Valparaíso

Valparaíso

Dienstag, 6. Oktober 2015

1000 Tambores

Am Wochenende füllt sich Valparaíso mit Trommlern, die von überall kamen. Aus Valparaíso selbst, aber auch aus allen Regionen Chiles, aus Bolivien, Brasilien, Kuba und vielen anderen Ländern. Es waren sehr viele Trommler, genau 1000, deshalb heißt das Fest auch die Mil Tambores (Tausend Trommler). Die Trommler blieben das ganze Wochenende und trommelten viel. 

In allen Teilen Valparaísos fanden Workshops und Trommelvorführungen statt. Am Samstag ging ich zu einem Umzug in Placeres (das ist dort wo ich wohne). Viele Trommlergruppen führten wilde Trommeleien vor und die Zuhörer tanzten, sprangen, lachten oder wippten – wie in meinem Fall – unauffällig mit dem Fuß im Takt.

Dieser Umzug war aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was am Sonntag in Playa Ancha abging. María Paz, Daniela und ich trafen uns schon um 12 Uhr dort und stießen zu einer Gruppe von Austauschstudenten. Bevor der Umzug losging, wurden noch schnell die Gesichter geschminkt. Leider blieb uns nur ein mega fetter Pinsel, sodass alle anderen Leute mit wunderschönen Blumen und grazilen Formen im Gesicht herumliefen, während wir uns mit klobigen Formen, unförmigen Punkten, aber einem strahlenden Lächeln präsentierten.

Die Veranstaltung mit dem Schminken heißt Cuerpos Pintados (die bemalten Körper) und da das Gesicht ja nicht der einzige Teil des Körpers ist, fanden sich auch sehr viele Leute, die komplett bemalt waren und im Takt der Trommeln tanzten. 

Wir beließen es vorerst bei der Gesichtsbemalung.
Dann begann der Umzug der Trommler und es waren wirklich unzählige Gruppen, jede für sich besonders und alle topmotiviert. Es ist ja nicht gerade ein Sonntagsausflug mit einer schweren Trommel den ganzen Tag herumzuspringen, aber man sah die Anstrengung keinem der Trommler an. Alle waren gut gelaunt und die Menge auch.
María Paz' Cousine María Consuelo war auch bei einer der Gruppen aus Valparaíso dabei und wir freuten uns sehr sie zu sehen. Sie trug eine Art Glockenspiel und durfte ab und zu Solos spielen, wenn die Trommeln gerade für einen Moment zur Pause kamen.
Einziger großer Kritikpunkt dieses Festes sind die Unmengen von Müll, die nach dem Wochenende jedes Jahr in der Stadt und an den Stränden bleiben. Viele junge Leute zelten für zwei Tage an den Stränden Valparaísos und hinterlassen diese häufig in katastrophalem Zustand. Andererseits muss man auch sagen, dass es sehr wenig Müllbehälter insgesamt gab und diese meistens schon rappelvoll waren, sodass die Schuld nicht nur bei den Besuchern, sondern auch bei der Stadt liegt.
Trotzdem ist das Event an sich sehr schön und etwas ganz Besonderes.

Treue Leser werden denken, oh Mann, das ist ja das Gleiche wie letztes Jahr, deshalb noch ein kleiner Ausblick auf das was mich jetzt erwartet: Die Zeit vergeht ja wahnsinnig schnell und mir bleiben nur noch weniger als drei Wochen hier in Chile. Am Freitag hat María Paz die Verteidigung ihrer Abschlussarbeit an der Uni und dann anschließend den traditionellen Wurf ins Schwimmbad. Am Samstag fahren wir dann zusammen für die letzten Tage in den Süden, wollen in einige Nationalparks bei Puerto Varas und dann Richtung Valdivia weiterreisen.

