Sag mal, wie
viele Schwestern hast du denn eigentlich noch? Und – kommen deine Eltern auch
bald? Das waren die häufigsten Reaktionen von Freunden und Arbeitskollegen,
wenn ich ihnen erzählte, dass nun auch noch meine Schwester Nora den
komplizierten aber nicht unmöglichen Weg nach Valparaíso gefunden hatte.
Die ersten Tage musste sie sich erstmal alleine mit Stadtführungen und Nationalparkbesuchen
vergnügen, da María Paz und ich arbeiten mussten. Wenigstens morgens und abends
hatten wir ein bisschen Zeit zusammen, und konnten Nora bei der Planung ihrer
Woche helfen. Kaum war aber das Wochenende da, fuhren meine kleine Schwester und ich nach
Peñaflor zu Corinna. Genauer gesagt, im Ortsteil Pelvin befindet sich die Farm,
in der unsere Kleinste aber nicht Gemeinste ihr zweimonatiges Praktikum
absolviert.
Stolz führte sie
uns herum und stellte uns allen Menschen und Tieren vor. Zuerst drängte sich
der Hofhund Troll in den Vordergrund und war super glücklich über unseren
Besuch. Und dann lernten wir auch die Hühner, Gänse und Enten kennen. Der Rest
waren Gewächshäuser und Bäume, sowie ein Naturschwimmbad, in dem allerdings
eine kleine Schlange schwamm, sodass wir – trotz der sommerlichen Temperaturen –
von einem Sprung ins kühle Nass absahen.
Es war lustig,
endlich mal wieder alle drei Quatschköpfe an einem Ort zu sein und so gab es
einiges zu lachen und zum schmunzeln. Wir liefen am Nachmittag nochmal bis
Peñaflor (eine knappe Stunde Fußmarsch) und aßen ein großes Eis. Gestärkt
liefen wir wieder zurück und fütterten die Tiere.
Außerdem wollten
die Pflanzen gegossen werden, was Corinna professionell übernahm. Doch sie
hatte die Rechnung ohne ihre beiden Geschwister gemacht, die unbedingt eine
Szene aus einem Kinderbuch nachspielen wollten, über die wir immer lachen
mussten.
Am nächsten Tag
standen wir ganz früh auf, um der Sonne so lange wie möglich zu entkommen – und
stiegen auf den Hügel hinter dem Haus. Wir liefen bis zum Hügelrücken, was etwa
eine Stunde dauerte und von da aus über alle Hügel, die Pelvin umkreisen. Auf
dem Weg waren eine Gruppe wilder Pferde und herumstehende Kakteen die
Highlights.
Dann kam auch
schon die Sonne raus und wir erinnerten uns an die Pflichten als gute Enkel und
schossen ein mögliches Foto für den nächstjährigen Fotokalender für Oma und
Opa. Auf und ab ging es von einem Hügel zum nächsten und die Sonne brutzelte
uns wie Wiener Würstchen im Solarium. Aber am frühen Vormittag kamen wir
wohlbehalten in Peñaflor an, wo wir uns einen großen Teller peruanisches Essen
in einem Restaurant gönnten.
Nora blieb noch
für ein paar Tage auf der Farm, um sich ähnlich stählerne Muskeln wie unsere
Kleinste aber nicht Gemeinste zu erarbeiten und mit Troll das Tanzbein zu
schwingen. Für mich hieß es am Sonntagabend schon wieder: Zurück nach
Valparaíso. Und hier sehen wir uns bald schon wieder, bevor die Schwestern dann
auf eine größere Reise Richtung Süden gehen.