Valparaíso

Valparaíso

Dienstag, 26. Dezember 2017

Navidad en Valparaíso

Feliz navidad! In den folgenden Absätzen möchte ich über mein Weihnachtsfest in Chile berichten, das ich dieses Jahr bei der Familie von María Paz verbrachte. Aber schön der Reihe nach: Wenn man schon die Möglichkeit hat, Weihnachten bei Sonnenschein am Strand zu verbringen, so dachte ich mir, dann muss man auch die Leute im kalten Deutschland daran teilhaben lassen. So schnappte ich mir María Paz und meine Ukulele und wir versuchten Weihnachtsvideos am Strand zu drehen. Die blendende Sonne und mangelnde Text- und Zupfsicherheit waren nicht die einzigen Hindernisse, denn angelockt von den himmlischen Klängen der kleinen Uku, wollten sich ein paar Hunde am Strand das Ganze mal aus nächster Nähe ansehen.


Bis zum Abend bereiteten wir die letzten Sachen vor und begaben uns dann zur Abendessenszeit mit Geschenken und Plätzchen im Schlepptau zur Wohnung der Eltern. Man beachte, dass es auch um 8 Uhr abends draußen noch taghell war, und die Sonne schien. María Paz und ich klimperten ein bisschen auf der Ukulele auf dem Balkon.



Später kamen die Großeltern zu Besuch und es gab ein sehr leckeres Abendessen, bestehend aus einem Blumenkohlauflauf, Papas duquesas (das sind die kleinen goldenen Bällchen, im Prinzip frittierter Kartoffelbrei, the best!) und Spargel. Dazu eine Varietät von Salaten und alle wurden satt. Anschließend wurde sich bis den ganzen Abend sehr gut unterhalten, dazu gab es Plätzchen, die ich den ganzen Monat mit meinem Handbuch Schläger (siehe vorheriger Blogeintrag) zubereitet hatte.


Natürlich wurde auch der stark geschmückte Baum gelobt und Familienfotos mit selbigem gemacht. Dabei konnte ich schon mal einen ersten Blick auf den Geschenkeberg unter dem Tisch werfen und meinen Namen auf dem einen oder anderen Päckchen entdecken.


Um Mitternacht war es dann soweit: die zahlreichen Geschenke wurden eins nach dem anderen geöffnet, bestaunt und sich artig bedankt.  Ich bekam viele nützliche und witzige Dinge. Witzig waren zum Beispiel zwei Bärenarme, die unglaublich flauschig sind. Nützlich werden sie im Winter sein, wenn es kälter wird und ich so eingemummelt am Computer arbeiten kann. Dazu bekam ich noch eine stylische Riesenbrille. Und vieles mehr.


Als alles ausgepackt war, war der Abend aber noch nicht vorbei. Die Großeltern verabschiedeten sich und wir fuhren mit dem Auto zur einer Tante von María Paz. Da war auch der Weihnachtsmann höchstpersönlich zu Besuch und überreichte mir noch ein Geschenk. Wir bestaunten das Haus, das komplett weihnachtlich geschmückt war, mit vielen Lichterketten, blinkenden Lichtern und Rentieren. Dazu gab es noch ein leckeres Stück Weihnachtstorte. Nach einer langen Nacht gingen wir müde, aber zufrieden schlafen.


Am nächsten Tag ging die Besucherei weiter: Nach einem kurzen Besuch beim Friedhof in Valparaíso, fuhren wir zu einem Onkel der Mutter von María Paz. Diese wohnen am letzten Ende der Stadt, es ist sozusagen das letzte Haus Valparaísos: danach kommen nur noch unbewohnte Hügel und das Meer. Es wurden Geschenke und Plätzchen ausgetauscht und dann ging es auch schon weiter.



Wir fuhren zu einem Aussichtspunkt weit oben in der Stadt, wo man einen ganz anderen Blick auf das Zentrum und das Meer bekommt. Nach einigen Quatschfotos fuhren wir weiter, denn wir waren zum Abendessen bei einer anderen Tante eingeladen. 


Auch hier gab es nochmal Geschenke und Plätzchen, aber dann war auch schon der Abend angebrochen und wir fuhren nach Hause. Es waren sehr schöne Weihnachten in Chile. 

