Valparaíso

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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Weihnachtszeit und Baratillo


Den Weihnachtsabend und den 1. Weihnachtsfeiertag haben wir gemütlich im Freiwilligenhaus verbracht. 

 Von den aktuellen Freiwilligen wurden wir sehr nett empfangen und so wurden es schöne Weihnachten. Natürlich aßen wir auch reichlich: Abends wurde immer fett gekocht, und am Morgen des 25. Dezembers brunchten wir mit Obstsalat, Crêpes, Mangosaft, Smarties und vielen anderen Leckereien.
Für das Abendessen wurden dann sogar professionelle Fotos geschossen. Bea leuchtete mit der Taschenlampe auf den Reflektor, den ich perfekt ausrichtete und Marlon schoss dann tolle Fotos. 

Dazu wurde in den Tagen auch wahnsinnig viel gelacht, was ja auch gesund sein soll. Trotzdem war ich leicht erkältet und konnte deshalb nicht an der Gletschertour teilnehmen.
 Am Samstag fuhr ich früh mit Marlon, einem der aktuellen Freiwilligen nach Cusco. Da begaben wir uns ins Getümmel des Baratillo. Das ist ein riesiger Straßenmarkt, der sich durch mehrere Stadtviertel zieht. Man kann dort fast alles finden: Schrauben, Bücher, Smartphones, Essen, Kleidung, Autoreifen, Steine, Schränke. Als ich damals als Freiwilliger dort war und mir ein Mittagessen gekauft hatte, merkte ich, dass es ziemlich fettig war. Also kaufte ich mir kurzerhand beim Nachbarstand eine Gabel.
 Marlon und ich liefen also durch diesen Baratillo und kauften einige Kunsthandwerkartikel, Panflöten, Süßigkeiten und er noch Quechua-Bücher. Nach drei Stunden waren wir müde und fuhren reich beladen zurück nach Urubamba.
An einem anderen Tag wollte ich meiner alten Schule in Ccotohuincho einen Besuch abstatten. Unzählige Male waren Lena und ich während unseres Freiwilligendienstes die Strecke entlang der alten Bahnschienen gelaufen. Auf dem Weg traf ich auch schon ein paar der alten Schüler und es wurde immer vertrauter. 
 Als ich dann aber am Schulgebäude ankam, erwartete mich eine Überraschung. Die komplette Schule war abgerissen, von den Klassenzimmern standen nur noch die Grundmauern. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass es anscheinend Geld für eine neue Schule von der Regierung gegeben hatte. Daraufhin hatte die Direktorin schnell die alte Schule abreißen lassen. Und wenig später kam heraus, dass es das Geld doch nicht gab. Jetzt wird in Zelten unterrichtet, was natürlich ziemlich bitter ist.
 Noch ein Wort zum Wetter: Momentan ist Regenzeit, und es regnet auch immer wieder. Marlon und Gerrit, zwei Freiwillige sind am Sonntag zum Gletscher hochgelaufen. Leider war ich zu erkältet, um mitlaufen zu können. Es regnete bei ihnen die ganze Zeit, oben hatte es sogar Schnee.
Zum Glück gibt es immer wieder auch sonnige Momente und tagsüber ist es relativ warm, sodass ich insgesamt auch genug Zeit habe, den Urlaub zu genießen.

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Ankunft in Munaychay

Nach insgesamt zweieinhalb Tagen Reise in Flugzeug, Bussen und Collectivos kam ich endlich in Munaychay an. Es war auf jeden Fall ein aufregender Moment, nach knapp zweieinhalb Jahren wieder durch die große Eingangstür des Kinderdorfes einzutreten. Malika, die schon zwei Tage vor mir aus Lima angereist war, und ich machten eine große Begrüßungsrunde durch das Kinderdorf und es sind wirklich noch fast alle Kinder aus unserer Zeit da. Christian, der damals schon den Spitznamen „chupadedos“ (Daumenlutscher) hatte, war auch immer noch fröhlich am Daumennuckeln. Ansonsten waren natürlich alle ein bisschen gewachsen, und leicht verändert, aber im Großen und Ganzen war doch alles beim Alten.


Wir wohnen im Haus 8 direkt im Kinderdorf, wo wir schon von Alfonsos selbst gemachtem Küchentisch begrüßt wurden. Am zweiten Tag gönnte ich mir dann auch schon ein erstes Fußballspiel mit Juan de Dios, einigen Voluntarios und den Jungs aus Haus 7. Die Höhe machte sich schon ziemlich bemerkbar, aber ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. In der nächsten Woche geht es dann vielleicht auch nochmal zum Gletscher hoch, wenn es mit der Höhe geht.

