Valparaíso

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Freitag, 30. März 2018

Botanischer Garten Viña del Mar


In Viña del Mar gibt es einen Botanischen Garten, den ich auch schon zwei Mal in der Vergangenheit besucht hatte. Im Unterschied zu den Botanischen Gärten, die ich in Deutschland kenne, ist es allerdings weniger ein Lehrgarten, sondern eher ein großer Park mit vielen Wiesen und einem Grillplatz. Besonders in den Sommermonaten und am Wochenende ist er immer gut gefüllt mit Leuten und Menschen. Ich fuhr mit María Paz und ihren Eltern dahin, um einen Tag zu entspannen. Am Vormittag chillten wir uns auf die Wiese, ich hatte meine Ukulele dabei und spielte so laut ich konnte. Dann machte ich eine Runde Yoga mit María Paz‘ Vater, bis wir Hunger bekamen. Wir gingen zu den Picknickplätzen und packten alles aus, was wir dabei.


Als wir satt waren, machten wir einen ausgedehnten Verdauungsspaziergang bis zu den berühmten Enten des Botanischen Gartens – bisher war ich jedes Mal, wenn ich den Garten besucht hatte, irgendwann bei den Enten. Diese machen nicht viel, ein bisschen Köpfchen unters Wasser, Schwänzchen in die Höh und Quak, Quak.


Wir drehten eine Runde um den See und kamen mit einem der Parkwächter ins Gespräch, der uns alles über die Enten und die verschiedenen Arten erzählte. Es gibt auch eine kleine Höhle, in die man reingehen kann und von oben können andere Leute lustige Schatten und Geräusche machen, und so die Kinder unten erschrecken.


Wir liefen wieder zurück zum Picknickplatz und spielten nochmal Gitarre und Ukulele, und ruhten uns aus. Als sich wieder der kleine Hunger meldete gab es ein Abendpicknick und dann verschwand die Sonne langsam, sodass auch wir uns auf den Rückweg nach Valparaíso machten.


Als wir zuhause ankamen, erwartete uns unsere Katze Mews und war ein bisschen beleidigt, dass wir sie nicht in den Botanischen Garten mitgenommen hatten. Wir nutzten die letzten Momente des Tages, um ein kleines Interview mit Mews zu filmen, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.



Sonntag, 25. März 2018

Die Seite B von Valparaíso


Eine Freundin von María Paz ist Stadtführerin und hat uns neulich von einer coolen Tour erzählt, die sie anbietet: El lado B de Valparaíso. Sie versprach uns eine ganz untypische Stadtführung durch einen untouristischen Teil Valparaísos und wir waren natürlich gespannt, was wir dabei lernen konnten. So trafen wir uns am Samstagnachmittag mit 5 weiteren Personen, die teilnahmen und natürlich Camila, der Freundin von María Paz. Wir fuhren im Aufzug Baron nach oben und genossen den Ausblick vom Aussichtungspunkt Diego Portales.

Blick aus dem Fenster des Aufzugs
Hier im Cerro Baron wurden im Jahr 2016 von Künstlern aus Chile riesengroße Graffitis an Häuserwände gesprüht. Ein paar von ihnen kannte ich vom vorbeilaufen, und diese finden sich auch in vergangenen Blogeinträgen. Aber viele sah ich heute zum ersten Mal. Und zudem kannte Camila die spannenden Geschichten, die hinter den Graffitis steckten. Auf zwei von ihnen möchte ich näher eingehen.


Die erste Geschichte ist die Geschichte hinter dem nächsten Foto: „Der Traum des Fischers“. Es nimmt Bezug auf und nimmt Kritik an einem Gesetz, nämlich dem „Gesetz der Fischerei“. Dieses unsägliche Gesetz wurde von einigen wenigen hochrangigen Politikern verabschiedet (die dafür Millionen bekommen haben). Es erlaubt es, ausländischen Firmen vor der Küste Chiles so viel zu fischen, wie diese wollen ohne dafür bezahlen zu müssen. Zum einen gehen dem Land dadurch riesige Einnahmen durch die Lappen, denn durch die kalten Gewässer des Humboldt-Stromes zählt das Meer zu den fischreichsten weltweit. Und andererseits ist es für die Natur eine Katastrophe, da rigoros überfischt wird und viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Zu allem Überfluss kamen – verbunden mit diesem Gesetz – noch Einschränkungen für die kleinen lokalen Fischer, die nun Jahr für Jahr immer kleinere und weniger Fische verkaufen können. Man sagt mittlerweile, dass es in Valparaíso billiger ist, einen (importierten) Thunfisch aus der Dose zu kaufen, als einen frischen Fisch. Und das ist für eine Hafen- und Fischereistadt wirklich traurig.


