Valparaíso

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Mittwoch, 26. November 2014

Mein Leben als Model

Ein überraschender Blogartikel am Mittwochabend, damit dieser eintönige Oh-es-ist-ja-schon-wieder-Wochenende-da-gibts-nen-neuen-Blogeintrag-Rhythmus mal unterbrochen wird.
Jakob, mein ehrenwerter Mitbewohner, nimmt hier an der Uni an einem Fotografie-Kurs teil und fragte mich am Freitag, ob ich ihm bei einer Arbeit helfen könne. Das Thema des Kurses ist Lightpainting, und er muss noch ein Foto einreichen. Da ich ohnehin nichts Besseres zu tun hatte, ging ich mit ihm auf unsere geniale Dachterrasse. Er probierte einiges aus an Lightpainting und ich konnte mich auch dafür begeistern. Man kommt in eine Experimentierlaune, was man alles mit der langen Belichtung und den bunten Lichtern ausprobieren kann.


Ein anderes Mal probierten er und sein Fotografie-Kollege verschiedene Blitze aus und brauchten mich auch als Model. Da musste ich nur das tun, was ich ohnehin am Besten kann: Einfach gut aussehen ;)
Auf seiner Flickr-Seite: https://www.flickr.com/photos/jaquetemontre/ kann man noch weitere schöne Fotos von ihm finden.

Samstag, 22. November 2014

Traditionen, Mythen und Rituale

In der letzten Woche hatte ich mal meine Kamera an der Uni dabei und konnte so das ein oder andere schöne Bild in und von der Uni schießen. Zudem kann man behaupten, dass sich nach über drei Monaten auch schon einige Traditionen eingependelt haben. Und wenn wir schon beim Thema Traditionen sind, gehe ich zum Schluss des Artikels noch kurz auf die einzig wahre Tradition hier an der Universität ein, ich hoffe, ihr seid schon gespannt wie ein Flitzebogen.

Es hat sich eingebürgert, um die Mittagszeit, wenn die Bäuche schon heftig knurren, die Mensa der Uni zu meiden. Stattdessen gehe ich – oft mit Jakob, meinem Mitbewohner, oder mit Pauli, meiner Tutorin und ihren Freundinnen – in die Nony, ein Restaurant, zwei Minuten von der Uni entfernt. Da kann man zum gleichen Preis wie in der Mensa essen, aber mindestens acht Klassen besser. Da wir nicht die einzigen sind, die davon Wind bekommen haben, kann man zur Nony eigentlich nur gehen, wenn man weit vor 1 aus dem Unterricht gelassen wird. Nach der leckeren Mahlzeit schlendern wir dann – immer, wie gesagt, es geht um Traditionen – zum Patio Central, dem großen „Pausenhof“ der Uni. Da gibt es einen Kiosk, und im Kiosk gibt es Centella, Wassereis mit leckerem, künstlichen Geschmack. Da es immer sommerlicher wird, steigt die Centella-Lust auch exponentiell und bald wird es sicher nicht bei einem Centella pro Mittagspause bleiben.


Der Patio Central, links hinten gibts Centellas
Meinen Süßigkeitendurst stille ich jedoch nicht nur mit Centellas, sondern auch mit Alfajores. Das sind so runde Gebilde, drei Runde Kekse, dazwischen Manjar (süße Creme), irgendein Geschmack (z.B. Banane, Minze, Kokos, Kaffee, Himbeere, Erdbeere und ein paar leckere Sachen wo ich zwar den Namen weiß aber nicht weiß was es ist) und das ganze fett umhüllt mit Schokolade. Es gibt zwei Möglichkeiten sich Alfajores zu beschaffen. Vor dem Hintereingang der Uni sitzt immer eine Frau, die fast keine Stimme mehr hat (deshalb weiß ich auch bei manchen Geschmacksrichtungen nicht, was der Inhalt ist, weil ich die arme Frau nicht mit 1000 Fragen quälen will) und verkauft Tonnen von Alfajores. Das ist die sichere (aber auch teurere) Variante. Wenn man einen (im wahrsten Sinne) Schokoladentag erwischt, läuft man einem Mädchen über den Weg, die Alfajores verkauft. Ich habe sie noch nie gesehen, ohne dass sie ein Kistchen mit den leckeren Süßigkeiten dabeihatte. Da das Kistchen klein ist, und ich immer viele Leute sehe, die bei ihr kaufen und ich sie trotzdem noch nie ohne Alfajores gesehen habe, liegt der Verdacht nahe, dass sie irgendwo einen riesigen Vorrat hortet. Ich sollte unbedingt versuchen, das Versteck zu finden, dann habe ich ausgesorgt für den Rest meines Lebens (oder Diabetes).