Gestern spielte ich den ganzen Nachmittag mit den Kindern vor Haus 5. Wir spielten ein lustiges Ballspiel, bei dem jeder ein Quadrat verteidigen muss. Wenn der Ball dein Quadrat verlässt, verlierst du deinen Platz und jemand anderes kommt herein. Mit zunehmender Spieldauer wurden vor allem die Mädels immer aggressiver, aber es blieb zum Glück alles in einem sportlichen Rahmen. 

Natürlich wurde es jedes Mal groß gefeiert, wenn der große Richard sein Quadrat verlor. Somit verging die Zeit wie im Flug und es wurde dunkel. Da machte ich dann noch ein bisschen Mathe mit Yovana, weil sie noch ein Examen hat, bei dem sich entscheidet, ob sie das Jahr besteht oder nicht.


Da es mittlerweile schon der 24. Dezember ist, wünsche ich allen frohe Weihnachten!
In den nächsten Tagen werde ich sicher auch etwas über mein Weihnachtsfest schreiben. Ich bin selbst mal gespannt, was wir machen werden, da noch kein richtiger Plan steht.

Achso, und falls sich jemand fragt, was es mit diesem Munaychay auf sich hat, dem sei der folgende (alte) Blog empfohlen: www.richard-in-munaychay.blogspot.com

Freitag, 19. Dezember 2014

Abschied von Valparaíso

So, das war es also mit dem Semester. Alles hinter mich gebracht. Was geschah noch die letzten Tage? Ich war nochmal mit María Paz, ihrer Mutter und Jean-Pierre im Stadion. Das Spiel war sowas wie Champions-League-Quali auf Südamerikanisch. Das Hinspiel hatten die Wanderers souverän 4-2 auf fremdem Platz gewonnen, deshalb gönnten sie sich im Rückspiel eine 2-3 Heimniederlage. Kleines Highlight war dieser Elfmeter zur zwischenzeitlichen 2-1-Führung.

Somit war ich wieder mal ein schlechter Glücksbringer, da das das zweite Heimspiel der Saison war, das nicht gewonnen wurde, und klar: bei beiden Spielen war ich im Stadion. Mal gucken, ob ich nochmal mit darf!
Tja, und dann war auch schon die Zeit für Abschiede gekommen. Für die meisten Austauschstudenten endet nämlich hier das Abenteuer Valparaíso. So auch für Jakob, meinen treuen Mitbewohner. Wir luden nochmal ein paar nette Leute zu einer kleinen Abschiedsfeier zu uns ein. Da gab es dann Nudeln mit vegetarischen Soßen, Plätzchen und den traditionellen Weihnachtskuchen von María Paz (da es hier im Dezember heiß ist, ist es eine Eistorte mit Schokokeksen und Schlagsahne, mjam mjam mjam, mir läuft jetzt noch das Wasser im Munde zusammen).
Jakob hatte sich ein extra großes Stück verdient, da er unseren Urlaubsfilm vom Cochamó-Urlaub im September fertiggestellt und sogar mit spanischen Untertiteln versehen hat. Ein tolles Resultat, wer eine Viertelstunde Zeit hat, sollte ihn sich nicht entgehen lassen: https://vimeo.com/114477098.
Am nächsten Tag putzten wir die Wohnung durch und dann brachen er und seine Freundin Denisse auch schon auf in den Urlaub. Ich erst heute. Mein Tag begann um 5:30 Uhr, ihr fuhr per Taxi zum Terminal in Valpo, von da mit dem Bus nach Santiago zum Terminal. Von da gings im nächsten Bus zum Flughafen, wo ich ein bisschen ausharren musste.

Dann flog ich über Antofagasta, Iquique (mit jeweils Landung) nach La Paz. Ich war schon voll müde, und dann dauerte es ewig bis ich endlich drin war im Land. Abends fuhren keine Busse mehr nach Cusco, sodass ich in ein Hostel ging. Hungrig wie ein Löwe und geil auf Essen von der Straße ging ich raus, setzte mich in ein Menü-Restaurant und gönnte mir Lomo mit Pommes, Reis und Salat für umgerechnet 1,70 Euro. Dann noch einen Erdbeerjogurt mit Früchten drin. Und dann hatte ich Durst. Erst wollte ich mir nen Liter Wasser kaufen, für umgerechnet 0,80 Euro, aber dann sah ich dass man für einen Euro auch drei Liter Oro (billige Inka Kola) haben konnte. Glücklich verzog ich mich aufs Hostelzimmer und trank ein Glas nach dem anderen, bis mir schlecht war.

