Valparaíso

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Donnerstag, 17. September 2020

Die ewige Quarantäne

Seit dem 12. Juni 2020 sind wir in Valparaíso in Quarantäne, mittlerweile über drei Monate. Es passieren wenig überraschend nicht allzu viele berichtenswerte Dinge, weswegen der Blog momentan nicht auf Hochtouren aktualisiert wird. Die Nachbarskatzen unterhalten uns tagtäglich, hier ist zum Beispiel Lily auf den Sprung durchs Fenster.

María Paz und ich konnten die Quarantäne an einem Tag brechen, nämlich letzten Monat als wir einen Sondertermin bei der deutschen Botschaft bekommen hatten. Ihre Mutter Veronica fuhr uns nach Santiago, wo wir alle Dokumente für ihr Visum abgaben. Jetzt warten wir momentan auf eine Rückmeldung, denn das würde bedeuten, dass wir endlich den Flug nach Deutschland buchen können. Das Semester von María Paz beginnt in Kassel Ende Oktober, aber es ist auch möglich, die Vorlesungen online zu verfolgen, deshalb stehen wir nicht zu sehr unter Stress. Ich habe schon mal ein paar Bewerbungen rausgeschickt, um im Raum Kassel hoffentlich etwas mit Datenanalyse oder Statistik zu machen.

Ansonsten kann ich über ein paar Aktivitäten der letzten Wochen sprechen, neue Gewohnheiten, die sich in Coronazeiten entwickelt haben.

Ich habe angefangen bei TidyTuesday mitzumachen, das ist eine Initiative bei der jede Woche ein Datensatz hochgeladen wird, an dem dann alle Teilnehmer arbeiten. Die Ergebnisse können dann bei Twitter hochgeladen werden und man kann von den Ideen und Codes der anderen lernen. Beispiele sind ein Datensatz zu ausgestorbenen Pflanzen weltweit oder die Dialoge aller Folgen der beliebten Serie „Friends“. Zu letzterer habe ich Wordclouds (Wortwolken?) mit den typischen Wörtern für jeden der sechs Hauptcharaktere gemacht.

Am 11. September 1973 fand der Militärputsch in Chile statt. Eine Vereinigung aus Militär und Polizei bombardierte das Regierungsgebäude La Moneda und ermordete den Präsidenten Salvador Allende und viele seiner Gefolgsleute. Rund um den Jahrestag der schlimmen Ereignisse gab es viele Filme zu diesem Thema. Wir schauten den Film „Tengo miedo, Torero“, in dem es um Homosexualität zur Zeiten der Diktatur ging und die dreiteilige Serie „Unsichtbare Helden“. In dieser geht es um den finnischen Botschafter Tapani Botherus, der über 2500 Verfolgten nach dem Putsch half, sich vor dem Militär zu verstecken und das Land zu verlassen.

Ansonsten haben wir den Winter gut überstanden, es kommen mehr und mehr frühlingshafte Tage. Es sprießen die Pflanzen und auch meine Haare sind nach der ganzen Zeit ohne Ausgang ordentlich lang. Zwischenzeitlich hatte ich auch einen ganz stolzen Bart, aber ich musste ihn für ein Bewerbungsgespräch über Zoom stutzen und fange jetzt wieder von vorne an.

Morgen steht der Nationalfeiertag an, dieses Jahr natürlich auch sehr eingeschränkt, aber man kann sich die volksfestartige Stimmung ins Wohnzimmer holen mit Konzerten von bekannten Bands und Künstlern. Außerdem bedeutet das ein langes Wochenende für mich, zudem habe ich mir noch den Monat frei genommen. Und am Ende des Monats steht dann der Abschied von Evalueserve an, damit wir uns für den Abflug vorbereiten können.