Ist das Versteck womöglich auf der Terrasse dieses Gebäudes?
Genug gescherzt, nun zurück zu den Fakten. Es ranken sich zwei Mythen um den Treppenaufgang zum Haupteingang der Uni. Wer nämlich die Stufen zählt, so heißt es, würde nie zur Titulation gelangen, also nie seinen Abschluss an der Uni schaffen. Selbiges gilt für diejenigen, die das Schild unter der Statue des Begründers der Uni, Federico Santa María lesen.


Zum Glück gibt es Studenten, die ihre Neugier im Griff haben und während ihrer Unilaufbahn weder die Stufen gezählt, noch das Schild gelesen haben. So kam ich in der vergangenen Woche in den Genuss von zwei Titulationsfeiern von Freundinnen, die ihren Abschluss geschafft hatten. Und konnte nun auch endlich einmal die bekannteste Tradition der Uni kennenlernen: den piscinazo!
Während der fast-fertiggebackene Student noch ein letztes Mal in der Verteidigung seiner Abschlussarbeit schwitzen muss, versammeln sich alle Freunde vor der Tür der Verteidigung.
Schwimmbad mitten in der Uni

Freudestrahlend kommt der nun-endgültig-fertiggebackene Titulant aus dem Klassenzimmer und wird von allen umarmt und dann schnell zum universitätseigenen Pool begleitet. Dort schnappen sich vier kräftige Burschen die Arme und Beine des Glückseligen und ehe er sich versieht, liegt er schon im Schwimmbad, unter dem tosenden Applaus der Zuschauer. Anschließend gibt es dann noch ein weiteres Ritual, den Champagner-Schuss und dann gibt’s noch Häppchen und Champagner.



Samstag, 15. November 2014

Santiago de Chile und TEDx 2014


Mein Spanischprofe Manuel ist nicht nur ein lustiger Zeitgenosse und Entertainer im Unterricht, sondern auch einer der Mitorganisatoren des TEDx Events 2014 in Santiago.

TED (Technology, Entertainment, Design) sind weltweit stadtfindende Konferenzen, in denen die Vortragenden in 18 Minuten über ein Thema referieren und im Bestfall eine Message übermitteln und die Besucher zum Denken und Handeln anregen. Unter www.ted.com findet man weitere Informationen und interessante Videos.
TEDx ist ein unabhängig von TED organisiertes Event, unterstützt von der Uni an der ich studiere, und das Event fand am Donnerstag statt. Der Spanischlehrer hatte ordentlich Werbung gemacht und so wollte ich mir das Ganze nicht entgehen lassen.

Riesige Chile-Fahne
Am Morgen fuhr ich mit María Paz nach Santiago und wir hatten noch genug Zeit, uns die Stadt ein bisschen anzugucken. Wir liefen durch die Straßen, und auf den Cerro Santa Lucía, wo wir einen schönen Blick über die Stadt hatten. 

Wir kamen auch am höchsten Gebäude Lateinamerikas vorbei, dem Gran Torre Santiago, der 300 Meter hoch in den Himmel ragt.

Mittags knurrten unsere Mägen gewaltig, sodass wir uns in einer Mall ein leckeres Mittagessen gönnten und so gestärkt Richtung TEDx gehen konnten.

Marcia, mit der ich in Spanisch immer zusammenarbeite, war ebenfalls dem Ruf des Events gefolgt.

Insgesamt gab es acht Vorträge. Es begann der Literaturprofessor und Dichter Cristián Warnken, der einen tollen Vortrag zum Thema Wüste (in Chile) und die innere Wüste eines jeden Einzelnen hielt, über das Wunder Kaktus und die Poesie, die in Chile einen hohen Stellenwert hat. Anschließend berichteten zwei Schülerinnen, die in der Antarktis im Alter von 15 Jahren angefangen haben zu forschen, und eine Algensorte entdeckt haben, die Öl abbaut. Der dritte Vortrag war von einem Regisseur und er zeigte viele launige (aber auch zum Nachdenken anregende) Ausschnitte aus seinem neuesten Projekt, einen Film über die letzte Präsidentschaftswahl in Chile.