Viele der Werke zeigten auch lokale Berühmtheiten aus Valparaíso. Das Beispiel das ich herausgesucht habe ist das von Carlos Martínez. Unter diesem Namen kennt ihn in Valparaíso allerdings kaum jemand, vielmehr ist er bekannt als der „Motemei“. Er verkauft nämlich Mote de maíz, eine Form von großen Maiskörnern, die traditionell auf spezielle Art zubereitet werden. Wenn er durch die Straßen zieht, kann man ihn von weitem hören „Motemei, motemei“. Auch wenn sich das Geschäft nicht mehr richtig rentiert, so betreibt er es auf eigene Aussage immer noch, weil ihm diese Tradition wichtig ist, die er von seinem Großvater gelernt hat. Bei der Einweihung des Kunstwerkes war natürlich der „Motemei“ auch zugegen.


Jedes Kunstwerk, das uns Camila zeigte, hatte eine spannende Geschichte als Hintergrund und bei manchen ließ sie uns auch zunächst interpretieren, bevor sie sie erzählte. Neben den Graffitis war aber auch die Seite B von Valparaíso ein sehr prägendes Element der Führung. Wir kamen an wirklich sehr heruntergekommenen Häusern vorbei und das Müllproblem, das die ganze Stadt hat, war auch hier extrem ausgeprägt.


Für mich war es eine extrem spannende und lehrreiche Führung durch einen Teil von Valparaíso, den ich so wahrscheinlich nie gesehen hätte. Es zeigte außerdem, dass die Stadt weit außerhalb des Touristenzentrums auch versteckte Highlights zu bieten hat. Und es führte mich zudem in die Nähe der ersten Wohnung, die ich 2014 in Valparaíso gemietet hatte (im Cerro Baron). Wer Interesse an alten Storys und Bildern hat, dem empfehle ich, sich zu den ersten Blogeinträgen durchzuklicken und klein Richards Abenteuer von vor dreieinhalb Jahren nochmal auszugraben.



Sonntag, 11. März 2018

Erste Arbeitswoche und Gato Fest


Am Montag hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Chile. Nach einigen Wochen auf Reisen musste aber zunächst einmal eine fundamentale Änderung her. Dies ging ratzfatz über die Bühne, wie das folgende Video beweist. Ich war bereit für die erste Woche.


Und die machte mir viel Spaß, meine Buddy kümmerte sich gut um mich und half mir bei allen organisatorischen Dingen, die ich erledigen musste. Zudem wurde ich meinen neuen Kollegen vorgestellt, die aus Chile, Brasilien und Indien kommen und allesamt sehr nett sind. Die richtige Arbeit geht erst in ein paar Wochen los, da ich noch viele Trainings erledigen muss und warten muss, bis mein Computer eingerichtet ist etc. Bis dahin habe ich Zeit mich mit der Software Tableau anzufreunden, mit der ich in Zukunft Plots und Präsentationen erstellen werde.

In dem großen blauen Gebäude arbeite ich.
Die Woche verging wie im Fluge und am Samstag fuhren María Paz und ich nach Santiago. Sie war Feuer und Flamme, denn wir gingen zum GatoFest, einem Event zum Thema Katzen. In einer großen Halle gab es alles zum Thema Katzen: sowohl Dinge für Katzen, wie Futter, Leinen, Verkleidungen, als auch für Katzenfans wie Tassen, Ohrringe und Taschen. Dazu boten große Katzenfutter-Firmen lustige Spielchen an, bei denen man etwas (in den meisten Fällen Katzenfutter) gewinnen konnte.


María Paz nutzte die Gelegenheit und ließ sich die Haare flechten. Danach bekam sie einen Haarreif mit Katzenohren und fühlte sich auf dem GatoFest wie zuhause.


Wir trafen uns mit Jean Pierre, einem Unifreund von María Paz, der auch für ein Jahr in Deutschland studiert hat und jetzt in Santiago lebt. Außerdem kam eine Arbeitskollegin von María Paz etwas später nach. Wir stärkten uns mit Pizza und dann stürzten sich die Mädels erneut ins Getümmel.