Freitag, 25. September 2015

Altos de Lircay und Radal Siete Tazas

Ich nahm mir sechs Tage Zeit und reiste am Samstagabend nach Talca, einer kleinen Stadt, etwa drei Stunden südlich von Santiago. Tonia, eine Freundin, macht momentan hier einen einjährigen Freiwilligendienst und holte mich vom Busbahnhof ab. Am Abend besuchten wir mit ihrem Mitbewohner und der Nichte und dem Neffen der Gastmutter die Ramadas in Talca. Das ist ein großer Rummel, der jährlich in der Woche des Nationalfeiertags (18. September) stattfindet. Neben allen möglichen Fahrgeschäften gibt es auch viele Glücks- und Geschicklichkeitsspiele, Tanz und Musik in großen Zelten, sowie typisches Essen und Getränke.
Am nächsten Morgen kaufte ich ein und fuhr dann in die Reserva Nacional Altos de Lircay, die sich in der Nähe von Talca befindet. Bei bestem Wetter und gut gefülltem Rucksack wanderte ich am ersten Tag knapp drei Stunden bis zu einem Campingplatz mitten in der Natur. Auf dem Weg hatte ich einige Wanderer getroffen, aber da Sonntagabend war, war ich nun der einzige dort. Ich baute gemütlich mein Zelt auf und kochte mir am Abend eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Leider hatte ich weder an Salz noch an Besteck gedacht, aber sie waren trotzdem essbar.

Der nächste Tag begann wunderschön. Es war zwar klirrend kalt, als ich mich um halb 8 aus dem Zelt schälte, aber die Sonne wartete schon und ich hatte das Ziel, auf den Gipfel des Enladrillado zu steigen, der nur etwa zwei Stunden vom Campingplatz entfernt war. Da in Chile der Winter gerade erst vorbei ist, war auf dem Weg noch viel Schnee, aber man kam gut darauf voran.

Nach über einer Stunde braute sich im Tal hinter mir aber etwas zusammen, tiefschwarze Wolken zogen auf und in nullkommanix waren alle Gipfel von Schneewolken umhüllt. Das veranlasste mich dazu, umzukehren. Auf dem Weg fing es auch auf meiner Höhe ein bisschen an zu schneien und die Sonne verschwand hinter den schwarzen Wolken.

Beim Campingplatz angekommen nieselte es leicht und ich packte blitzschnell mein Zelt und alle Sachen unter einen Holzunterstand. Dort harrte ich zwei Stunden aus aber das Wetter wurde nicht besser. Das ganze Tal war voller Nebel und Nieselregen, sodass auch ein kurzer Ausflug zu einem nahegelegenen „wunderschönen“ (hatten mir die Wanderer vom Vortag vorgeschwärmt) Aussichtspunkt kein wahres Vergnügen war. 

So baute ich mein Zelt komplett ab und marschierte knapp drei Stunden wieder zu einem Zeltplatz in der Nahe des Eingangs des Nationalparks. Dort gab es überdachte Zeltplätze, was natürlich Luxus war, der Regen hatte aber auch aufgehört.

Ich baute mein Zelt auf und machte eine kleine Tour in der Umgebung, hatte teilweise schöne Sicht auf die umliegenden hohen Berge.In dieser Nacht war ich sogar nicht einmal alleine auf dem Campingplatz, ein weiteres Zelt mit zwei Personen war auch dort! Abends ging die Sonne blutrot unter und ich verschwand im Zelt.

Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt fix ab und fuhr dann mit dem Bus um 9 Uhr vom Nationalpark zurück nach Talca und von dort nach Molina. Mein nächstes Ziel war die Reserva Nacional Radal Siete Tazas. Das Problem in der Nebensaison ist, dass nur ein Bus täglich von Molina aus fährt und dieser einen außerdem 10km vom Park entfernt rauslässt, im kleinen Örtchen Radal. Da kam ich also um 19 Uhr abends an und musste mein Zelt dort aufschlagen, auf einem Campingplatz. Leider war ich wieder der einzige auf dem ganzen Platz, aß zu Abend und ging ins Zelt.
Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt ab und plötzlich näherte sich ein großer schwarzer Hund und sprang an mir hoch. Ich war erstmal etwas erschreckt und erstaunt, da drehte er sich um, sprang auf den Tisch, schnappte sich eine Tüte mit Essen und lief davon. So verlor ich einen kleinen Jogurt, ein Snickers und ein Brötchen. Und war ziemlich erschreckt. Schnell packte ich alles fertig ein und machte mich auf die längste Tour. Ich lief die zehn Kilometer bis zum Nationalpark.

