Valparaíso

Valparaíso

Dienstag, 6. Oktober 2015

1000 Tambores

Am Wochenende füllt sich Valparaíso mit Trommlern, die von überall kamen. Aus Valparaíso selbst, aber auch aus allen Regionen Chiles, aus Bolivien, Brasilien, Kuba und vielen anderen Ländern. Es waren sehr viele Trommler, genau 1000, deshalb heißt das Fest auch die Mil Tambores (Tausend Trommler). Die Trommler blieben das ganze Wochenende und trommelten viel. 

In allen Teilen Valparaísos fanden Workshops und Trommelvorführungen statt. Am Samstag ging ich zu einem Umzug in Placeres (das ist dort wo ich wohne). Viele Trommlergruppen führten wilde Trommeleien vor und die Zuhörer tanzten, sprangen, lachten oder wippten – wie in meinem Fall – unauffällig mit dem Fuß im Takt.

Dieser Umzug war aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was am Sonntag in Playa Ancha abging. María Paz, Daniela und ich trafen uns schon um 12 Uhr dort und stießen zu einer Gruppe von Austauschstudenten. Bevor der Umzug losging, wurden noch schnell die Gesichter geschminkt. Leider blieb uns nur ein mega fetter Pinsel, sodass alle anderen Leute mit wunderschönen Blumen und grazilen Formen im Gesicht herumliefen, während wir uns mit klobigen Formen, unförmigen Punkten, aber einem strahlenden Lächeln präsentierten.

Die Veranstaltung mit dem Schminken heißt Cuerpos Pintados (die bemalten Körper) und da das Gesicht ja nicht der einzige Teil des Körpers ist, fanden sich auch sehr viele Leute, die komplett bemalt waren und im Takt der Trommeln tanzten. 

Wir beließen es vorerst bei der Gesichtsbemalung.
Dann begann der Umzug der Trommler und es waren wirklich unzählige Gruppen, jede für sich besonders und alle topmotiviert. Es ist ja nicht gerade ein Sonntagsausflug mit einer schweren Trommel den ganzen Tag herumzuspringen, aber man sah die Anstrengung keinem der Trommler an. Alle waren gut gelaunt und die Menge auch.
María Paz' Cousine María Consuelo war auch bei einer der Gruppen aus Valparaíso dabei und wir freuten uns sehr sie zu sehen. Sie trug eine Art Glockenspiel und durfte ab und zu Solos spielen, wenn die Trommeln gerade für einen Moment zur Pause kamen.
Einziger großer Kritikpunkt dieses Festes sind die Unmengen von Müll, die nach dem Wochenende jedes Jahr in der Stadt und an den Stränden bleiben. Viele junge Leute zelten für zwei Tage an den Stränden Valparaísos und hinterlassen diese häufig in katastrophalem Zustand. Andererseits muss man auch sagen, dass es sehr wenig Müllbehälter insgesamt gab und diese meistens schon rappelvoll waren, sodass die Schuld nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei der Stadt liegt.
Trotzdem ist das Event an sich sehr schön und etwas ganz Besonderes.

Treue Leser werden denken, oh Mann, das ist ja das Gleiche wie letztes Jahr, deshalb noch ein kleiner Ausblick auf das was mich jetzt erwartet: Die Zeit vergeht ja wahnsinnig schnell und mir bleiben nur noch weniger als drei Wochen hier in Chile. Am Freitag hat María Paz die Verteidigung ihrer Abschlussarbeit an der Uni und dann anschließend den traditionellen Wurf ins Schwimmbad. Am Samstag fahren wir dann zusammen für die letzten Tage in den Süden, wollen in einige Nationalparks bei Puerto Varas und dann Richtung Valdivia weiterreisen.