Jean Pierre und ich machten lieber eine kurze Sightseeing-Tour in Santiago und er führte mich zur Plaza de Armas und zum Museo de Bellas Artes. In meinem Buch „Mira tu“, von dem ich in einem der vorherigen Blogeinträge berichtet habe, gibt es jede Menge spannender und lustiger Geschichten zu diesen Orten in Santiago (auch zu La Moneda, in deren Hallen das GatoFest stattfand).


Wir warteten, bis die Mädels müde waren und von sich aus das GatoFest verließen. Ich war auch ziemlich geschafft und so fuhren wir am Abend zurück nach Valparaíso.

Sonntag, 4. März 2018

Kurzurlaub in Los Angeles


Wow, wird sich der ein oder andere denken. Ein Kurzurlaub in Los Angeles, nicht schlecht, Herr Specht. Da muss ich aber gleich einhaken und sagen, dass es in Chile auch ein Los Angeles gibt (wird auch auf Spanisch Los Ancheles ausgesprochen), das etwa 8 Stunden Busfahrt südlich von Valparaíso liegt. María Paz hatte am Freitag freigenommen, und so fuhren wir Donnerstag über Nacht dorthin. Wir kamen im Morgengrauen in der Stadt an und trafen uns zum Frühstück etwas später mit María Paz‘ Cousine Daniela, die dort in der Region als Englisch-Lehrerin arbeitet.


Nach dem Frühstück fuhren wir zu dritt in den Zoo von Los Angeles. Der ist ziemlich außerhalb der Stadt, wir mussten etwa eine Stunde mit dem Bus dahin fahren. Was cool war auf der Fahrt: der Assistent lief durch den Bus und verschenkte Süßigkeiten. Das war bisher das erste Mal, dass mir das hier in einem Bus passiert ist. Bei Zoo angekommen, stellten wir erst einmal fest, dass wir fast die einzigen Besucher waren. Außer uns war nur eine kleine Familie dort. Das war super entspannt, denn wir hatten die Tiere ganz für uns alleine. Es gab viele Affen.


Wir liefen weiter durch das Reptilienhaus, vorbei an den Lamas und Alpakas, die auch Futter bekamen. Außerdem hatten sie viele Vögel, und weiter hinten auch größere Tiere, wie Bären, Löwen und Tiger. In manchen Fällen hatte der Zoo die Tiere aus sehr schlechten Verhältnissen gekaufen (z.B. zwei Bären aus Russland, die in einem Zirkus Schlittschuhlaufen mussten und ziemlich gequält wurden).  Man merkte ihnen an, dass sie Schäden erlitten hatten, aber der Zoo arbeitet auch daran, die Tiere zu therapieren oder zumindest ihnen ein würdiges Leben zu bieten.


Nach dem Tag in der Sonne lud uns Dani am Abend noch zu sich zum Abendessen ein. Wir waren alle ziemlich platt und gingen früh schlafen. Am nächsten Tag wurden María Paz und ich früh abgeholt und fuhren ins Landesinnere. Dort stand heute ein Rafting auf dem Programm. Wir beiden und ein Vater mit seiner Tochter waren im Boot und ein Guide gab uns die Anweisungen, sodass wir unfallfrei den Fluss Alto Bío Bío (der übrigens der ganzen Region den Namen gibt) runterfahren konnten.


Früher zählte dieser Fluss zu den besten weltweit, um Rafting zu betreiben. Doch nachdem zwei Firmen dort Staudämme bauten, um Elektrizität zu gewinnen, ist das Wasser deutlich ruhiger und außerdem nur noch teilweise befahrbar.


Nichtsdestotrotz gab es ein paar Adrenalin-Momente und die umliegende Landschaft beim Paddeln war richtig cool, rund um den Berg Pepa. Nach insgesamt drei Stunden kamen wir beim Campingplatz an, wo unsere Sachen waren. 


Da der Bus noch nicht kam, entspannten wir in der Spa-Hütte des Ortes und ließen uns massieren. Tiefenentspannt ging es dann zurück nach Los Angeles.


Und nach einem Abendessen dort und noch einem kurzen Rundgang durch die Mall, fuhr am Abend unser Nachtbus zurück nach Valparaíso. Morgen ist es endlich soweit, und ich habe meinen ersten Arbeitstag. Dann hat dieses entspannte Leben in Valparaíso vermutlich erstmal ein Ende.