Müde von der ganzen Reiserei ging ich früh schlafen. Morgen um 8 Uhr fährt mein 12-Stunden-Bus nach Cusco.

Samstag, 13. Dezember 2014

Ende des Semesters

Tja, und das wars auch schon! Nach einigen stressigen Lernwochen, letzten Hausaufgaben und Examen ist das Semester vorbei. Ich habe alle Kurse bestanden und bin rundum zufrieden.
Neben dem Lernen gab es in den letzten Wochen leider nicht viel Zeit für anderes. Über eine kleine Lernpause kann ich aber doch berichten. Es war nämlich der letzte Spieltag in der chilenischen ersten Liga. Vor dem Spieltag war Colo Colo Tabellenführer, gleichauf mit La U. Die beiden Klubs aus Santiago machen schon seit Jahren immer die Meisterschaft unter sich aus. Dieses Jahr hatte jedoch auch das Team aus Valparaíso, die Santiago Wanderers, noch Chancen auf den Titel, war nur einen Punkt hinter den beiden chilenischen Großklubs. Und ausgerechnet am letzten Spieltag empfingen die Wanderers den Tabellenführer von Colo Colo, während die U beim Tabellenvierten ranmusste.
Ich ging mit María Paz in ein Lokal in Uninähe, und dort schauten wir das Spiel.


Beide Spiele waren relativ langweilig und es stand bis zur 89. Minute überall 0-0. Trotzdem war es natürlich mega spannend, da jedes Tor die Meisterschaft entscheiden würde. Und dann passierte es: Die Wanderers erzielten das 1:0, für einen Moment war Valparaíso Tabellenführer. Doch leider wirklich nur für einen Moment, denn die U erzielte per (bestimmt geschenktem) Elfmeter die 1:0-Führung im Parallelspiel. Bitteres Ding! Die Wanderers legten sogar in der Nachspielzeit noch das 2:0 nach und waren hinterher trotzdem richtig zufrieden mit der Vizemeisterschaft. So mussten wir hinterher auch nicht auf die Meisterschaftsfeier gehen, sondern konnten ruhig und entspannt weiterlernen.
Am Donnerstag hatte ich dann meine letzte Prüfung und da ich alles gut meisterte, muss ich auch keine Nachprüfung fürchten. Deshalb konnten heute auch endlich mal Plätzchen gebacken werden. Falls sich jemand fragt, wer denn die Gesichter der Männchen so filigran und lebensecht gezeichnet hat, so lautet die Antwort ganz einfach und bescheiden: ich!

Morgen früh dann gleich nochmal, und abends machen wir hier eine kleine Abschiedsveranstaltung bei uns, denn Jakob mein Mitbewohner geht dann auf Reisen. Mein Plan ist folgender: Ich werde am Freitag nach La Paz fliegen, von da dann ins Urubamba-Tal in Peru! Da will ich das Weihnachtsfest und evtl. auch Silvester verbringen. Mitte Januar werde ich dann mein Fachpraktikum anfangen, an der Uni in Valparaíso und bis Ende März in Chile bleiben.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Cena Navideña

Das Semester nähert sich mit großen Schritten seinem Ende. In zwei Wochen werde ich schon alle Prüfungen und Arbeiten hinter mich gebracht haben.
Da dann auch für die meisten Austauschstudenten die Reise- oder sogar Heimkehrzeit beginnt, war es Zeit für das letzte gemeinsame internationale Abendessen.
Manuela hatte die vortreffliche Idee, dass jeder etwas Weihnachtliches aus seinem Land mitbringen sollte. So verbrachte ich den Nachmittag mit der Produktion von Marzipankartoffeln und Schokocrossies und um 8 Uhr fanden wir alle zusammen und schmissen das Essen auf den Tisch.
Das war erst der Anfang!
Serena aus Sizilien hatte einen großen Topf Schinkennudeln und Parmesan dabei, die Kolumbianer hatten Buñuelos (fritierte Masse mit Käse gefüllt) und dazu noch was Süßes. Aus Frankreich gab es Schinkenröllchen mit Frischkäse gefüllt, beschmierte Brötchen und einen leckeren Nachtisch. Die Chileninnen hatten einen Panneton dabei. Und aus Schweden gab es Karamellbonbons und einen Kuchen. Da sich über die Zeit der Abendessen eine große Gruppe an Essenswilligen angehäuft haben, war der Kampf um das gute Essen schnell entbrannt. Um für Chancengleichheit zu sorgen, bewegten wir uns im Kreis um den Tisch und jeder konnte alles probieren.
German (rechts) mit dem Zeichen für "Frohe Weihnachten" in Kolumbien
Am Ende waren alle satt und zufrieden. Ein weiteres Highlight des Abends war ein Selfie-Arm, den sich Manuela gekauft hat, sodass den ganzen Abend über Gruppen-Selfies geschossen wurden. Leider ist jetzt der große Prüfungszeitraum, sodass ich mich mit einigen anderen nicht allzu spät wieder aus dem Staub machte, um abends noch ein kleines bisschen zu lernen.

