In der letzten Woche hatte ich mal meine Kamera an der Uni dabei und konnte so das ein oder andere schöne Bild in und von der Uni schießen. Zudem kann man behaupten, dass sich nach über drei Monaten auch schon einige Traditionen eingependelt haben. Und wenn wir schon beim Thema Traditionen sind, gehe ich zum Schluss des Artikels noch kurz auf die einzig wahre Tradition hier an der Universität ein, ich hoffe, ihr seid schon gespannt wie ein Flitzebogen.
Es hat sich eingebürgert, um die Mittagszeit, wenn die Bäuche schon heftig knurren, die Mensa der Uni zu meiden. Stattdessen gehe ich – oft mit Jakob, meinem Mitbewohner, oder mit Pauli, meiner Tutorin und ihren Freundinnen – in die Nony, ein Restaurant, zwei Minuten von der Uni entfernt. Da kann man zum gleichen Preis wie in der Mensa essen, aber mindestens acht Klassen besser. Da wir nicht die einzigen sind, die davon Wind bekommen haben, kann man zur Nony eigentlich nur gehen, wenn man weit vor 1 aus dem Unterricht gelassen wird. Nach der leckeren Mahlzeit schlendern wir dann – immer, wie gesagt, es geht um Traditionen – zum Patio Central, dem großen „Pausenhof“ der Uni. Da gibt es einen Kiosk, und im Kiosk gibt es Centella, Wassereis mit leckerem, künstlichen Geschmack. Da es immer sommerlicher wird, steigt die Centella-Lust auch exponentiell und bald wird es sicher nicht bei einem Centella pro Mittagspause bleiben.
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| Der Patio Central, links hinten gibts Centellas |
Meinen Süßigkeitendurst stille ich jedoch nicht nur mit Centellas, sondern auch mit Alfajores. Das sind so runde Gebilde, drei Runde Kekse, dazwischen Manjar (süße Creme), irgendein Geschmack (z.B. Banane, Minze, Kokos, Kaffee, Himbeere, Erdbeere und ein paar leckere Sachen wo ich zwar den Namen weiß aber nicht weiß was es ist) und das ganze fett umhüllt mit Schokolade. Es gibt zwei Möglichkeiten sich Alfajores zu beschaffen. Vor dem Hintereingang der Uni sitzt immer eine Frau, die fast keine Stimme mehr hat (deshalb weiß ich auch bei manchen Geschmacksrichtungen nicht, was der Inhalt ist, weil ich die arme Frau nicht mit 1000 Fragen quälen will) und verkauft Tonnen von Alfajores. Das ist die sichere (aber auch teurere) Variante. Wenn man einen (im wahrsten Sinne) Schokoladentag erwischt, läuft man einem Mädchen über den Weg, die Alfajores verkauft. Ich habe sie noch nie gesehen, ohne dass sie ein Kistchen mit den leckeren Süßigkeiten dabeihatte. Da das Kistchen klein ist, und ich immer viele Leute sehe, die bei ihr kaufen und ich sie trotzdem noch nie ohne Alfajores gesehen habe, liegt der Verdacht nahe, dass sie irgendwo einen riesigen Vorrat hortet. Ich sollte unbedingt versuchen, das Versteck zu finden, dann habe ich ausgesorgt für den Rest meines Lebens (oder Diabetes).
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| Ist das Versteck womöglich auf der Terrasse dieses Gebäudes? |
Genug gescherzt, nun zurück zu den Fakten. Es ranken sich zwei Mythen um den Treppenaufgang zum Haupteingang der Uni. Wer nämlich die Stufen zählt, so heißt es, würde nie zur Titulation gelangen, also nie seinen Abschluss an der Uni schaffen. Selbiges gilt für diejenigen, die das Schild unter der Statue des Begründers der Uni, Federico Santa María lesen.
Zum Glück gibt es Studenten, die ihre Neugier im Griff haben und während ihrer Unilaufbahn weder die Stufen gezählt, noch das Schild gelesen haben. So kam ich in der vergangenen Woche in den Genuss von zwei Titulationsfeiern von Freundinnen, die ihren Abschluss geschafft hatten. Und konnte nun auch endlich einmal die bekannteste Tradition der Uni kennenlernen: den piscinazo!
Während der fast-fertiggebackene Student noch ein letztes Mal in der Verteidigung seiner Abschlussarbeit schwitzen muss, versammeln sich alle Freunde vor der Tür der Verteidigung.
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| Schwimmbad mitten in der Uni |
Freudestrahlend kommt der nun-endgültig-fertiggebackene Titulant aus dem Klassenzimmer und wird von allen umarmt und dann schnell zum universitätseigenen Pool begleitet. Dort schnappen sich vier kräftige Burschen die Arme und Beine des Glückseligen und ehe er sich versieht, liegt er schon im Schwimmbad, unter dem tosenden Applaus der Zuschauer. Anschließend gibt es dann noch ein weiteres Ritual, den Champagner-Schuss und dann gibt’s noch Häppchen und Champagner.
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