Den Abschluss des ersten Teils bildete Anne Hansen, eine ältere dänische Dame, die schon viele Jahre in Valparaíso lebt und dort eine Bibliothek für Kinder gegründet hat. Sie hatte einen tollen Vortragsstil, präsentierte im Wesentlichen nur zwei Bilderbücher, aber vernetzte das mit vielen Denkanstößen für die Gesellschaft. Dann gab es eine kurze Kaffeepause. 
(Me llamo) Sebastián, ein chilenischer Musiker

Die Vorträge der zweiten Hälfte waren auch interessant, aber für mich nicht so fesselnd wie die der ersten Hälfte. Kann sein, dass ich einfach schon platt war, von so vielen schlauen Sätzen, die mein Gehirn durchqueren mussten, oder ob sie vom Niveau wirklich nicht ganz rankamen. 
 

Das Video zeigt den Anfang des Vortrags einer Lehrerin von der Osterinsel, wo sie ein Gedicht auf Rapa Nui, der dort gesprochenen Sprache, rezitiert.
Lustig war das Ende dieses Vortrags, als die Frau nach ewigem Gelaber fragte: „Was bedeutet eigentlich 'Time's up'?“
Nach dem letzten Vortrag gabs viel Applaus und auch nochmal etwas zu Essen, dann war der ereignisreiche Tag zu Ende und wir fuhren gemütlich und erschöpft zurück nach Valparaíso.

Freitag, 7. November 2014

Cena Italiana

Bevor ich mit dem Erzählen anfange, noch kurz das haarsträubende Ende des Streits mit der Frau vom Hostel, den Andi am folgenden Tag zu Ende getragen hat. Sie haben laut seiner Aussage wieder heftig angefangen zu diskutieren. Das kann ich mir lebhaft vorstellen, da ich ja selbst miterlebt habe, wie sie am Tag zuvor an die Decke gegangen ist, als wir die Preise zum ersten Mal angesprochen haben. Wie dem auch sei, sie fingen an zu streiten und an einem Punkt sagt, die Frau (sie war übrigens halbseitig gelähmt), dass sie jetzt die Polizei rufe und ihn sagen würde, dass Andi versucht habe, sie auszurauben. Und dass sie ihr aufgrund ihrer Behinderung glauben würden. Unfassbar oder?

Zurück in Valparaíso ging dann das gewöhnliche Unileben weiter, zum Glück erstmal nicht so stressig. So konnten wir das Sommerwetter genießen und auch schon mal am Strand chillen. Dann stand am Donnerstag auch das italienische Abendessen an! Zuvor wurde gesagt, dass wir etwas italienfarbiges mitbringen müssen, um etwas zu Essen zu bekommen. Da mir das Risiko des Nicht-Essen-Bekommens zu groß war, gab ich mir Mühe und erschien als improvisierte Italienfahne.

Es lohnte sich total! Viele verschiedene Pizzen wurden aufgetischt, eine leckerer als die andere. Dazu ein typisch sizilianisches Gericht, Arancini (glaube ich), was fritierte, gefüllte Reiskugeln waren, eine Wohltat für meinen Magen. Und zum krönenden Abschluss leckeres Tiramisu.
Die ganze zufriedene Meute (Foto wieder mal von Manuela)

Das Abendessen fand im Haus von der Soto statt, einer chilenischen Tutorin, die selbst einmal für ein Semester in Sizilien war. Da dies aber ziemlich weit weg von Valparaíso war, blieben viele noch dort. Wir unterhielten uns bis in die Morgenstunden mit ihren Eltern und konnten dann jeder in einem der zahlreichen Betten des Hauses schlafen.

Am nächsten Tag ging ich mit einer kleinen Gruppe am Nachmittag gemütlich ein Eis essen. Als ich an der Reihe mit dem Bestellen war sagte ich: „Un helado de una bola“. Und musste erstmal 20 Minuten warten, bis die Dame an der Kasse sich von ihrem Lachanfall erholt hatte. Unfassbar diese Chilenen, denn hier hat alles zwei Bedeutungen und man tritt dauernd in irgendwelche Fettnäpfchen. Immerhin kriegte ich dann mein Eis, da wars mir auch egal. Abends aßen wir noch einen Riesenteller Pommes und tranken ein Bier.

Ab jetzt beginnt die nächste Stressphase, wir haben zahlreiche große Hausaufgaben vor der Brust und auch noch einige Tests. Sozusagen der Endspurt, denn in etwas mehr als einem Monat dürfte der Spuk auch schon vorbei sein.