Mein Plan für die nächsten Wochen ist: diesen Donnerstag Inferencia-Certamen, nächsten Dienstag Abgabe der letzten großen Optimierungs-Hausaufgabe, Mittwoch Series de Tiempo-Examen und am Donnerstag Optimierungs-Certamen. Danach bin ich endlich fertig mit dem Semester und kann Richtung Peru reisen, wo ich das Weihnachtsfest verbringen möchte.

Mittwoch, 26. November 2014

Mein Leben als Model

Ein überraschender Blogartikel am Mittwochabend, damit dieser eintönige Oh-es-ist-ja-schon-wieder-Wochenende-da-gibts-nen-neuen-Blogeintrag-Rhythmus mal unterbrochen wird.
Jakob, mein ehrenwerter Mitbewohner, nimmt hier an der Uni an einem Fotografie-Kurs teil und fragte mich am Freitag, ob ich ihm bei einer Arbeit helfen könne. Das Thema des Kurses ist Lightpainting, und er muss noch ein Foto einreichen. Da ich ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, ging ich mit ihm auf unsere geniale Dachterrasse. Er probierte einiges aus an Lightpainting und ich konnte mich auch dafür begeistern. Man kommt in eine Experimentierlaune, was man alles mit der langen Belichtung und den bunten Lichtern ausprobieren kann.


Ein anderes Mal probierten er und sein Fotografie-Kollege verschiedene Blitze aus und brauchten mich auch als Model. Da musste ich nur das tun, was ich ohnehin am Besten kann: Einfach gut aussehen ;)
Auf seiner Flickr-Seite: https://www.flickr.com/photos/jaquetemontre/ kann man noch weitere schöne Fotos von ihm finden.

Samstag, 22. November 2014

Traditionen, Mythen und Rituale

In der letzten Woche hatte ich mal meine Kamera an der Uni dabei und konnte so das ein oder andere schöne Bild in und von der Uni schießen. Zudem kann man behaupten, dass sich nach über drei Monaten auch schon einige Traditionen eingependelt haben. Und wenn wir schon beim Thema Traditionen sind, gehe ich zum Schluss des Artikels noch kurz auf die einzig wahre Tradition hier an der Universität ein, ich hoffe, ihr seid schon gespannt wie ein Flitzebogen.

Es hat sich eingebürgert, um die Mittagszeit, wenn die Bäuche schon heftig knurren, die Mensa der Uni zu meiden. Stattdessen gehe ich – oft mit Jakob, meinem Mitbewohner, oder mit Pauli, meiner Tutorin und ihren Freundinnen – in die Nony, ein Restaurant, zwei Minuten von der Uni entfernt. Da kann man zum gleichen Preis wie in der Mensa essen, aber mindestens acht Klassen besser. Da wir nicht die einzigen sind, die davon Wind bekommen haben, kann man zur Nony eigentlich nur gehen, wenn man weit vor 1 aus dem Unterricht gelassen wird. Nach der leckeren Mahlzeit schlendern wir dann – immer, wie gesagt, es geht um Traditionen – zum Patio Central, dem großen „Pausenhof“ der Uni. Da gibt es einen Kiosk, und im Kiosk gibt es Centella, Wassereis mit leckerem, künstlichen Geschmack. Da es immer sommerlicher wird, steigt die Centella-Lust auch exponentiell und bald wird es sicher nicht bei einem Centella pro Mittagspause bleiben.


