotzdem ist das Event an sich sehr
schön und etwas ganz Besonderes.
Treue Leser werden denken, oh Mann, das
ist ja das Gleiche wie letztes Jahr, deshalb noch ein kleiner
Ausblick auf das was mich jetzt erwartet: Die Zeit vergeht ja
wahnsinnig schnell und mir bleiben nur noch weniger als drei Wochen
hier in Chile. Am Freitag hat María Paz die Verteidigung ihrer
Abschlussarbeit an der Uni und dann anschließend den traditionellen
Wurf ins Schwimmbad. Am Samstag fahren wir dann zusammen für die
letzten Tage in den Süden, wollen in einige Nationalparks bei Puerto
Varas und dann Richtung Valdivia weiterreisen.