Valparaíso

Valparaíso

Samstag, 25. Juli 2020

Ein besonderes Portrait


Wenn man zum ersten Mal nach Valparaíso kommt und durch die Cerros Concepción und Alegre läuft, sieht man eine große Zahl an großen und kleinen Graffitis. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus und dieses Staunen ist auch beim zweiten, dritten und siebenundzwanzigsten Spaziergang durch die Hügel noch da. Man entdeckt immer etwas Neues.


Aber die beiden „Touristen“-Hügel sind nicht die einzigen, die tolle Kunstwerke beherbergen. So lernten María Paz und ich zum Beispiel bei einer Teilnahme an der „Tour durch die Seite B von Valparaíso“ im Cerro Barón und Lecheros 16 hausgroße Graffitis kennen. Und zum ersten Mal auch ein bisschen zu den Hintergründen der Kunstwerke. Was haben sich die Künstler dabei gedacht, was ist die Geschichte der Werke und der Künstler. Ein Werk hat uns dabei besonders gut gefallen, das von Anis.


Sie ist eine Künstlerin, die in Valparaíso lebt und deren Werke man in der ganzen Stadt bewundern kann. Ihre Bekanntheit geht jedoch weit über die Grenzen der Stadt hinaus, sie hat auf der ganzen Welt ihre Spuren hinterlassen (unter anderem in Berlin). Ihre Werke zeigen starke Frauen, mal als Kriegerinnen, mal als Taucherinnen oder in der Natur sitzend. Die Verbundenheit zur Natur ist ein häufiges Symbol in Anis Werken. Man erkennt die Figuren auch an ihren charakteristischen Augen und der Verwendung bestimmte Farben für die Gesichter.


Auf Instagram sahen wir vor kurzem, dass Anis Portraits zeichnete und Teile der Einkünfte einem wohltätigen Zweck zukommen ließ. Das war eine einmalige Gelegenheit um ein wunderbares Erinnerungsstück an unsere Zeit in Valparaíso zu bekommen. Nach wenigen Tagen hatten wir schon das Portrait im Maileingang und sind sehr glücklich damit.



Wir wünschen uns, dass wir uns langsam in Richtung einer Gesellschaft bewegen, in welcher sich Frauen so stark fühlen können, wie die aus Anis Kunstwerken. Und dass wir Menschen wieder mehr in Einklang mit der Natur leben.

Freitag, 17. Juli 2020

Neue Kamera


María Paz und ich verbringen zurzeit sehr sehr viel Zeit zuhause, di e Quarantäne wird von Woche zu Woche verlängert und auch wenn wir in Chile mittlerweile nicht mehr 5000 neue Fälle täglich haben, sondern „nur noch“ um die 2000-2500, so ist es immer noch zu viel, um an die Normalität zu denken.

Auf der Suche nach neuen Hobbies und inspiriert durch die Vögel, die gegen 17:30 Uhr täglich zu einem lauten Konzert ansetzen, haben wir uns eine Kamera gekauft. Das freut sicher auch die Leser des Blogs, da es potentiell etwas mehr zu lesen gibt, wenn Fotos vorhanden sind und ich nur noch kurze Texte drumherum drapieren muss.


Mews, die treue Hauskatze ist momentan das meistfotografierte Motiv  und muss sich nicht einmal anstrengen, um immer gut auszusehen und unsere Herzen zum Schmelzen zu bringen. Sie schläft viel, denn Model sein strengt ganz schön an.


Da sie ein paar Pfunde zugelegt hat, versuchen wir sie immer zum Spielen anzuregen und beispielsweise den Baum hochzuklettern auf der Jagd nach Blättern.


Am Wochenende nutzen wir unsere Ausgangserlaubnisse zum Einkaufen (zwei pro Woche und Person), um die Eltern von María Paz zu besuchen. Letztes Wochenende war es sogar ziemlich warm und wir aßen Eis auf dem Balkon. Da etwas später schön die Sonne unterging, konnten wir gleich die neue Kamer ausprobieren. Leider können wir bisher nur den Automatik-Modus verwenden, aber María Paz hat den Plan, sich ein bisschen in den manuellen Modus einzuarbeiten.


Die Sonne geht relativ früh unter (so knapp nach 18 Uhr dieser Tage) und dann erstrahlt Valparaíso in der Nacht. Für uns bedeutet das, die knapp 500 Meter nach Hause zu laufen und gemütlich mit Mews einen Film oder eine Serie zu gucken.


