Die Schwester von
María Paz, Camila, hatte in den letzten Monaten fleißig an ihrer
Abschlussarbeit geschrieben und konnte sie am Montag verteidigen. Die
Verteidigung der Arbeit ist natürlich eine spannende Geschichte, da sie zum
einen das Ende des Studiums markiert, aber zum anderen auch mit vielen lustigen
Traditionen in der Universität Santa María gefeiert wird. In einigen der
älteren Blogeinträge hatte ich schon immer mal häppchenweise über Titulationsfeiern
berichtet, nun kommt mal das volle Programm.
| Viele glückliche Gesichter links und die grimmigen Zyklopen rechts. |
Ich fuhr mit den
Eltern bedeckt mit Tabletts voller Häppchen, Blumenvasen und Chips mit dem Auto
zur Uni. Die Eltern gingen um 12 Uhr zur Verteidigung, während ich mit einigen
Freunden und der Cousine von Camila die Tische aufbaute, auf die wir das Essen
bestmöglich drapierten. Wir konnten es uns nicht verkneifen, schon mal das ein
oder andere Häppchen vorab zu probieren.
Nach einer
knappen Stunde war es dann soweit: der Professor verkündete, dass Camila für
ihre Abschlussarbeit die maximale Note 100 bekommen würde. Die Freude war
natürlich riesig und alle gratulierten. Draußen warteten noch mehr Gratulanten
und wir liefen durch die Uni zum Schwimmbad, wo auch das Essen aufgebaut war.
| Camila erhält das Feedback von ihrem Professor. |
Die erste
Tradition ist, dass der Vater ein Stück der Strumpfhose der frisch Titulierten abschneidet.
Das Äquivalent bei den männlichen Absolventen ist hier das Abschneiden der
Krawatte, da diese eher selten mit Strumpfhose unterwegs sind.
Dann wurden schon
die Rufe laut „Al agua, al agua“, also „ins Wasser!“. Camila wusste schon was
ihr blühte, denn sie wurde von vier kräftigen Kerlen gepackt und erstmal unter
die Dusche gehalten, denn: ungeduscht darf man natürlich nicht ins Schwimmbad.
Als diese Formalität erledigt war, ging es in hohem Bogen ab ins kühle Nass.
| Goodbye Studium! |
Zum Glück schien
die Sonne, denn so konnte Camila direkt mit der nächsten Tradition
weitermachen: der Rede mit anschließendem Champagner-Knall. Dann wurden noch
Fotos in verschiedenen Konstellationen geschossen, mit ihren Yoga-Freunden
posierte Camila kopfüber, mit der Familie war das Foto nicht ganz so
spektakulär. María Paz musste zwar an dem Tag arbeiten, hatte aber eine Verlängerung ihrer Mittagspause erbeten und bekommen.
Dann wurde die
Karikatur von Camila enthüllt, auch das ist eine der vielen Traditionen. Auf
diesem großen Papier ist Camila bei einer Yogapose zu sehen, und hält in der
Hand eine kleine Welt mit einem Flugzeug, da sie zuletzt ein Auslandssemester
in Spanien gemacht hat und viel gereist ist. Im Laufe der Titulationsfeier
konnten alle Freunde Glückwunsch-Texte auf der Karikatur hinterlassen.
Mit der Zeit waren auch immer mehr Freunde eingetroffen, sodass am Ende nochmal ein Gruppenfoto gemacht wurde. Anschließend aßen sich
alle am Buffet satt, das übrigens überwiegend vegan war. Ich hatte Camila
geholfen und vegane Bananenkuchen gebacken, dazu gab es noch viele verschiedene
kleine Häppchen, Chips und Kräcker mit verschiedenen veganen Dips, sowie
Gemüse.
Müde vom vielen Essen
und Klatschen und Reden in der Sonne ging ich dann erstmal nach Hause – ihr ahnt es – für einen
Mittagschlaf, während für Camila und ihre Freunde die Feierei erst richtig
losging und später auch noch die Nacht zum Tag gemacht wurde.
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