Valparaíso

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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Weihnachtszeit und Baratillo


Den Weihnachtsabend und den 1. Weihnachtsfeiertag haben wir gemütlich im Freiwilligenhaus verbracht. 

 Von den aktuellen Freiwilligen wurden wir sehr nett empfangen und so wurden es schöne Weihnachten. Natürlich aßen wir auch reichlich: Abends wurde immer fett gekocht, und am Morgen des 25. Dezembers brunchten wir mit Obstsalat, Crêpes, Mangosaft, Smarties und vielen anderen Leckereien.
Für das Abendessen wurden dann sogar professionelle Fotos geschossen. Bea leuchtete mit der Taschenlampe auf den Reflektor, den ich perfekt ausrichtete und Marlon schoss dann tolle Fotos. 

Dazu wurde in den Tagen auch wahnsinnig viel gelacht, was ja auch gesund sein soll. Trotzdem war ich leicht erkältet und konnte deshalb nicht an der Gletschertour teilnehmen.
 Am Samstag fuhr ich früh mit Marlon, einem der aktuellen Freiwilligen nach Cusco. Da begaben wir uns ins Getümmel des Baratillo. Das ist ein riesiger Straßenmarkt, der sich durch mehrere Stadtviertel zieht. Man kann dort fast alles finden: Schrauben, Bücher, Smartphones, Essen, Kleidung, Autoreifen, Steine, Schränke. Als ich damals als Freiwilliger dort war und mir ein Mittagessen gekauft hatte, merkte ich, dass es ziemlich fettig war. Also kaufte ich mir kurzerhand beim Nachbarstand eine Gabel.
 Marlon und ich liefen also durch diesen Baratillo und kauften einige Kunsthandwerkartikel, Panflöten, Süßigkeiten und er noch Quechua-Bücher. Nach drei Stunden waren wir müde und fuhren reich beladen zurück nach Urubamba.
An einem anderen Tag wollte ich meiner alten Schule in Ccotohuincho einen Besuch abstatten. Unzählige Male waren Lena und ich während unseres Freiwilligendienstes die Strecke entlang der alten Bahnschienen gelaufen. Auf dem Weg traf ich auch schon ein paar der alten Schüler und es wurde immer vertrauter. 
 Als ich dann aber am Schulgebäude ankam, erwartete mich eine Überraschung. Die komplette Schule war abgerissen, von den Klassenzimmern standen nur noch die Grundmauern. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es anscheinend Geld für eine neue Schule von der Regierung gegeben hatte. Daraufhin hatte die Direktorin schnell die alte Schule abreißen lassen. Und wenig später kam heraus, dass es das Geld doch nicht gab. Jetzt wird in Zelten unterrichtet, was natürlich ziemlich bitter ist.
 Noch ein Wort zum Wetter: Momentan ist Regenzeit, und es regnet auch immer wieder. Marlon und Gerrit, zwei Freiwillige sind am Sonntag zum Gletscher hochgelaufen. Leider war ich zu erkältet, um mitlaufen zu können. Es regnete bei ihnen die ganze Zeit, oben hatte es sogar Schnee.
Zum Glück gibt es immer wieder auch sonnige Momente und tagsüber ist es relativ warm, sodass ich insgesamt auch genug Zeit habe, den Urlaub zu genießen.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Ankunft in Munaychay

Nach insgesamt zweieinhalb Tagen Reise in Flugzeug, Bussen und Collectivos kam ich endlich in Munaychay an. Es war auf jeden Fall ein aufregender Moment, nach knapp zweieinhalb Jahren wieder durch die große Eingangstür des Kinderdorfes einzutreten. Malika, die schon zwei Tage vor mir aus Lima angereist war, und ich machten eine große Begrüßungsrunde durch das Kinderdorf und es sind wirklich noch fast alle Kinder aus unserer Zeit da. Christian, der damals schon den Spitznamen „chupadedos“ (Daumenlutscher) hatte, war auch immer noch fröhlich am Daumennuckeln. Ansonsten waren natürlich alle ein bisschen gewachsen, und leicht verändert, aber im Großen und Ganzen war doch alles beim Alten.


Wir wohnen im Haus 8 direkt im Kinderdorf, wo wir schon von Alfonsos selbst gemachtem Küchentisch begrüßt wurden. Am zweiten Tag gönnte ich mir dann auch schon ein erstes Fußballspiel mit Juan de Dios, einigen Voluntarios und den Jungs aus Haus 7. Die Höhe machte sich schon ziemlich bemerkbar, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. In der nächsten Woche geht es dann vielleicht auch nochmal zum Gletscher hoch, wenn es mit der Höhe geht.

Gestern spielte ich den ganzen Nachmittag mit den Kindern vor Haus 5. Wir spielten ein lustiges Ballspiel, bei dem jeder ein Quadrat verteidigen muss. Wenn der Ball dein Quadrat verlässt, verlierst du deinen Platz und jemand anderes kommt herein. Mit zunehmender Spieldauer wurden vor allem die Mädels immer aggressiver, aber es blieb zum Glück alles in einem sportlichen Rahmen. 