Der Patio Central, links hinten gibts Centellas
Meinen Süßigkeitendurst stille ich jedoch nicht nur mit Centellas, sondern auch mit Alfajores. Das sind so runde Gebilde, drei Runde Kekse, dazwischen Manjar (süße Creme), irgendein Geschmack (z.B. Banane, Minze, Kokos, Kaffee, Himbeere, Erdbeere und ein paar leckere Sachen wo ich zwar den Namen weiß aber nicht weiß was es ist) und das ganze fett umhüllt mit Schokolade. Es gibt zwei Möglichkeiten sich Alfajores zu beschaffen. Vor dem Hintereingang der Uni sitzt immer eine Frau, die fast keine Stimme mehr hat (deshalb weiß ich auch bei manchen Geschmacksrichtungen nicht, was der Inhalt ist, weil ich die arme Frau nicht mit 1000 Fragen quälen will) und verkauft Tonnen von Alfajores. Das ist die sichere (aber auch teurere) Variante. Wenn man einen (im wahrsten Sinne) Schokoladentag erwischt, läuft man einem Mädchen über den Weg, die Alfajores verkauft. Ich habe sie noch nie gesehen, ohne dass sie ein Kistchen mit den leckeren Süßigkeiten dabeihatte. Da das Kistchen klein ist, und ich immer viele Leute sehe, die bei ihr kaufen und ich sie trotzdem noch nie ohne Alfajores gesehen habe, liegt der Verdacht nahe, dass sie irgendwo einen riesigen Vorrat hortet. Ich sollte unbedingt versuchen, das Versteck zu finden, dann habe ich ausgesorgt für den Rest meines Lebens (oder Diabetes).


Ist das Versteck womöglich auf der Terrasse dieses Gebäudes?
Genug gescherzt, nun zurück zu den Fakten. Es ranken sich zwei Mythen um den Treppenaufgang zum Haupteingang der Uni. Wer nämlich die Stufen zählt, so heißt es, würde nie zur Titulation gelangen, also nie seinen Abschluss an der Uni schaffen. Selbiges gilt für diejenigen, die das Schild unter der Statue des Begründers der Uni, Federico Santa María lesen.


Zum Glück gibt es Studenten, die ihre Neugier im Griff haben und während ihrer Unilaufbahn weder die Stufen gezählt, noch das Schild gelesen haben. So kam ich in der vergangenen Woche in den Genuss von zwei Titulationsfeiern von Freundinnen, die ihren Abschluss geschafft hatten. Und konnte nun auch endlich einmal die bekannteste Tradition der Uni kennenlernen: den piscinazo!
Während der fast-fertiggebackene Student noch ein letztes Mal in der Verteidigung seiner Abschlussarbeit schwitzen muss, versammeln sich alle Freunde vor der Tür der Verteidigung.
Schwimmbad mitten in der Uni

Freudestrahlend kommt der nun-endgültig-fertiggebackene Titulant aus dem Klassenzimmer und wird von allen umarmt und dann schnell zum universitätseigenen Pool begleitet. Dort schnappen sich vier kräftige Burschen die Arme und Beine des Glückseligen und ehe er sich versieht, liegt er schon im Schwimmbad, unter dem tosenden Applaus der Zuschauer. Anschließend gibt es dann noch ein weiteres Ritual, den Champagner-Schuss und dann gibt’s noch Häppchen und Champagner.



Samstag, 15. November 2014

Santiago de Chile und TEDx 2014


Mein Spanischprofe Manuel ist nicht nur ein lustiger Zeitgenosse und Entertainer im Unterricht, sondern auch einer der Mitorganisatoren des TEDx Events 2014 in Santiago.

TED (Technology, Entertainment, Design) sind weltweit stadtfindende Konferenzen, in denen die Vortragenden in 18 Minuten über ein Thema referieren und im Bestfall eine Message übermitteln und die Besucher zum Denken und Handeln anregen. Unter www.ted.com findet man weitere Informationen und interessante Videos.
TEDx ist ein unabhängig von TED organisiertes Event, unterstützt von der Uni an der ich studiere, und das Event fand am Donnerstag statt. Der Spanischlehrer hatte ordentlich Werbung gemacht und so wollte ich mir das Ganze nicht entgehen lassen.

Riesige Chile-Fahne
Am Morgen fuhr ich mit María Paz nach Santiago und wir hatten noch genug Zeit, uns die Stadt ein bisschen anzugucken. Wir liefen durch die Straßen, und auf den Cerro Santa Lucía, wo wir einen schönen Blick über die Stadt hatten. 

Wir kamen auch am höchsten Gebäude Lateinamerikas vorbei, dem Gran Torre Santiago, der 300 Meter hoch in den Himmel ragt.

Mittags knurrten unsere Mägen gewaltig, sodass wir uns in einer Mall ein leckeres Mittagessen gönnten und so gestärkt Richtung TEDx gehen konnten.

Marcia, mit der ich in Spanisch immer zusammenarbeite, war ebenfalls dem Ruf des Events gefolgt.

