In der letzten Woche war an unserer Uni die Semana Sansana. Was genau das ist, weiß ich nicht, aber die Auswirkungen dieser Woche waren, dass alle Kurse ab 11.30 Uhr jeden Tag ausfielen. Diese Gelegenheit packten Andi, ein anderer deutscher Austauschstudent, und ich am Schopfe und flogen am Sonntag um 2 Uhr nachts, beladen mit zwei großen Rucksäcken nach Punta Arenas, ganz in den Süden Chiles. Wir kamen im Morgengrauen an und fuhren drei Stunden im Bus bis Puerto Natales. Hier suchten wir uns ein Hostel und konnten dort auch gleich ein gutes Zelt, Regenhosen, Isomatten und einen Topf für die nächste Woche leihen.

Am Nachmittag gingen wir ins Erratic Rock Hostel, wo es einen Vortrag zum Thema „Trekking im Nationalpark Torres del Paine“ gab, wo wir noch einige letzte Tipps für die Tour erhielten und schon mal einige der anderen Nasen kennenlernten, die uns in den nächsten Tagen dauernd über den Weg laufen sollten. Andi und ich machten noch letzte Besorgungen in der Stadt und kehrten abends zurück ins Hostel, wo wir unsere Rucksäcke für die Tour packten. Dazu schmierten wir uns richtig geile Sandwiches. Große, runde Brötchen mit einer dicken Schicht Butter, darauf eine Scheibe Käse, sechs Scheiben Salami, eine weitere Scheibe Käse und auf den Deckel des Brötchens nochmal schön Butter. Davon acht Stück. Die Beschreibung ist so ausführlich, denn als wir am nächsten Morgen aufstanden, waren sie alle weg, gefressen vom Hund des Hostels. Und das zehn Minuten vor Aufbruch. Unsere Essensplanung stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen, trotzdem fuhren wir um 8 Uhr mit dem Bus Richtung Nationalpark Torres del Paine.
Wir liefen insgesamt fünf Tage auf dem bekannten W-Trek.
Der erste Tag war relativ unspektakulär. Wir liefen auf einer Ebene fünf Stunden lang auf das Ziel zu, ein Campingplatz der am Fuß des höchsten Berges des Nationalparks liegt. Die Highlights auf dem Weg waren ein Vikuña und ein paar wilde Pferde.
Die Gipfel der Berge auf die wir zuliefen waren von Wolken verdeckt. Nachmittags um 17 Uhr kamen wir also am Campamento Paine Grande an und schlugen unser Zelt auf.
Hier konnten wir uns zudem zu letzten Mal duschen für die nächsten vier Tage. In der Nacht erreichte der Wind Geschwindigkeiten von über 40 kmh, was unser Zelt ordentlich ins Wanken brachte, aber letztlich hielt es.
Am nächsten Morgen war der Himmel komplett klar und die Sonne schien.
Wir bauten das Zelt ab, ließen das Gepäck aber am Campingplatz und liefen los. Das Ziel war der elf Kilometer entfernte Gletscher Grey. Der Weg führte uns die ganze Zeit schon am Lago Grey, dem riesigen grauen Gletschersee entlang.
Am Ziel angekommen aßen wir ein bisschen Studentenfutter und eine Packung Kekse. Um Wasser mussten wir uns zum Glück keine Sorgen machen, denn von überall kamen Bäche von den Gletschern herab mit Wasser bester Qualität. Lange verweilten wir nicht bei den großen Eisbergen und dem Gletscher, sondern traten bald den Rückweg zum Campingplatz an.
Schon ein bisschen erschöpft kochten wir uns eine Suppe und aßen ein Ei und liefen dann noch acht Kilometer mit Gepäck zum nächsten Campingplatz, dem Campamento Italiano. Dieser war glücklicherweise windgeschützt in einem Wald. Da wir insgesamt viel marschiert waren, war ich ziemlich platt und pennte auch zehn Stunden durch.
So war ich am dritten Tag topfit und wartete darauf, dass auch Andi aufwachte. In der Zwischenzeit genoss ich schon mal die gigantische Sicht auf den Gletscher Frances.