Auf dem Weg gibt es schon ein paar Highlights, wie den Wasserfall Velo de la Novia, oder die Siete Tazas. Ich besuchte beide Aussichtspunkte und kam schließlich mittags im Nationalpark an. Da machte ich noch einen Rundwanderweg von drei Stunden und ruhte mich dann aus. Dann war die Zeit gekommen, nach Radal zurückzulaufen. 

Nach insgesamt neun Stunden Wanderung kam ich sehr müde dort an und baute mein Zelt auf.
Am nächsten Morgen musste ich im Dunkeln und bei Regen mein Zelt abbauen, um den (einzigen) Bus um 7:30 Uhr zu erwischen. Wieder fuhr mir der Schreck in die Glieder als der gleiche Hund wie gestern wie aus dem Nichts auftauchte und mich wieder besprang. Diesmal hatte ich zum Glück alles besser verpackt und so zog er von dannen. Endlich war ich im Bus und konnte trocknen und weiterschlafen. Beide Nationalparks waren sehr schön und im Sommer gibt es noch viel mehr Möglichkeiten für Wanderungen. Dafür hatte ich sie jetzt fast alleine für mich.

Kurzer Erdbebenbericht

Bevor der Bericht anfängt, möchte ich einer der wunderschönen Fotos teilen, die uns die Sonne jeden Abend ermöglicht, wenn sie untergeht.

Mittlerweile ist es schon über eine Woche her, da fuhr ich mit einer Gruppe von Chilenen und Austauschstudenten am frühen Nachmittag mit dem Bus nach Laguna Verde und von dort wurden wir zu „Las Docas“ mitgenommen, einem wunderschönen Strand in einer wunderschönen Bucht. 

Wir waren zu zehnt und bauten unsere Zelte am Strand auf. Dazu ließen wir einige kühle Biere den Rachen hinunterrinnen und genossen den Sonnenuntergang.
Als es langsam frisch wurde, begannen wir Feuerholz zu sammeln und machten ein Lagerfeuer um das wir uns scharten. Über dem Feuer brutzelten wir Würstchen und Käsebrote und ließen sie uns schmecken. Plötzlich fing die Erde an zu zittern und zu ruckeln. Das dauerte nur ein paar Sekunden und sorgte für Heiterkeit, da kleine Beben in Chile häufig vorkommen und keinen richtig erschrecken. Zudem hatten zwei der Gruppe gewettet, ob es ein Beben geben würde, und somit hatte der eine ein Abendessen gewonnen. Plötzlich fingen aber die Handys der meisten an Sirenengeräusche zu machen. Nach dem schweren Erdbeben von 2010 wurden Warnsysteme eingeführt, um die Leute möglichst frühzeitig zu informieren. Wir erfuhren, dass es in der Nähe von Coquimbo (6 Stunden südlich von Valparaiso) ein Erdbeben der Stärke 8,4 gegeben hatte und ein Tsunami erwartet wurde.
Da machte sich doch ein bisschen Unruhe breit, man kann es fast Panik nennen. Ein paar rannten direkt davon und ließen ihre Zelte und Habseligkeiten einfach liegen. Da das Meer aber noch ganz ruhig dalag, packten wir mit einigen anderen unsere Sachen in die Rucksäcke und nahmen die Zelte in die Hand und liefen auf einen nahegelegenen Hügel. Die Hunde des Strandes erfreuten sich an den herrenlosen Würstchen und wir suchten einen Platz für die Nacht. Als wir diesen gefunden hatten, irrten wir nochmal eine gute halbe Stunde durch die Dunkelheit auf der Suche nach unseren Sachen, die wir an einer Stelle abgestellt hatten. Endlich hatten wir alles und waren alle wieder zusammen. Das Meer blieb ruhig und so machten sich einige nochmal auf den Weg runter zum Strand, um die übrigen Sachen zu holen. Sicherheitshalber blieben wir trotzdem auf dem Hügel und verbrachten die Nacht in der Nähe einer Gruppe, die Ayahuasca nahm und die ganze Zeit und Digeridoo-Geräuschen mantraartige Gesänge in den Nachthimmel entließ.
In der Nacht gab es noch einige Nachbeben aber wir waren sicher.


