Valparaíso

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Dienstag, 30. Januar 2018

Festival de las Artes

In der letzten Woche fand in Valparaíso das Festival de las Artes 2018 statt. Den ganzen Tag über gab es verschiedene Workshops in verschiedenen Teilen der Stadt und abends meist Konzerte auf der Plaza Sotomayor, einer der größten Plazas von Valparaíso.


An zwei Tagen gönnten wir uns abends die Shows. Parallel zu den Auftritten gab es auch Foodtrucks und Verkauf von Kunsthandwerk, sodass man nebenher Musik hören, essen und einkaufen konnte. Zudem stand das ganze Festival unter dem Motto Recycling, sodass immer wieder kurze „Werbe“pausen stattfanden, in denen auf die Wichtigkeit des Themas hingewiesen wurde. Anstelle von den gewöhnlichen Mülleimern für alles, gab es Behälter für 6 verschiedene Sorten von Müll. Ein sehr gute, und auch sehr wichtige Initiative, da Müll in Valparaíso wirklich ein Problem darstellt. Zum Glück bewegt sich aber langsam auch die Regierung, und demnächst sollen in allen Küstenstädten Chiles Plastiktüten beim Einkaufen verboten werden. Wo wir schon dabei sind, kann ich den Exkurs auch direkt fortsetzen, ich habe mich sozusagen in Rage geschrieben. In den Supermärkten gibt es hier hinter den Kassen immer Einpacker, die einem sofort alles Gekaufte gegen eine freiwillige Spende in Plastiktüten einpacken. Leider ist das Ganze so in der Gesellschaft verankert, dass man auch, wenn man z.B. einen normal eingepackten Frischkäse oder ein Paket Zucker kauft, immer 1-2 Plastiktüten bekommt. Das Meer und die Fische bedanken sich.
Na gut, jetzt bin ich aber gehörig abgeschweift, zurück zum Festival de las Artes. Am ersten Abend blieben wir nicht so lange, schauten uns die Verkaufsstände an und tanzten ein bisschen zur Musik. Mit uns tanzten auch große Menschen.


Auch am Samstagabend fuhren wir mit den Eltern von María Paz wieder zur Plaza Sotomayor. Zunächst performte Kumbá, eine Band die Body-Percussion machte, eigentlich machten sie Geräusche mit allem was auf der Bühne so rumstand. Zudem banden sie auch das Publikum super ein, sodass der Auftritt allen Spaß machte.


In einer ruhigen Minute konnte ich auch ein Foto mit einem tanzenden Lama schießen, das sehr freundlich war und nicht spuckte.


Der letzte Auftritt war von der Kolumbianerin Totó La Momposina. Diese ist durchaus berühmt in Südamerika, vielleicht kennen sie einige auch aus dem Lied „Latinoamerica“ von Calle 13 (https://www.youtube.com/watch?v=J1KwZ0_HBxA) , in welchem sie den Refrain singt. Hier, beim Festival de las Artes, trat sie mit einer Trommelband auf und brachte die ganze Plaza Sotomayor zum Tanzen.



Einer aber tanzte nicht, ein dicker Straßenhund. Dieser fand uns und beschloss für den Rest des Abends bei uns zu bleiben. Er legte sich einfach in die Mitte, chillte, ließ sich streicheln und genoss die Musik.

Montag, 22. Januar 2018

Märkte und Messen mit Mittagessen

Was sich reimt ist gut, das wusste schon der liebe Pumuckl! Folglich ist auch die Überschrift zu diesem Text gut, und das trifft sich passend, denn der beschriebene Tag war gut. Doch der Reihe nach. Es sind gerade Sommerferien in Chile, und die Leute aus der Millionen-Smog-Hitze-Stadt Santiago verbringen ihre Freizeit gerne in den milden Küstenstädte Valparaíso und Viña del Mar. Das hat zur Folge, dass die Strände voll sind. Außerdem macht die Anwesenheit von kaufkräftigem Publikum die Monate Januar und Februar zu Monaten voller Events, Märkte und Messen.


Am Sonntag fuhr ich mit María Paz und ihrer Familie nach Viña, wo in diesen Wochen ein internationaler Kunsthandwerkermarkt stattfindet. Doch bevor ich anfangen konnte, die angebotenen Produkte aus aller Welt zu betrachten, musste ich erstmal meinen Magen füllen. Ich gönnte mir eine Chorillana, ein chilenisches Gericht, bestehend aus Pommes, Röstzwiebeln, Fleischstücken, Wurststückchen und einem Spiegelei. Sehr lecker!


