Ich habe eine
neue Brille! Und passend zu diesem Anlass habe ich mal in die Schmunzelkiste
aus alten Geschichten zum Thema Brille gegriffen und wurde fündig. Es ist
gewissermaßen ein schneller geschichtlicher Rückblick zu den Anfangszeiten – als
klein Richard im Altern von lediglich 19 Jahren von einem sehenden Menschen zu
einem augenzusammenkneifenden, in-der-ersten-Reihe-in-der-Vorlesung-sitzenden Etwas
wurde.
Da ich generell
wenig überstürze, dauerte es geschlagene fünf Semester, bis mein Mitbewohner
Nicolas auch schlechtere Augen bekommen hatte und wir zusammen unsere erste
Brille kaufen gingen. Im Brillenladen direkt neben unserer WG in Kaiserslautern
ließen wir uns fachkundig beraten, auch wenn ich mit dem Service nicht ganz
zufrieden war. Während Nicolas von der Brillenfachfrau gelobt wurde und jede
Brille mit großem „Ah“ und „Oh“ und „Sie haben wahrlich ein Brillengesicht“ und
„Die passt ja wie angegossen“ gefeiert wurde, probierte ich mir derweil die
ausgemusterten Brillen von Nicolas an und feierte mich höchstens selbst ein bisschen.
Am nächsten Tag
war die Sachlage aber ganz anders. Nachdem wir uns beiden für ein Modell
entschieden hatten und wiederkehrten, wurde Nicolas von seiner Mutter und
Schwester begleitet. Und die fanden das Modell für das er – und die
Brillenfachfrau – sich entschieden hatten „ganz schrecklich“. So konnte ich
meine Brille kaufen, im Supermarkt einkaufen gehen, kochen, waschen, bügeln,
ein Studium beenden, während er nochmal durch den ganzen leidigen Prozess
musste, diesmal aber unter den strengen Augen von Schwester und Mutter. Na gut,
alles das habe ich nicht geschafft – zumindest das mit dem Bügeln war
geflunkert.
Nachdem diese
Brille nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, und ich sie zudem im
Süden in unserer letzten Unterkunft in Maullín vergaß, war die Zeit gekommen,
sich auf ein nächstes Level des Brillentragens zu erheben. María Paz half mir
bei der Auswahl, und nach einigen Mittagspausen entschied ich mich schließlich
für ein hervorragendes Modell, das nun – da ich diese Zeilen schreibe, schon
auf meiner Nasenspitze thront.
Hoffentlich
gewöhne ich mich bald an das neue Gesicht in meinem Spiegel. Kombiniert mit
meiner Schafswollmütze aus dem Süden, sehe ich ganz schön hipstermäßig aus.
Pläne zur Öffnung eines veganen Chai-Tee Restaurants sind schon ausgearbeitet (sorry an alle Inhaber von veganen Chai-Tee Restaurants - war nicht böse gemeint).
Bald gibt es auch mal Lachfotos mit Brille, aber dieses passt besser zum ernsten Ton dieses Blogeintrags.