Als wir am nächsten Morgen aufstanden und dann nach Valparaíso zurückfuhren, bekamen wir erst mit, dass das Erdbeben ziemlich große Schäden im Norden hinterlassen hatte und der Tsunami bis nach Concon (von wo ich letztes Mal die schönen Sonnenntergangsfotos gepostet habe) kam. In jedem Fall eine aufregende Nacht!

Samstag, 12. September 2015

La Campana und Sonnenuntergang in Concon

Es freuen sich nicht nur meine Freunde, dass ich wieder in Valparaíso bin, sondern auch die zahlreichen Möwen. Als wir Mitte der Woche mit ein paar Leute in der Cafeteria auf dem Dach saßen, wurden wir plötzlich von oben mit einem „Feuerwerk“ beschossen. Zuerst dachten wir verwirrt, dass es regnen würde, doch die Wahrheit war schlimmer...

Am Donnerstag unternahm ich einen Ausflug zum Nationalpark La Campana. Dafür musste ich vor 7 Uhr aufstehen und erstmal fast zwei Stunden mit Bahn und Bus bis zum Eingang des Parks fahren. Die äußeren Bedingungen waren ideal, nicht zu warm aber klare Sicht. Ich lief also alleine auf den 1880 Meter hohen Berg, der schon von Charles Darwin bestiegen worden war. Auf dem Weg traf ich aber auch ein paar andere Wanderer. Nach knapp drei Stunden kam ich am Gipfel an und genoss da erstmal mein selbstbelegtes PapandwichTM und ließ ein Gipfelfoto von mir schießen.

Dann machte ich mich gemächlich an den Abstieg, mittlerweile war auch die Sonne herausgekommen. Auf dem Weg sah ich auch wieder den Fuchs, der durch die vielen Besucher relativ zutraulich ist und immer auf einen Happen Futter hofft. Da musste ich ihn leider enttäuschen, denn ich aß meine Schokokekse lieber selbst. Am Abend kam ich glücklich und erschöpft wieder in Valparaíso an.

Am nächsten Tag stand dann der Besuch des Sonnenuntergangs auf dem Programm. Mit María Paz, Alberto und Dani fuhren wir zu den Sanddünen von Concon, die etwas nördlich von Valparaíso liegen. Von da sah man wunderbar die Sonne immer roter und roter werden und dann über dem Meer untergehen. Wir schossen einige Fotos im schönen Abendlicht.





Der Abend wurde abgerundet durch drei leckere Bleche Pizza! Mjam!

Dienstag, 8. September 2015

Zurück in Valparaíso


Nach erfolgreich abgegebener Bachelorarbeit und der letzten Bachelor-Klausur, machte ich mich auf in den Urlaub. Das Ziel lautet wieder einmal Valparaíso, sodass ich vermutlich diesen schon etwas eingestaubten Blog reaktivieren und ein bisschen über meine Erlebnisse hier schreiben werde.