Natürlich wurde es jedes Mal groß gefeiert, wenn der große Richard sein Quadrat verlor. Somit verging die Zeit wie im Flug und es wurde dunkel. Da machte ich dann noch ein bisschen Mathe mit Yovana, weil sie noch ein Examen hat, bei dem sich entscheidet, ob sie das Jahr besteht oder nicht.


Da es mittlerweile schon der 24. Dezember ist, wünsche ich allen frohe Weihnachten!
In den nächsten Tagen werde ich sicher auch etwas über mein Weihnachtsfest schreiben. Ich bin selbst mal gespannt, was wir machen werden, da noch kein richtiger Plan steht.

Achso, und falls sich jemand fragt, was es mit diesem Munaychay auf sich hat, dem sei der folgende (alte) Blog empfohlen: www.richard-in-munaychay.blogspot.com

Freitag, 19. Dezember 2014

Abschied von Valparaíso

So, das war es also mit dem Semester. Alles hinter mich gebracht. Was geschah noch die letzten Tage? Ich war nochmal mit María Paz, ihrer Mutter und Jean-Pierre im Stadion. Das Spiel war sowas wie Champions-League-Quali auf Südamerikanisch. Das Hinspiel hatten die Wanderers souverän 4-2 auf fremdem Platz gewonnen, deshalb gönnten sie sich im Rückspiel eine 2-3 Heimniederlage. Kleines Highlight war dieser Elfmeter zur zwischenzeitlichen 2-1-Führung.

Somit war ich wieder mal ein schlechter Glücksbringer, da das das zweite Heimspiel der Saison war, das nicht gewonnen wurde, und klar: bei beiden Spielen war ich im Stadion. Mal gucken, ob ich nochmal mit darf!
Tja, und dann war auch schon die Zeit für Abschiede gekommen. Für die meisten Austauschstudenten endet nämlich hier das Abenteuer Valparaíso. So auch für Jakob, meinen treuen Mitbewohner. Wir luden nochmal ein paar nette Leute zu einer kleinen Abschiedsfeier zu uns ein. Da gab es dann Nudeln mit vegetarischen Soßen, Plätzchen und den traditionellen Weihnachtskuchen von María Paz (da es hier im Dezember heiß ist, ist es eine Eistorte mit Schokokeksen und Schlagsahne, mjam mjam mjam, mir läuft jetzt noch das Wasser im Munde zusammen).
Jakob hatte sich ein extra großes Stück verdient, da er unseren Urlaubsfilm vom Cochamó-Urlaub im September fertiggestellt und sogar mit spanischen Untertiteln versehen hat. Ein tolles Resultat, wer eine Viertelstunde Zeit hat, sollte ihn sich nicht entgehen lassen: https://vimeo.com/114477098.
Am nächsten Tag putzten wir die Wohnung durch und dann brachen er und seine Freundin Denisse auch schon auf in den Urlaub. Ich erst heute. Mein Tag begann um 5:30 Uhr, ihr fuhr per Taxi zum Terminal in Valpo, von da mit dem Bus nach Santiago zum Terminal. Von da gings im nächsten Bus zum Flughafen, wo ich ein bisschen ausharren musste.

Dann flog ich über Antofagasta, Iquique (mit jeweils Landung) nach La Paz. Ich war schon voll müde, und dann dauerte es ewig bis ich endlich drin war im Land. Abends fuhren keine Busse mehr nach Cusco, sodass ich in ein Hostel ging. Hungrig wie ein Löwe und geil auf Essen von der Straße ging ich raus, setzte mich in ein Menü-Restaurant und gönnte mir Lomo mit Pommes, Reis und Salat für umgerechnet 1,70 Euro. Dann noch einen Erdbeerjogurt mit Früchten drin. Und dann hatte ich Durst. Erst wollte ich mir nen Liter Wasser kaufen, für umgerechnet 0,80 Euro, aber dann sah ich dass man für einen Euro auch drei Liter Oro (billige Inka Kola) haben konnte. Glücklich verzog ich mich aufs Hostelzimmer und trank ein Glas nach dem anderen, bis mir schlecht war.

Müde von der ganzen Reiserei ging ich früh schlafen. Morgen um 8 Uhr fährt mein 12-Stunden-Bus nach Cusco.