Gestärkt schauten wir uns jetzt die unzähligen Stände an, probierten selbstgebrautes Bier, trommelten auf kubanischen Trommeln, schauten uns Blumensträuße aus Holz an und kauften auch die ein oder andere Kleinigkeit.


Dann war es schon höchste Zeit weiterzugehen und ich wollte auf meinem Motorrad abfahren. Leider merkte ich, dass das Benzin leer war und so musste ich es stehenlassen.


Also liefen wir zu Fuß ein Stück durch die Stadt, wo eine große Büchermesse stattfand. Heute waren aber nicht die Bücher der Star, sondern niemand geringeres als Pancho Saavedra, ein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen. Dazu vielleicht ein paar Worte: Das Programm, das Pancho Saavedra macht, heißt „Lugares que hablan“, auf Deutsch „Orte, die sprechen“. Mit seinem Kamerateam ist er in ganz Chile unterwegs, besonders gerne in abgelegenen Ecken, besucht die Leute dort und bringt dem Fernsehpublikum die Traditionen vor Ort direkt ins Wohnzimmer. Sei es ein Besuch beim ältesten Mann Chiles (und vielleicht sogar der Welt), die Herstellung von Mote con Huesillo, einem berühmten Getränk in Chile oder die Jagd nach Meeresfrüchten, Pancho ist immer mit vollem Körpereinsatz und vor allem mit lautem Lachen am Start. Da María Paz und ich, und auch ihre Eltern jeden Samstag „Lugares que hablan“ schauen, wollten wir uns den Besuch natürlich nicht entgehen lassen. Pancho war übrigens auf der Büchermesse, um sein neues Buch „Lugares que hablan“ vorzustellen.



So begannen dann auch schon die Abendstunden und wir fuhren wieder in der Metro nach Hause. Es ist immer schön, wenn man einen Fensterplatz hat, die Sonne gerade untergeht und ein ruhiger Musiker eine Melodie spielt, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. 


Mittwoch, 17. Januar 2018

Titulación von Camila

Die Schwester von María Paz, Camila, hatte in den letzten Monaten fleißig an ihrer Abschlussarbeit geschrieben und konnte sie am Montag verteidigen. Die Verteidigung der Arbeit ist natürlich eine spannende Geschichte, da sie zum einen das Ende des Studiums markiert, aber zum anderen auch mit vielen lustigen Traditionen in der Universität Santa María gefeiert wird. In einigen der älteren Blogeinträge hatte ich schon immer mal häppchenweise über Titulationsfeiern berichtet, nun kommt mal das volle Programm.

Viele glückliche Gesichter links und die grimmigen Zyklopen rechts.

Ich fuhr mit den Eltern bedeckt mit Tabletts voller Häppchen, Blumenvasen und Chips mit dem Auto zur Uni. Die Eltern gingen um 12 Uhr zur Verteidigung, während ich mit einigen Freunden und der Cousine von Camila die Tische aufbaute, auf die wir das Essen bestmöglich drapierten. Wir konnten es uns nicht verkneifen, schon mal das ein oder andere Häppchen vorab zu probieren.



Nach einer knappen Stunde war es dann soweit: der Professor verkündete, dass Camila für ihre Abschlussarbeit die maximale Note 100 bekommen würde. Die Freude war natürlich riesig und alle gratulierten. Draußen warteten noch mehr Gratulanten und wir liefen durch die Uni zum Schwimmbad, wo auch das Essen aufgebaut war.

Camila erhält das Feedback von ihrem Professor.

Die erste Tradition ist, dass der Vater ein Stück der Strumpfhose der frisch Titulierten abschneidet. Das Äquivalent bei den männlichen Absolventen ist hier das Abschneiden der Krawatte, da diese eher selten mit Strumpfhose unterwegs sind.


Dann wurden schon die Rufe laut „Al agua, al agua“, also „ins Wasser!“. Camila wusste schon was ihr blühte, denn sie wurde von vier kräftigen Kerlen gepackt und erstmal unter die Dusche gehalten, denn: ungeduscht darf man natürlich nicht ins Schwimmbad. Als diese Formalität erledigt war, ging es in hohem Bogen ab ins kühle Nass.

Goodbye Studium!

Zum Glück schien die Sonne, denn so konnte Camila direkt mit der nächsten Tradition weitermachen: der Rede mit anschließendem Champagner-Knall. Dann wurden noch Fotos in verschiedenen Konstellationen geschossen, mit ihren Yoga-Freunden posierte Camila kopfüber, mit der Familie war das Foto nicht ganz so spektakulär. María Paz musste zwar an dem Tag arbeiten, hatte aber eine Verlängerung ihrer Mittagspause erbeten und bekommen.