Auf dem Flug von Frankfurt nach Sao Paulo unterhielt ich mich mit meiner Sitznachbarin, einer älteren Dame, die – wie sich herausstellte – auch nach Chile flog. Ich konnte auch ganz gut schlafen und so verging der Flug wie im Fluge. In Sao Paulo ging dann wunderschön die Sonne hinter dem Flughafen auf und versüßte mir die Wartezeit.
Lustigerweise wurde dann meine Begleiterin auf Portogiesisch ausgerufen und musste zum Sprint ihres Lebens ansetzen, denn es stellte sich heraus, dass sie zwar auch nach Santiago flog, ihr Flug aber zwei Stunden vor meinem ging.
Ich blieb alleine zurück, aber kurze Zeit später flog ich dann auch über die schneebedeckten Gipfel der Anden und landete in Santiago.
María Paz holte mich am Flughafen ab und wir fuhren zusammen im Bus nach Valparaíso. Bemerkenswert waren die fast sommerlichen Temperaturen, die mich erwarteten. Ein ungewöhnlich warmer Winter, und ich hatte weder kurze Hose, noch Badehose eingepackt. Nach zwei Tagen fielen die Temperaturen und alles war wieder so wie ich es in Erinnerung hatte. Ich traf mich in den folgenden Tagen mit einigen Freunden und wir erfreuten uns an den Gummibärchen und Schokoladen-Schätzen, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte.
Am Sonntag nahm ich spontan an einem 10 Kilometer-Lauf teil. María Paz und ihre Mutter liefen 5 Kilometer und fragten mich, ob ich nicht mitkommen wollte. Sie traf sich dort mit zwei Freunden, die auf Austauschsemester sind, Helene (aus Belgien) und Ricardo (aus Spanien). Und mit ihnen lief ich spontan die 10 Kilometer, wobei der letzte Kilometer recht steil durch die Straßen nach oben führte. Ich gönnte mir noch einen Schlusssprint zusammen mit einem Chilenen und war dann gut platt. Im Ziel gab es aber Meloneneis und Wasser. Wir schossen noch ein paar Fotos und fuhren zufrieden nach Hause.

Sonntag, 22. März 2015

La Campana

Kaum zu glauben, aber die knapp acht Monate in Chile sind fast vorbei. Heute beginnt meine letzte Woche hier. Weiterhin jagt aber ein Highlight das nächste, heute will ich über unseren Ausflug zum Cerro La Campana berichten. Mit María Paz, Isabel, Barbara, Randi, Alberto, Laurens und Sebastián, alles auch Studenten oder Austauschstudenten an der Santa María trafen wir uns um 7 Uhr und fuhren mit einem Bus nach Limache, von dort weiter nach Olmué, wo wir um halb 10 den Parque Nacional La Campana betraten. Wir machten uns an den Aufstieg, und es war wider Erwartens völlig bewölkt, was das Laufen aber angenehm machte. Barbara und Isabel liefen später ihren eigenen Rhythmus und blieben weiter zurück, wir anderen erreichten bald „La Mina“, was ungefähr die Hälfte des Aufstiegs war. Da war ein Fuchs.
 La Mina, heißt frei übersetzt „die Mine“ und es gibt auch einen Tunnel, in den man reingehen kann. Da gibt’s zwar nichts Interessantes zu sehen, aber es ist viel kälter als draußen, und Wasser tropft von der Decke. Wir hatten Lampen dabei und liefen bis zum Ende des Tunnels.
Da María Paz und ich den Weg schon einmal bei einer Besteigung des Berges im November gegangen waren, hatten wir nicht mehr so viel Angst wie damals, als wir jederzeit mit Angriffen von Fledermäusen, Bären, Vampiren, Riesenspinnen und ähnlichem rechneten. Wir stärkten uns kurz und setzten dann den Aufstieg fort.
Die letzten zwei Stunden zum Gipfel sind ein bisschen anstrengender, da der Weg steiniger und steiler wird. Wir erreichten außerdem irgendwann die Sonne und hatten einen überragenden Ausblick auf das Wolkenmeer, das im Tal waberte. Zusätzlich machte sich ein kleiner Hunger bemerkbar, was uns zusätzlich motivierte, den Gipfel zu stürmen. Wir kamen um kurz nach 1 auch an und aßen uns satt mit den leckeren Papandwiches™.
Wir schossen Fotos und dösten in der Sonne, ruhten uns aus. Nach knapp einer Stunde wollten wir uns auf den Runterweg machen, da kam plötzlich Isabel an. Obwohl sie noch ein bisschen Grippe-geschwächt war, hatte sie den kompletten Weg bis nach oben alleine gemacht.
Wir verlängerten also unsere Pause und liefen erst später runter, dazu ein bisschen langsamen, da es Isabel nicht so gut ging. Bei „La Mina“ wartete auch Barbara auf uns und dann liefen wir alle zusammen weiter. Auf dem Weg traf ich noch eine Kuh, die machte Muh.