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Eine riesengroße Kleckerei

Wie viele bereits wissen, bin ich der Produktion und dem Verzehr von Weihnachtsgebäck positiv gegenüber eingestellt. Aufgrund mangelnder künstlerischer Fähigkeiten stehen neben dem guten Geschmack auch einfache Formbarkeit auf der Liste der Ansprüche, die ich an ein erfolgreiches Rezept stelle. Fast alle Plätzchen, die ich dieses Jahr gemacht habe, sind also bollen- oder haufenförmig. In der Folge: die besten Kuriosi- und Spezialitäten aus der chilenischen Weihnachtsbäckerei.


Zuerst möchte ich unser Rührgerät vorstellen, denn es ist ein Produkt von höchster Qualität, wie es selbst sagt: „German Engineering and Design: Handbuch Schläger“. Falls sich jemand wundert, ob man damit Handbücher schlagen kann, dann kann ich nur sagen: ich habe es bisher noch nicht ausprobiert, war aber am Anfang auch sehr verwundert, ob dieses komischen Namens. Die Erklärung ist aber letztlich ganz einfach: Das Handrührgerät heißt auch Spanisch „batidora manual“. Manual kann aber auf der anderen Seite auch Handbuch heißen. So kann das bei German Engineering and Google Translate schon mal passieren, dass sich ein False Friend auf einem Hochqualitätsprodukt verirrt.


Ein Vorteil, noch auf Arbeitssuche zu sein, ist, dass ich den ganzen Dezember Zeit hatte, viele Plätzchen zu backen. Ursprünglich wollte ich eine Liste von Vorteilen schreiben, im Sommer zu backen, aber letztlich ist mir nur einer eingefallen: wenn man weiche Butter braucht, kann man sie einfach fünf Minuten in die Sonne stellen. Aber da hört es auch schon auf, Backen und Winter passen doch irgendwie besser zusammen. Vor allem der warme Ofen nervt, wenn es draußen eh schon über 25 Grad sind. Aber man muss sich ja nicht reinsetzen.


Auf der Suche nach Zutaten muss ich Chile erst einmal loben. Auch wenn die Tradition von selbstgebackenen Plätzchen hier nicht weit verbreitet ist, findet man doch irgendwo die meisten Dinge, die man braucht. Sogar Vanillinzucker und Lebkuchengewürz werden aus Deutschland importiert. Schwer tat ich mir mit den Plätzchendosen, aber auch die konnte ich schließlich in einem Krimskrams-Chinesichen-Supermarkt finden. Zwei Dinge aber konnte ich trotz intensivster Suche nicht auftreiben: Marzipan und Oblaten.  



Trotzdem hatte der Ofen diesen Monat viel zu tun, und ich denke, an Weihnachten kann sich keiner über Plätzchenmangel beschweren. Die restliche Zeit dieses Monats verbrachte ich damit, meine Python-Programmierkenntnisse etwas aufzufrischen, und nehme beispielsweise an einem Data-Science-Wettbewerb teil, bei dem man dem Weihnachtsmann helfen muss, Geschenke an Kinder zu verteilen, und eine möglichst hohe Zufriedenheitsquote zu erreichen. Außerdem habe ich Geschenke besorgt. Weihnachten kann kommen.


Dienstag, 12. Dezember 2017

Ein besonderer Bauernhof

María Paz musste am Montag nicht arbeiten und so fuhren wir am Nachmittag mit ihrer Mutter zu Marisol, einer Freundin der Mutter. Diese hat vor vielen Jahren beschlossen, sich mit ihrem Mann aufs Land zurückzuziehen und Tiere aufzunehmen, die dort ein glückliches Leben führen. Der Einladung auf den kleinen Bauernhof folgten wir natürlich gerne. Zuerst begrüßten uns die vielen Hunde des Hofs, die frei herumliefen. Sie waren sehr aufgeregt wegen des Besuchs und sprangen wild herum und ließen sich streicheln.


In einem sehr großen Gehege waren dann wie in einem Streichelzoo wild durcheinander Schafe, Ziegen, Alpakas und Kühe, die dort gemeinsam leben. Einige neugierige Nasen kamen auch gleich an den Zaun, um sich streicheln zu lassen. 