Samstag, 13. Dezember 2014

Ende des Semesters

Tja, und das wars auch schon! Nach einigen stressigen Lernwochen, letzten Hausaufgaben und Examen ist das Semester vorbei. Ich habe alle Kurse bestanden und bin rundum zufrieden.
Neben dem Lernen gab es in den letzten Wochen leider nicht viel Zeit für anderes. Über eine kleine Lernpause kann ich aber doch berichten. Es war nämlich der letzte Spieltag in der chilenischen ersten Liga. Vor dem Spieltag war Colo Colo Tabellenführer, gleichauf mit La U. Die beiden Klubs aus Santiago machen schon seit Jahren immer die Meisterschaft unter sich aus. Dieses Jahr hatte jedoch auch das Team aus Valparaíso, die Santiago Wanderers, noch Chancen auf den Titel, war nur einen Punkt hinter den beiden chilenischen Großklubs. Und ausgerechnet am letzten Spieltag empfingen die Wanderers den Tabellenführer von Colo Colo, während die U beim Tabellenvierten ranmusste.
Ich ging mit María Paz in ein Lokal in Uninähe, und dort schauten wir das Spiel.


Beide Spiele waren relativ langweilig und es stand bis zur 89. Minute überall 0-0. Trotzdem war es natürlich mega spannend, da jedes Tor die Meisterschaft entscheiden würde. Und dann passierte es: Die Wanderers erzielten das 1:0, für einen Moment war Valparaíso Tabellenführer. Doch leider wirklich nur für einen Moment, denn die U erzielte per (bestimmt geschenktem) Elfmeter die 1:0-Führung im Parallelspiel. Bitteres Ding! Die Wanderers legten sogar in der Nachspielzeit noch das 2:0 nach und waren hinterher trotzdem richtig zufrieden mit der Vizemeisterschaft. So mussten wir hinterher auch nicht auf die Meisterschaftsfeier gehen, sondern konnten ruhig und entspannt weiterlernen.
Am Donnerstag hatte ich dann meine letzte Prüfung und da ich alles gut meisterte, muss ich auch keine Nachprüfung fürchten. Deshalb konnten heute auch endlich mal Plätzchen gebacken werden. Falls sich jemand fragt, wer denn die Gesichter der Männchen so filigran und lebensecht gezeichnet hat, so lautet die Antwort ganz einfach und bescheiden: ich!

Morgen früh dann gleich nochmal, und abends machen wir hier eine kleine Abschiedsveranstaltung bei uns, denn Jakob mein Mitbewohner geht dann auf Reisen. Mein Plan ist folgender: Ich werde am Freitag nach La Paz fliegen, von da dann ins Urubamba-Tal in Peru! Da will ich das Weihnachtsfest und evtl. auch Silvester verbringen. Mitte Januar werde ich dann mein Fachpraktikum anfangen, an der Uni in Valparaíso und bis Ende März in Chile bleiben.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Cena Navideña

Das Semester nähert sich mit großen Schritten seinem Ende. In zwei Wochen werde ich schon alle Prüfungen und Arbeiten hinter mich gebracht haben.
Da dann auch für die meisten Austauschstudenten die Reise- oder sogar Heimkehrzeit beginnt, war es Zeit für das letzte gemeinsame internationale Abendessen.
Manuela hatte die vortreffliche Idee, dass jeder etwas Weihnachtliches aus seinem Land mitbringen sollte. So verbrachte ich den Nachmittag mit der Produktion von Marzipankartoffeln und Schokocrossies und um 8 Uhr fanden wir alle zusammen und schmissen das Essen auf den Tisch.
Das war erst der Anfang!
Serena aus Sizilien hatte einen großen Topf Schinkennudeln und Parmesan dabei, die Kolumbianer hatten Buñuelos (fritierte Masse mit Käse gefüllt) und dazu noch was Süßes. Aus Frankreich gab es Schinkenröllchen mit Frischkäse gefüllt, beschmierte Brötchen und einen leckeren Nachtisch. Die Chileninnen hatten einen Panneton dabei. Und aus Schweden gab es Karamellbonbons und einen Kuchen. Da sich über die Zeit der Abendessen eine große Gruppe an Essenswilligen angehäuft haben, war der Kampf um das gute Essen schnell entbrannt. Um für Chancengleichheit zu sorgen, bewegten wir uns im Kreis um den Tisch und jeder konnte alles probieren.
German (rechts) mit dem Zeichen für "Frohe Weihnachten" in Kolumbien
Am Ende waren alle satt und zufrieden. Ein weiteres Highlight des Abends war ein Selfie-Arm, den sich Manuela gekauft hat, sodass den ganzen Abend über Gruppen-Selfies geschossen wurden. Leider ist jetzt der große Prüfungszeitraum, sodass ich mich mit einigen anderen nicht allzu spät wieder aus dem Staub machte, um abends noch ein kleines bisschen zu lernen.

Mein Plan für die nächsten Wochen ist: diesen Donnerstag Inferencia-Certamen, nächsten Dienstag Abgabe der letzten großen Optimierungs-Hausaufgabe, Mittwoch Series de Tiempo-Examen und am Donnerstag Optimierungs-Certamen. Danach bin ich endlich fertig mit dem Semester und kann Richtung Peru reisen, wo ich das Weihnachtsfest verbringen möchte.