Noch ein Wort zur Rückfahrt in der Metro. Da kommt es nämlich häufig vor, dass Musiker halblegalerweise einsteigen und dann Musik machen und Geld dafür wollen. Also stieg zunächst ein verrückt aussehender alter Herr mit einer Blockflöte ein, der sich hinten an der Hose fünf Stofffetzen angebunden hatte. Nach einer Weile, die er durch die Wagons lief, die Stoffetzen hinter sich herziehend, stellte sich heraus, dass er der Rattenfänger von Hameln war. Als er fertig war und alle gemütlich eingedöst waren, wurden wir plötzlich von einer durchdringenden Stimme geweckt: „Hallo wir sind aus Mendoza, und wollen nicht lange stören...“. Was folgte waren drei ellenlange Lieder, begleitet von einem Akkordeon, einer Gitarre und zwei lauten Singstimmen. Alle waren stinkesauer. Aber was will man machen? Zudem sollte man immer froh sein mit dem was man hat, denn schon in der nächsten Station kann jemand viel Schlimmeres einsteigen. So kam es auch: ein dicker Mann mit einem Schlagzeug. Haha, nein, ganz so schlimm wurde es zum Glück nicht...Letztlich kamen wir gut und glücklich an.

Montag, 16. März 2015

Ausflug zur Isla Negra

Bevor der richtige Post losgeht, gibt es zunächst noch über einen Nachmittag mit Schreck zu berichten. Am 13. März, genau elf Monate nach dem Großbrand in Valparaíso, der Teile der Stadt zerstört und einige Menschenleben gefordert hatte, kam ich um halb sechs von der Uni heim. Und der Himmel sah irgendwie ganz dunkel aus. Verwunderlich, denn in Valparaíso gibt es keine Gewitter. Es stellte sich heraus, dass schon wieder ein Feuer ausgebrochen war, oberhalb der Stadt. Der Himmel wurde immer schwärzer und von der Dachterasse des Nachbargebäudes konnte man sogar die Flammen sehen.
Insgesamt mussten 4500 Menschen evakuiert werden, aber zum Glück erreichte das Feuer keine bewohnten Siedlungen. So blieb es beim Schreck und der Zerstörung von großen Flächen Wald, was natürlich auch ziemlich bitter ist.

Nun aber endlich zum Ausflug. Isla Negra ist keine Insel, aber ein kleiner Ort knapp 1,5 Stunden im Bus von Valparaíso entfernt. Bekanntheit erlangte der Ort, weil der berühmte chilenische Dichter Pablo Neruda hier eines seiner Häuser hatte und hier auch begraben liegt. Wir fuhren um 8 Uhr von Valparaíso ab und erreichten bei schönem Sonnenschein das verschlafene Dörfchen. Zuerst gingen wir kurz runter an den Strand und machten Fotos. Kein Wunder, dass Neruda so schöne Gedichte schrieb, denn die Aussicht, das Meer und die schroffen Felsen inspirieren gewaltig, sodass ich auch gleich ein kleines Sonett verfasste (haha, kleiner Scherz).
Insgesamt waren wir fast 20 Personen und gingen dann ins bekannte Haus von Pablo Neruda, das jetzt ein Museum ist. Dort sind all die verrückten und beeindruckenden Dinge ausgestellt, die der Dichter in seinem Haus hatte, eine Sammlung von Schmetterlingen und Kolibris, einen riesigen uralten Globus, ein Pferd aus Pappmaché das so groß ist wie ein echtes, und vieles mehr. Fast jedes Zimmer hatte Aussicht aufs Meer.
Als wir damit fertig waren, knurrten die Mägen schon gewaltig, sodass wir wieder an den Strand gingen und da ausgiebig speisten, wir hatten Salat und Sandwiches dabei und dazu noch eine mit Manjar gefüllte Merengue-Bombe, dann waren wir erstmal satt und dösten. Später, nach einer Partie Wizard kletterten wir ein bisschen auf den Felsen herum und tauchten die Füße ins eiskalte Wasser.

Nach dem ganzen Tag in der Sonne waren alle müde und wir warteten erschöpft im Schatten auf den Bus. Dabei provozierte ich Nancy und Isabel, die neuen Tutorenkinder von María Paz, woraufhin sie mich fast verprügelten. Dann kam der Bus und ich konnte fliehen. Ein schöner sonniger Sonntag alles in allem. Und es bleiben mir nur noch zwei Wochen...