Man hörte immer wieder das Donnern von abbrechendem Eis in der Ferne. Ich kochte Porridge und wir aßen gemütlich. Dieser Tag war zum Entspannen, insgesamt liefen wir nur sechs Stunden ohne Gepäck ins Valle Frances hinein. Auf dem Weg hatten wir beste Sicht auf eine Lawine und auch wieder wunderbares Wetter, sowie ein bisschen Hunger.
Die sehnsüchtigen Gedanken an acht dicke Salami-Käsebrötchen mehrten sich. Wir kamen am Nachmittag das Tal wieder heruntergeschlendert und chillten, denn wir blieben eine weiter Nacht am gleichen Campingplatz, da dieser kostenlos war.
Dafür hatten wir am vierten Tag eine ordentliche Strecke zu überwinden. Insgesamt 9,5 Stunden Laufzeit waren auf den Karten angezeigt, deshalb brachen wir zeitig auf. Wir marschierten forschen Schrittes, und merkten schnell, dass wir diese Zeit deutlich unterbieten würden.
Am Ende kam ein starker Wind auf, bis zu 60 km/h, man konnte sich komplett dagegenlehnen. Andi wurde die Sonnenbrille von der Nase gerissen und flog weit weg in ein Tal hinein. Wir kamen bereits nach insgesamt sieben Stunden am Campamento Torres an. Um den Weg schon mal kennenzulernen und ein erstes Foto von der Hauptattraktion des Parkes zu schießen, flitzte ich den Weg zu den Torres del Paine hoch.
Am letzten Tag machten wir den selben Weg noch einmal, im Dunkeln um 5.30 Uhr morgens. Wir wollten beim Sonnenaufgang bei den Torres sein, da diese in den schönsten Rottönen angeleuchtet werden würden. Da lagen wir also, im Wind, eingewickelt in unseren Schlafsäcken und warteten.
Leider kam die Sonne nicht durch die dichte Wolkendecke. Andi wurde es zu kalt und er ging schon runter, ich gab die Hoffnung noch nicht auf, aber nach zwei Stunden befand ich auch Hopfen und Malz für verloren, schoss noch ein Selfie und ging auch.
Und dann auch an den kompletten Abstieg, bis zum Hotel Las Torres von wo die Busse abfuhren. Letzte schöne Aktion des Trekkings war, wie wir beide, stinkend und ranzig bis zum Anschlag jeder mit einem Becher Instantnudeln durch die piekfeine Hotellobby schlurften und an der Rezeption um ein bisschen heißes Wasser baten. Auf jeden Fall hatten wir es geschafft, insgesamt richtig Glück mit dem Wetter gehabt.
Zurück in Puerto Natales aßen wir erstmal zwei dicke Hamburger, dann noch eine große Papa Rellena und ein süßes Teigteilchen. Als wir dann geduscht waren gingen wir mit einem spanischen und einem englischen Pärchen, die wir auf der Tour kennengelernt hatten, noch Essen. Ein Riesenteller mit Salmon Frito mit Pommes, dazu ein großer Salat und Bier. Der Wirt schmiss noch eine Runde Pisco Sour und am Ende spendierte er einen Nachtisch. Endlich waren wir wieder satt und zufrieden.
Zurück im Hostel hatten wir noch eine kurze aber hitzige Diskussion mit der Besitzerin, wegen unserer Brötchen. Sie wies jede Schuld von sich und als ihr die Argumente ausgingen, wollte sie uns rausschmeißen. Da wir aber doch lieber schlafen wollten, vertagten wir die Diskussion auf den nächsten Tag, was Andi leider alleine regeln musste, da mein Bus um 7.30 Uhr fuhr. Genauere Details dazu weiß ich noch nicht, nur dass er mit völlig genervt geschrieben hat: „Unglaublich diese Frau, hat wieder übelst rumgestresst. Ich erzähls dir morgen.“ Da bin ich ja mal gespannt.
Nichtsdestotrotz ein schöner Urlaub. Wobei schön vielleicht das falsche Wort ist. Bisschen schöner als schön wars. Apropos schön: Als Abschluss gibts hier noch einen kleinen Leckerbissen zum Schmunzeln mit dem Titel: "Spieglein, Spieglein an der Wand..."