Insgesamt gab es acht Vorträge. Es begann der Literaturprofessor und Dichter Cristián Warnken, der einen tollen Vortrag zum Thema Wüste (in Chile) und die innere Wüste eines jeden Einzelnen hielt, über das Wunder Kaktus und die Poesie, die in Chile einen hohen Stellenwert hat. Anschließend berichteten zwei Schülerinnen, die in der Antarktis im Alter von 15 Jahren angefangen haben zu forschen, und eine Algensorte entdeckt haben, die Öl abbaut. Der dritte Vortrag war von einem Regisseur und er zeigte viele launige (aber auch zum Nachdenken anregende) Ausschnitte aus seinem neuesten Projekt, einen Film über die letzte Präsidentschaftswahl in Chile.

Den Abschluss des ersten Teils bildete Anne Hansen, eine ältere dänische Dame, die schon viele Jahre in Valparaíso lebt und dort eine Bibliothek für Kinder gegründet hat. Sie hatte einen tollen Vortragsstil, präsentierte im Wesentlichen nur zwei Bilderbücher, aber vernetzte das mit vielen Denkanstößen für die Gesellschaft. Dann gab es eine kurze Kaffeepause. 
(Me llamo) Sebastián, ein chilenischer Musiker

Die Vorträge der zweiten Hälfte waren auch interessant, aber für mich nicht so fesselnd wie die der ersten Hälfte. Kann sein, dass ich einfach schon platt war, von so vielen schlauen Sätzen, die mein Gehirn durchqueren mussten, oder ob sie vom Niveau wirklich nicht ganz rankamen. 
 

Das Video zeigt den Anfang des Vortrags einer Lehrerin von der Osterinsel, wo sie ein Gedicht auf Rapa Nui, der dort gesprochenen Sprache, rezitiert.
Lustig war das Ende dieses Vortrags, als die Frau nach ewigem Gelaber fragte: „Was bedeutet eigentlich 'Time's up'?“
Nach dem letzten Vortrag gabs viel Applaus und auch nochmal etwas zu Essen, dann war der ereignisreiche Tag zu Ende und wir fuhren gemütlich und erschöpft zurück nach Valparaíso.

Freitag, 7. November 2014

Cena Italiana

Bevor ich mit dem Erzählen anfange, noch kurz das haarsträubende Ende des Streits mit der Frau vom Hostel, den Andi am folgenden Tag zu Ende getragen hat. Sie haben laut seiner Aussage wieder heftig angefangen zu diskutieren. Das kann ich mir lebhaft vorstellen, da ich ja selbst miterlebt habe, wie sie am Tag zuvor an die Decke gegangen ist, als wir die Preise zum ersten Mal angesprochen haben. Wie dem auch sei, sie fingen an zu streiten und an einem Punkt sagt, die Frau (sie war übrigens halbseitig gelähmt), dass sie jetzt die Polizei rufe und ihn sagen würde, dass Andi versucht habe, sie auszurauben. Und dass sie ihr aufgrund ihrer Behinderung glauben würden. Unfassbar oder?

Zurück in Valparaíso ging dann das gewöhnliche Unileben weiter, zum Glück erstmal nicht so stressig. So konnten wir das Sommerwetter genießen und auch schon mal am Strand chillen. Dann stand am Donnerstag auch das italienische Abendessen an! Zuvor wurde gesagt, dass wir etwas italienfarbiges mitbringen müssen, um etwas zu Essen zu bekommen. Da mir das Risiko des Nicht-Essen-Bekommens zu groß war, gab ich mir Mühe und erschien als improvisierte Italienfahne.

Es lohnte sich total! Viele verschiedene Pizzen wurden aufgetischt, eine leckerer als die andere. Dazu ein typisch sizilianisches Gericht, Arancini (glaube ich), was fritierte, gefüllte Reiskugeln waren, eine Wohltat für meinen Magen. Und zum krönenden Abschluss leckeres Tiramisu.
Die ganze zufriedene Meute (Foto wieder mal von Manuela)

Das Abendessen fand im Haus von der Soto statt, einer chilenischen Tutorin, die selbst einmal für ein Semester in Sizilien war. Da dies aber ziemlich weit weg von Valparaíso war, blieben viele noch dort. Wir unterhielten uns bis in die Morgenstunden mit ihren Eltern und konnten dann jeder in einem der zahlreichen Betten des Hauses schlafen.