Donnerstag, 12. März 2015

Kladdkaka-Sonntag

„Hey, wollt ihr vorbeikommen, zum Kladdkaka-Essen?“, fragten Sara und Sofia, zwei Schwedinnen, die auch hier Auslandssemester machen. Natürlich war die Antwort „ja“. Auch wenn es am Morgen, wie so oft in letzter Zeit total neblig war, so wusste ich schon, dass sich der Nebel innerhalb der nächsten paar Stunden komplett verziehen würde.
Und so kam es auch. Diese beiden Fotos wurden von der selben Stelle aufgenommen, der Zeitunterschied beträgt drei Stunden.



Es war also ein sonniger Sonntagnachmittag, als Charline, María Paz und ich zum Kladdkaka-Essen gingen. Als wir ankamen, musste das Kladdkaka aber erstmal gemacht werden, dabei halfen wir natürlich gerne und uns lief schon das Wasser im Munde zusammen.

Dann vertrieben wir uns die Zeit mit Papierfliegerwettbewerben und richteten es uns auf der Terrasse schön ein. Und als das Kladdkaka aus dem Ofen kam, setzten wir uns in die heiße Nachmittagssonne und genossen die schwedische Spezialität (eine Art Brownie mit Kokoszeug obendrauf, extrem lecker).

Dann vertrieben wir uns noch die Zeit auf dem Balkon und irgendjemand hatte Hunger, sodass wir spontan auf die Idee kamen, Empanadas zu machen. Die füllten wir mit Käse, Tomaten und Oliven und auch die wurden richtig lecker. Also ein richtig leckerer Sonntag.
Ansonsten ist auch wieder der normale Wahnsinn eingekehrt in Valparaíso. Viele bekannte Gesichter sind zurück und das Semester ist wieder losgegangen. Natürlich gab es auch neue Austauschstudenten und Charline und ich gingen zum Begrüßungstag und staubten Empanadas ab. Mein Praktikum geht in die letzte Phase, bis nächste Woche will ich es so weit wie möglich fertig haben. Und jetzt bleiben mir noch knapp zweieinhalb Wochen, bevor ich zurück nach Deutschland komme. Bis dahin genieße ich die Sonne, die Arbeit und das Leben in Chile.

Mittwoch, 4. März 2015

Urlaub in Pucón

Meinen letzten Urlaub in Chile verbrachte ich mit María Paz im Süden des Landes, in Pucón. Ursprünglich hatten wir diese Stadt ausgewählt, weil wir den Vulkan Villarrica erklimmen wollten, allerdings war dies aufgrund vulkanischer Aktivität nicht möglich, in den Tagen zuvor stieß er immer wieder Rauch aus, sodass kein Aufstieg erlaubt war.
Am ersten Tag fuhren wir ganz früh mit einem Bus in den nahe gelegenen Nationalpark Huerquehue und machten uns an den Aufstieg des Cerro San Sebastián. Auf dem Weg kamen wir an vielen – für die Region typischen – Araukarien vorbei.

Nach knapp vier Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel, machten ein kleines Picknick und genossen die herrliche Aussicht. In der Ferne konnte man überdies den Vulkan Villarrica sehen, der jedoch ganz ruhig war. Wir ärgerten uns, dass der Aufstieg verboten war, obwohl doch augenscheinlich nichts los war.
Dann begannen wir den Abstieg, machten hin und wieder kleine Päuschen und erreichten nach drei weiteren Stunden den Ausgang des Nationalparks. Insgesamt waren wir 20 Kilometer gewandert und spürten das auch ein bisschen in unseren Beinen. Wir mussten glücklicherweise nicht lange auf den Bus warten, der uns wieder zurück nach Pucón brachte.

 Auch Tag zwei war von sportlicher Natur. Am Vormittag liehen wir uns Fahrräder und fuhren (auch wieder in Richtung des Nationalparks) zu den Ojos de Caburgua. Auf dem Weg kamen wir an Flüssen (wo wir eine Art Bisamratte sahen) und an vielen Kühen und Pferden vorbei.