Dann wurde die Karikatur von Camila enthüllt, auch das ist eine der vielen Traditionen. Auf diesem großen Papier ist Camila bei einer Yogapose zu sehen, und hält in der Hand eine kleine Welt mit einem Flugzeug, da sie zuletzt ein Auslandssemester in Spanien gemacht hat und viel gereist ist. Im Laufe der Titulationsfeier konnten alle Freunde Glückwunsch-Texte auf der Karikatur hinterlassen.


Mit der Zeit waren auch immer mehr Freunde eingetroffen, sodass am Ende nochmal ein Gruppenfoto gemacht wurde. Anschließend aßen sich alle am Buffet satt, das übrigens überwiegend vegan war. Ich hatte Camila geholfen und vegane Bananenkuchen gebacken, dazu gab es noch viele verschiedene kleine Häppchen, Chips und Kräcker mit verschiedenen veganen Dips, sowie Gemüse.



Müde vom vielen Essen und Klatschen und Reden in der Sonne ging ich dann erstmal nach Hause – ihr ahnt es – für einen Mittagschlaf, während für Camila und ihre Freunde die Feierei erst richtig losging und später auch noch die Nacht zum Tag gemacht wurde.

Donnerstag, 11. Januar 2018

Zeit für Hobbies

Das neue Jahr hat recht gut begonnen, denn ich hatte direkt zwei Bewerbungsgespräche bei einer meiner favorisierten Firmen und die liefen auch ganz gut, sodass ich jetzt auf den nächsten Schritt warte. María Paz ist derweil fleißig am arbeiten und ich will in diesem Beitrag ein bisschen beschreiben, was ich so den lieben, langen Tag zuhause mache.

Insgesamt finde ich meine Situation gerade sehr entspannt, denn ich habe viel Zeit, meinen Hobbies nachzukommen. Zum einen habe ich mich auf der Seite kaggle.com angemeldet, auf der es alles zum Thema Data Science zu finden gibt: Tutorials, viele verschiedene Datensätze zum selbst herumprobieren und auch Wettbewerbe, an denen man teilnehmen und sogar viel Geld gewinnen kann (wenn man sich gegen tausende von anderen Programmierern durchsetzt).  Auf jeden Fall habe ich in den letzten Tagen ein bisschen mit Zeitungstiteln einer australischen Zeitung herumgespielt und versucht, diese ein bisschen zu analysieren. Unter anderem habe ich eine Funktion geschrieben, die für verschiedene Wörter, deren Auftreten in den Zeitungstiteln zählt und graphisch ausgibt. Aus Jux habe ich dann auch mal geschaut, wer von meinen ehemaligen WG-Mitgliedern die prominentesten Namensvetter in den australischen Medien hat  – und der eindeutige Sieger war zu meiner äußersten Freude ich.


Im Siegesrausch suchte ich direkt nach größeren Gegnern, mir wurde aber schnell gezeigt, dass Richard doch nicht übertrieben häufig in den Medien vorkommt. Ein gewisser Donald ist – insbesondere seit dem letzten Jahr – doch deutlich präsenter.


Desweiteren habe ich angefangen, coole Rezepte aufzuschreiben. Zum einen laden die günstigen Preise auf dem Markt dazu ein, viele Dinge auszuprobieren. Zum anderen kann sich María Paz so das Mittagessen für den nächsten Tag mitnehmen und muss am Abend nicht mehr kochen. 


Falls sich jemand fragt, warum die Rezepte in allen Farben des Regenbogens aufgeschrieben sind: das liegt daran dass María Paz mir einen coolen Stift mit mehreren Minen gegeben hat und es unheimlich einfach ist, zwischen den Farben hin- und herzuswitchen.


Neben den Mittagessen habe ich auch schon Müsli (das berühmte Leuchtturmmüsli von Westerheversand, das mir meine Schwester zukommen hat lassen) und Brot (mit Rosmarin aus dem Garten und Knoblauch) gemacht. Außerdem mache ich mir jeden Tag einen Smoothie, entweder mit Früchten vom Markt, oder auch mit Obst aus dem eigenen Garten, denn dort haben wir einen Baum mit Nisperos und einen Zwetschgenbaum. Außerdem hängen einige Äste eines Aprikosenbaums vom Nachbarsgrundstück zu uns herüber und jeden Morgen liegen da 4-5 frische Aprikosen auf dem Boden.