Am nächsten Tag ging ich mit einer kleinen Gruppe am Nachmittag gemütlich ein Eis essen. Als ich an der Reihe mit dem Bestellen war sagte ich: „Un helado de una bola“. Und musste erstmal 20 Minuten warten, bis die Dame an der Kasse sich von ihrem Lachanfall erholt hatte. Unfassbar diese Chilenen, denn hier hat alles zwei Bedeutungen und man tritt dauernd in irgendwelche Fettnäpfchen. Immerhin kriegte ich dann mein Eis, da wars mir auch egal. Abends aßen wir noch einen Riesenteller Pommes und tranken ein Bier.

Ab jetzt beginnt die nächste Stressphase, wir haben zahlreiche große Hausaufgaben vor der Brust und auch noch einige Tests. Sozusagen der Endspurt, denn in etwas mehr als einem Monat dürfte der Spuk auch schon vorbei sein.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Parque Nacional Torres del Paine

In der letzten Woche war an unserer Uni die Semana Sansana. Was genau das ist, weiß ich nicht, aber die Auswirkungen dieser Woche waren, dass alle Kurse ab 11.30 Uhr jeden Tag ausfielen. Diese Gelegenheit packten Andi, ein anderer deutscher Austauschstudent, und ich am Schopfe und flogen am Sonntag um 2 Uhr nachts, beladen mit zwei großen Rucksäcken nach Punta Arenas, ganz in den Süden Chiles. Wir kamen im Morgengrauen an und fuhren drei Stunden im Bus bis Puerto Natales. Hier suchten wir uns ein Hostel und konnten dort auch gleich ein gutes Zelt, Regenhosen, Isomatten und einen Topf für die nächste Woche leihen.

Am Nachmittag gingen wir ins Erratic Rock Hostel, wo es einen Vortrag zum Thema „Trekking im Nationalpark Torres del Paine“ gab, wo wir noch einige letzte Tipps für die Tour erhielten und schon mal einige der anderen Nasen kennenlernten, die uns in den nächsten Tagen dauernd über den Weg laufen sollten. Andi und ich machten noch letzte Besorgungen in der Stadt und kehrten abends zurück ins Hostel, wo wir unsere Rucksäcke für die Tour packten. Dazu schmierten wir uns richtig geile Sandwiches. Große, runde Brötchen mit einer dicken Schicht Butter, darauf eine Scheibe Käse, sechs Scheiben Salami, eine weitere Scheibe Käse und auf den Deckel des Brötchens nochmal schön Butter. Davon acht Stück. Die Beschreibung ist so ausführlich, denn als wir am nächsten Morgen aufstanden, waren sie alle weg, gefressen vom Hund des Hostels. Und das zehn Minuten vor Aufbruch. Unsere Essensplanung stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen, trotzdem fuhren wir um 8 Uhr mit dem Bus Richtung Nationalpark Torres del Paine.
Wir liefen insgesamt fünf Tage auf dem bekannten W-Trek.

Der erste Tag war relativ unspektakulär. Wir liefen auf einer Ebene fünf Stunden lang auf das Ziel zu, ein Campingplatz der am Fuß des höchsten Berges des Nationalparks liegt. Die Highlights auf dem Weg waren ein Vikuña und ein paar wilde Pferde.

Die Gipfel der Berge auf die wir zuliefen waren von Wolken verdeckt. Nachmittags um 17 Uhr kamen wir also am Campamento Paine Grande an und schlugen unser Zelt auf.


Hier konnten wir uns zudem zu letzten Mal duschen für die nächsten vier Tage. In der Nacht erreichte der Wind Geschwindigkeiten von über 40 kmh, was unser Zelt ordentlich ins Wanken brachte, aber letztlich hielt es.
Am nächsten Morgen war der Himmel komplett klar und die Sonne schien.

Wir bauten das Zelt ab, ließen das Gepäck aber am Campingplatz und liefen los. Das Ziel war der elf Kilometer entfernte Gletscher Grey. Der Weg führte uns die ganze Zeit schon am Lago Grey, dem riesigen grauen Gletschersee entlang.

Am Ziel angekommen aßen wir ein bisschen Studentenfutter und eine Packung Kekse. Um Wasser mussten wir uns zum Glück keine Sorgen machen, denn von überall kamen Bäche von den Gletschern herab mit Wasser bester Qualität. Lange verweilten wir nicht bei den großen Eisbergen und dem Gletscher, sondern traten bald den Rückweg zum Campingplatz an.