Die Ojos de Caburgua sind schöne Wasserfälle, inmitten eines schönen Waldes. Man kann Fotos an den Aussichtspunkten schießen, picknicken und auch entlang des Flusses wandern.


Zudem gibt es die Laguna Azul. Azul ist das spanische Wort für Blau und das trifft für diese Laguna auch mehr als zu. Sie ist tiefblau! Zudem haben Leute Münzen reingeworfen, die im Licht der einfallenden Sonne wie Sterne im Himmel blinken.
Nach zwei Stunden Aufenthalt radelten wir gemütlich zurück nach Pucón. Da gaben wir die Fahrräder ab, aßen eine Kleinigkeit und gingen dann noch zum Lago Villarrica, der am Rand der Stadt liegt und genossen das letzte Licht des Tages.
Am dritten Tag gönnten wir uns einen entspannten Tag und fuhren am Morgen mit einem Bus zur Therme Los Pozones. Die ist toll gelegen, in einem Tal durch den ein Fluss fließt und die Becken liegen im Freien mit Steinen außenrum und am Boden des Beckens. Leider waren aufgrund von anhaltender Trockenheit viele Becken leer. Letztlich war nur eines der Becken richtig angenehm warm und da waren wir auch die ganze Zeit. Glücklicherweise waren ansonsten nicht so viele Leute da, sodass es doch insgesamt ein gelungener Ausflug war.
Wir bestellten noch einen Transport zum Flughafen für den nächsten Morgen (um 6.50) und gingen später schlafen. Um drei Uhr wurde ich wach, weil im Hostel Leute rumliefen und verhältnismäßig laut redeten. María Paz sagt mir, ich solle mal aus dem Fenster schauen, was los sei. Ich wankte schlaftrunken zum Fenster und guckte raus auf die Straße: „Nichts los.“, war mein Befund und ich legte mich wieder schlafen. Sie traute dem Braten aber nicht so recht, da sie schon länger wach war und anscheinend mehrere Minuten lang Sirenen durch die Stadt tönten. Also stand sie auch auf und schaute raus. Unser Zimmer hatte Sicht auf den Vulkan Villarrica und der brach gerade aus!
Ein imposantes Video kann man sich hier anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=etkTJoBRURs
Wir wurden dann auch evakuiert, mussten ein paar Straßen laufen, zum Ufer des Lago Villarricas. Da hatten sich schon viele Menschen versammelt und alle schossen Fotos. Ich natürlich auch.
Der Vulkan hatte sich aber schon wieder beruhigt und nach einer Stunde konnten wir zurück ins Hostel. Kurz darauf mussten wir schon wieder aufstehen um zum Flughafen zu gelangen. Aber der Transferbus kam einfach nicht. Wir warteten einen Moment, dann liefen wir mit dem Gepäck zum Busterminal, um von dort evtl. nach Temuco fahren zu können, in die Nähe des Flughafens. Aber auch das Busterminal hatte geschlossen. Taxis und Collectivos standen auch keine zur Verfügung, allgemein war auf den Straßen außer Feuerwehr und Polizei niemand unterwegs.

Aber wir hatten Glück im Unglück, denn gerade als wir unseren Flug schon aufgeben wollten, fuhr ein Taxi heran und wir kriegten vom Hostel einen Anruf, dass ein Transfer in der fast 30 km entfernten Stadt Villarrica warten würde (aber Abfahrt sei in 10 Minuten). Der Taxifahrer gab Gas und wir wollten raus aus Pucón fahren, doch die Straße war von den Polizei gesperrt. Mit einem Augenzwinkern sagt der Polizist jedoch unserem Taxifahrer: Du kennst doch den Weg XY. Der Fahrer drehte um, fuhr 100 Meter weiter einen Feldweg entlang, der kurz darauf in der gleichen Straße mündete und wir gaben Gas. Durch die Sperrung war natürlich kaum jemand unterwegs und wir erreichten (mit ein bisschen Verspätung) noch den Transfer, der uns zum Flughafen brachte. Aus dem Bus schoss ich noch das letzte Foto des Urlaubs von der aufgehenden Sonne über dem Lago Villarrica.