Abseits des Kamera-Hypes, gibt es auch andere gute Neuigkeiten: María Paz hat eine Mail von der Uni Kassel bekommen und wir versuchen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um bei Semesterstart in Deutschland zu sein. Leider ist das wirklich unter erschwerten Bedingungen, da trotz Ausgangssperre alle Papiere legalisiert werden und dann nach Santiago zur deutschen Botschaft gebracht werden müssen. Und das dauert dann noch ein paar Wochen oder Monate, bis wir tatsächlich das Visum für María Paz bekommen und hoffentlich gibt es bis dahin wieder (mehr) Flüge Richtung Deutschland. Aber wir arbeiten daran!

Sonntag, 12. Juli 2020

Regen und R


In Valparaíso regnet es eher selten. Die einzigen Monate, in denen man größere Regenmassen erwarten kann sind im Winter: Mai, Juni und Juli. Leider sind in den letzten Jahren die Regenfälle mehr und mehr ausgeblieben. Dieses Jahr können wir uns bisher in dieser Hinsicht nicht beschweren. Es gab mehrere Regentagen in den vergangenen Wochen, zeitweise kam es sogar zu Überschwemmungen in der Hauptstadt Santiago.

Das ist ein guter Aufhänger, um ein bisschen über meine persönlichen Programmierprojekte zu sprechen. Ich habe in letzter Zeit ein bisschen angefangen mit geografischen Daten herumzuspielen. Gegen Anfang des Jahres hatten wir einen Crashkurs über GIS (Geographic Information Systems) und letzten Monat nahm ich an einem Kurs über GIS in R teil. R ist das Programm, mit dem ich hauptsächlich arbeite, um Daten zu analysieren und zu visualisieren.

Mit R kann man kleine Web-Applikationen schreiben, und ich probierte ein bisschen damit und mit Klimadaten von Chile herum. Man kann dort einzelne Punkte oder Gebiete des Landes auswählen und das Klima der letzten zehn Jahre verglichen mit dem 30-jährigen Mittel der Jahre davor betrachten. Hier sieht man zum Beispiel das Fehlen von Niederschlägen in den Wintermonaten in der Zentralregion und im kleinen Süden.


Alternativ kann man auch die Temperatur und Bodenfeuchtigkeit auswählen und wem die Heatmap im vorherigen Bild zu detailliert ist, für den gibt es auch einen Vergleich von zwei Linien. Wer die App ausprobieren will, kann dies gerne hier tun: https://rvdatainsights.shinyapps.io/ChileClimate/.

 
Da das Raster der Messungen in der App relativ breit ist, arbeite ich schon an einer detaillierteren Ansicht der Niederschläge in Chile. Es dauerte für mich als Anfänger relativ lange die Raster auf die Chilekarte zuzuschneiden, aber letztlich hat es doch geklappt (vor allem dank der online verfügbaren Hilfe mit Codebeispielen und Tutorials).


Es ist sicherlich auch interessant die Auswirkungen der ausbleibenden Niederschläge auf unser Leben zu untersuchen. Es gibt einen Datensatz, in dem alle Waldbrände Chiles registriert sind. Leider ist es ein Excel Dokument mit vielen Tabs, die unterschiedliche Formate haben, sodass es ein bisschen Zeit brauchte, um es in ein visualisierbares Format zu bringen. Jetzt ist es aber schon möglich, die Waldbrände pro Region oder pro Monat zu sehen.


Ich dokumentiere all diese Projekte in Github (https://github.com/richardvogg), und dort ist auch der Code für diese und weitere Projekte verfügbar. Wenn ich noch ein bisschen an der Präsentation feile, kann ich das Github-Profil in Zukunft nutzen, um es bei Bewerbungen mitzuschicken, als Art Bewerbungsmappe eines Data Analysts.

Mein neustes Interesse dreht sich um Twitter. Die großen Köpfe der R Community sind alle auf Twitter aktiv und posten interessante Blogartikel, Tutorials oder Meinungen. In einem kleinen Programm, das ich momentan schreibe, kann ich interessanten Themen aus der R Welt folgen, bekomme aber nur die besten Tweets gefiltert geliefert. Da Bilder einen viel mehr zum Klicken einladen, habe ich außerdem die besten Tweets mit Bildern herausgefiltert.