Schon ein bisschen erschöpft kochten wir uns eine Suppe und aßen ein Ei und liefen dann noch acht Kilometer mit Gepäck zum nächsten Campingplatz, dem Campamento Italiano. Dieser war glücklicherweise windgeschützt in einem Wald. Da wir insgesamt viel marschiert waren, war ich ziemlich platt und pennte auch zehn Stunden durch.
So war ich am dritten Tag topfit und wartete darauf, dass auch Andi aufwachte. In der Zwischenzeit genoss ich schon mal die gigantische Sicht auf den Gletscher Frances.

Man hörte immer wieder das Donnern von abbrechendem Eis in der Ferne. Ich kochte Porridge und wir aßen gemütlich. Dieser Tag war zum Entspannen, insgesamt liefen wir nur sechs Stunden ohne Gepäck ins Valle Frances hinein. Auf dem Weg hatten wir beste Sicht auf eine Lawine und auch wieder wunderbares Wetter, sowie ein bisschen Hunger.

Die sehnsüchtigen Gedanken an acht dicke Salami-Käsebrötchen mehrten sich. Wir kamen am Nachmittag das Tal wieder heruntergeschlendert und chillten, denn wir blieben eine weiter Nacht am gleichen Campingplatz, da dieser kostenlos war.

Dafür hatten wir am vierten Tag eine ordentliche Strecke zu überwinden. Insgesamt 9,5 Stunden Laufzeit waren auf den Karten angezeigt, deshalb brachen wir zeitig auf. Wir marschierten forschen Schrittes, und merkten schnell, dass wir diese Zeit deutlich unterbieten würden.

Am Ende kam ein starker Wind auf, bis zu 60 km/h, man konnte sich komplett dagegenlehnen. Andi wurde die Sonnenbrille von der Nase gerissen und flog weit weg in ein Tal hinein. Wir kamen bereits nach insgesamt sieben Stunden am Campamento Torres an. Um den Weg schon mal kennenzulernen und ein erstes Foto von der Hauptattraktion des Parkes zu schießen, flitzte ich den Weg zu den Torres del Paine hoch.


Am letzten Tag machten wir den selben Weg noch einmal, im Dunkeln um 5.30 Uhr morgens. Wir wollten beim Sonnenaufgang bei den Torres sein, da diese in den schönsten Rottönen angeleuchtet werden würden. Da lagen wir also, im Wind, eingewickelt in unseren Schlafsäcken und warteten.

Leider kam die Sonne nicht durch die dichte Wolkendecke. Andi wurde es zu kalt und er ging schon runter, ich gab die Hoffnung noch nicht auf, aber nach zwei Stunden befand ich auch Hopfen und Malz für verloren, schoss noch ein Selfie und ging auch.

Und dann auch an den kompletten Abstieg, bis zum Hotel Las Torres von wo die Busse abfuhren. Letzte schöne Aktion des Trekkings war, wie wir beide, stinkend und ranzig bis zum Anschlag jeder mit einem Becher Instantnudeln durch die piekfeine Hotellobby schlurften und an der Rezeption um ein bisschen heißes Wasser baten. Auf jeden Fall hatten wir es geschafft, insgesamt richtig Glück mit dem Wetter gehabt.

Zurück in Puerto Natales aßen wir erstmal zwei dicke Hamburger, dann noch eine große Papa Rellena und ein süßes Teigteilchen. Als wir dann geduscht waren gingen wir mit einem spanischen und einem englischen Pärchen, die wir auf der Tour kennengelernt hatten, noch Essen. Ein Riesenteller mit Salmon Frito mit Pommes, dazu ein großer Salat und Bier. Der Wirt schmiss noch eine Runde Pisco Sour und am Ende spendierte er einen Nachtisch. Endlich waren wir wieder satt und zufrieden.
Zurück im Hostel hatten wir noch eine kurze aber hitzige Diskussion mit der Besitzerin, wegen unserer Brötchen. Sie wies jede Schuld von sich und als ihr die Argumente ausgingen, wollte sie uns rausschmeißen. Da wir aber doch lieber schlafen wollten, vertagten wir die Diskussion auf den nächsten Tag, was Andi leider alleine regeln musste, da mein Bus um 7.30 Uhr fuhr. Genauere Details dazu weiß ich noch nicht, nur dass er mit völlig genervt geschrieben hat: „Unglaublich diese Frau, hat wieder übelst rumgestresst. Ich erzähls dir morgen.“ Da bin ich ja mal gespannt.
Nichtsdestotrotz ein schöner Urlaub. Wobei schön vielleicht das falsche Wort ist. Bisschen schöner als schön wars. Apropos schön: Als Abschluss gibts hier noch einen kleinen Leckerbissen zum Schmunzeln mit dem Titel: "Spieglein, Spieglein an der Wand..."