Wenn ich im Garten unterwegs bin, begleitet mich immer unsere Katze Mews, die stets gestreichelt werden will und dafür auch – wie ein Hund – am Bein hochspringt, wenn dies nicht schnell genug geschieht. Um ehrlich zu sein, ist Mews auch nicht ihr wahrer Name, doch wir hatten uns schon daran gewöhnt, als wir diesen erfuhren, sodass wir einfach dabei blieben. Und Mews hat sich deswegen noch nicht beschwert. Nachdem ich mit meinen Aprikosen zurück ins Haus komme, kann ich schon bald einen leckeren Smoothie genießen. Der Spruch auf dem Glas "mehr Vivaldi, weniger Pavarotti" ist übrigens bestes chilenisches Spanisch und bedeutet grob übersetzt "sei lebhafter, weniger trantütig". 


Ansonsten setze ich mich auch gerne hinten im Garten hin und spiele ein bisschen auf meiner Ukulele. Nach dem Dezember, in dem ich nur Weihnachtslieder einstudierte, ist nun auch wieder Zeit für das normale Rock’n’Roll in meinem Leben.


Und gibt es ja auch immer noch Bücher. Meine Eltern haben mir zu Weihnachten ein Buch über Statistik im Fußball geschenkt, in dem versucht wird, Spielausgänge und Ergebnisse mithilfe von Daten möglichst genau zu prognostizieren. Da es zwei meiner Lieblingsthemen kombiniert, ist das natürlich ein sehr spannender Zeitvertreib. Außerdem habe ich mir ein Buch mit lauter kurzen, interessanten Geschichten über Chile gekauft. Jetzt lerne ich endlich mal ein bisschen, woher die ganzen Straßennamen kommen, über die man tagtäglich stolpert. Da es auch viele Bilder gibt, ist das Buch wie gemacht für mich.



Wer mich kennt, der weiß, dass ich auch einen zwanzigminütigen Mittagschlaf zu meinen Hobbies zähle. Es gibt nichts besseres, und deshalb werde ich jetzt auch eine kleine Siesta machen.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Silvester und Neujahr

Wie auch in Deutschland, allerdings mit vier Stunden Abstand, wurde in Chile am 1. Januar das neue Jahr begrüßt. Ein Unterschied ist allerdings, dass es hier verboten ist, Silvesterraketen oder Böller zu kaufen und zu zünden. Die Stadt organisiert ein großes Feuerwerk, das entlang der ganzen Küstenlinie zu sehen ist. Natürlich muss ein solches Großevent vorher geprobt werden, und so begaben wir uns am 28.12. abends an den Strand, wo eine zweiminütige Probe standfand. Diese war beeindruckend und ließ mich gespannt auf den 31. warten.


Am Nachmittag des 31. unternahmen María Paz und ich einen kleinen Spaziergang entlang der Küste und man sah deutlich mehr Boote als sonst draußen auf dem Meer. Diese waren mit den ganzen Raketen beladen, die am Abend zu sehen sein würden. An den besten Aussichtspunkten hatten sich bereits früh viele Menschen ihren Platz reserviert, denn das Feuerwerk in Valparaíso ist in ganz Chile bekannt, und Leute aus allen Regionen pilgern jedes Jahr in die Hafenstadt, um hier das neue Jahr zu beginnen.


Am Abend trafen wir uns wieder in der Wohnung der Eltern von María Paz, und – wie an Weihnachten – kamen auch wieder ihre Großeltern vorbei. Die Wohnung ist im 10. Stock eines Hochhauses, und das bedeutet: Bester Blick aufs Meer.  Nach einem leckeren Abendessen kamen noch eine Tante von María Paz samt Familie vorbei und wir „verkleideten“ uns mit lustigen Hüten, Krawatten und Brillen. Dabei wurden natürlich auch eifrig Fotos geschossen.


Um Mitternacht waren dann alle auf dem Balkon versammelt und der Spaß konnte beginnen. Insgesamt 23 Minuten lang waren die bunten Feuerwerke zu sehen und die Leute überall in Valparaíso, Viña del Mar und Concon erfreuten sich an der Vorführung.


Wir blieben noch eine Weile auf dem Balkon, da die Temperaturen recht angenehm waren, spielten Story Cubes und schossen lustige Fotos mit Monse, der kleinen Cousine von María Paz. Später wurden die Augen immer schwerer und wir gingen gegen 3 Uhr nach Hause.


Am nächsten Tag kamen zwei Freundinnen von María Paz aus Schulzeiten zu Besuch, Francisca und Joedith. Nachdem die Mädels lange genug in Erinnerungen geschwelgt hatten, spielten wir den ganzen Nachmittag, zuerst die Neuerwerbungen von Weihnachten: Dixit und Story Cubes, und dann durfte auch eine Partie Codenames nicht fehlen. Zum Abschluss versuchten wir uns an einer Runde The Game. So starteten wir gut ins neue Jahr 2018.