Vor allem die Kühe genossen es, sich den Kopf kratzen zu lassen und waren ganz aufgeregt. Man muss dazu sagen, dass nur die beiden jungen Kühe mit den Schafen und Ziegen im Gehege sind, die älteren haben eine getrennte Weide.


Dann wurden die Tiere noch viel aufgeregter, denn es war Zeit für die Fütterung. Marisol kam mit zwei großen Flaschen Milch, die den Jungkühen gegeben wurde. Ich durfte auch mitfüttern. Für die anderen Tiere gab es später Heu.


Im Nachbargehege leben Enten, Gänse, Hühner und Pfaue zusammen. Auch ein Babypfau rannte vergnügt seiner Mutter hinterher. Während die Enten munter quakten und sich über Gott und die Welt unterhielten, fraßen die Hühner ihr Futter leer. Andere Hühner brüteten im Stall und der Hahn krähte. Die Pfaue waren leider nicht in Balzlaune, sondern stritten mit ein paar sonderbar aussehenden Hühnern.


Ein weiteres Highlight waren zwei große Emus, die ein eigenes großes Gehege für sich hatten und mit uns neugierig beäugten. Diese großen Vögel, die ursprünglich aus Australien stammen, können nicht fliegen, aber dafür bis zu 50 km/h schnell rennen. Die beiden Tiere von Marisol waren freundlich, und ließen sich streicheln. Sie haben sehr viele kleine dünne Federn, was zu einem dicken weichen Federkleid führt.



Zum Abschluss hatte Marisol noch eine Überraschung für uns. In der Scheune, wo sie das Heu lagern, hatte sich eine Eule eingenistet und wir konnten einen kurzen Blick auf ihre Jungen werfen. 


Beeindruckt von den vielen coolen Tieren kamen wir gar nicht dazu den Rest des Bauernhofs zu sehen, denn Marisol besitzt auch viele Oliven-, Mandel- und Walnussbäume, sowie Obstbäume aller Arten. Dafür können wir vielleicht an einem anderen Tag nochmal vorbeikommen. 


Samstag, 9. Dezember 2017

Ausflug nach Pomaire

Nachdem ich in den letzten Wochen nichts sonderlich Aufregendes erlebt habe, machten wir heute einen Ausflug in das touristische Dörfchen Pomaire. An Bord waren María Paz und ihre Eltern und wir fuhren knapp 1,5 Stunden mit dem Auto, bis wir Pomaire, im Landesinneren erreichten. Wir suchten uns einen Parkplatz und aßen uns erstmal in einem der zahlreichen Restaurants satt.


Spezialitäten des Dorfs sind unter anderem große Empanadas, gefüllte Teigtaschen mit bis zu einem Kilo Gewicht. Mir reichte heute aber erst einmal eines von einem halben Kilo. Draußen fanden wir dann noch ein richtiges Prachtexemplar, das allerdings nur auf Vorbestellung produziert wird. Da findet sich sicher ein halbes Schwein drin.


Der Grund, warum täglich viele Touristen nach Pomaire fahren, ist die Töpferkunst, die in diesem Dorf noch in großem Maße ausgeübt wird. Es reihen sich viele Geschäfte aneinander, die Töpfe, Tassen und Teller, aber auch Sparschweine, Blumentöpfe und Amphoren anboten. Andere verkauften Produkte aus Holz, Leder oder sonstigen Plastik-Touri-Nepp.


Später kauften wir uns noch eine frischgepresste Limonade mit Minze und entschieden uns langsam, welche Dinge wir tatsächlich kaufen wollten, denn die niedrigen Preise für die Töpfersachen verleiteten schnell mal zu einem überhasteten Großeinkauf. Aber mit kühlen Kopf entschieden wir uns für einige wenige ausgewählte Highlights, die wir mit nach Hause nahmen. Dann war es Zeit, sich auf die Heimfahrt zu machen.



Das getöpferte Empanada mit Magnet wurde zuhause gleich an den Kühlschrank geheftet und María Paz und ich bereiteten in unserem neuen Tontopf gleich das Abendessen zu: Es gab Quinoa mit Tomaten, Avocado und Gurken, dazu ein frisches Hühnerei. So ließen wir den Tag gemütlich ausklingen.