Valparaíso

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Mittwoch, 27. März 2019

Urlaub Teil 2 - Chaitén

Chaitén ist eine kleine Stadt im Süden Chiles, die im Jahr 2008 vom gleichnamigen Vulkan (Chaitén) stark betroffen war. Da dieser spontan – nach tausenden von Jahren – beschloss auszubrechen, mussten alle Einwohner evakuiert werden. Da dies auch einigermaßen gut funktionierte, forderte der Ausbruch keine Menschenleben, doch die Tiere mussten leider zurückgelassen werden. Heute – über zehn Jahre nach dem Ausbruch ist das Leben in die Kleinstadt zurückgekehrt, auch wenn es natürlich noch überall die Spuren des Vulkanausbruches zu sehen gibt. Der Fluss schwemmte so viel Asche und Steine an, dass sich die Uferlinie einige hundert Meter weit verschoben hat. An unserem ersten Tag machten wir einen Ausflug mit einem Hund über die Asche, bis zum Meer.


Der zweite Tag war leider etwas regnerisch, aber wir sind ja nicht aus Zucker. Wir liefen zunächst zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Stadt und dann einige Zeit am Fluss entlang. Der Fluss, der übrigens durch den Vulkanausbruch seinen Verlauf geändert hat und jetzt die Stadt in zwei Teile teilt. Außerdem sahen wir ein paar Häuser, die bis obenhin mit Asche und Sand voll waren. Drinnen waren noch Gardinen und Glühbirnen, aber bewohnbar waren sie natürlich nicht mehr.


Als es dann etwas anfing zu regnen, diente uns eines der riesengroßen Nalcas-Blätter, die dort überall wachsen als Unterschlupf. Wir versuchten noch, zwei Bäche zu überqueren, gaben aber letztlich auf und liefen – da der Regen mittlerweile aufgehört hatte, noch durch die Stadt.


Am Abend liefen wir wieder vor zum Ufer und die untergehende Sonne bildete mit den Regenwolken ein herrliches Panorama, das wir bis zum letzten Moment genossen. Da zudem Ebbe war, spiegelten sich die Farben in den Pfützen, die das Meer zurückgelassen hatte. Dann wurde es kalt und wir gingen zurück in unsere Hütte.


Am nächsten Morgen war der Himmel komplett klar und wir entdeckten in der Ferne den imposanten Vulkan Corcovado. Unser Ziel für den Tag war auch ein Vulkan, der allerdings weit weniger spektakulär aussieht. Es ist kein geringerer als der Vulkan Chaitén, der die Stadt vor einer Dekade in tiefe Sorgen stürzte. Der Aufstieg auf den Vulkan dauert nur etwa zwei Stunden, wobei das mit botanisierenden Eltern zuweilen auch etwas länger dauern kann. Oben sieht man im riesigen Krater zwei noch rauchende Schlote stehen.


Auch am nächsten Tag unternahmen wir eine Wanderung. Wie der Vulkan Chaitén ist auch diese Route Teil des Nationalparks Pumalín. Dieser Park war vom einstigen Esprit und The Northface Besitzer Douglas Tompkins errichtet worden und wird im nächsten Monat dem chilenischen Staat überreicht. Was Tompkins hier schaffen ließ, ist aller Achtung wert.


Die Infrastruktur aus Holzleitern und –treppen, die helfen, die schlammigen Berge durch den dichten Regenwald nach oben zu gehen, ist sehr beeindruckend. Da wir in einer der regenreichsten Regionen Chiles unterwegs waren, ist auch die Instandhaltung aller Wege keine Selbstverständlichkeit. Hoffen wir mal, dass der Staat das weiter so gut erhält. Unser Ziel  war das Postkartenmotiv Lagune Tronador, auf die wir einen tollen Ausblick hatten und ein Picknick machten. Zudem waren wir fast die einzigen Leute, die unterwegs waren.


So endete unsere Zeit in Chaitén und wir kauften uns Tickets für die Fähre zurück nach Puerto Montt am nächsten Morgen. Da schon wieder Regen für Chaitén vorhergesagt war, verbrachten wir die letzten beiden Tage lieber etwas weiter nördlich. Aber nicht zu viel verraten, die Details gibt  es im nächsten Eintrag zu lesen.


Montag, 25. März 2019

Urlaub Teil 1 - Hornopirén


Ich hatte die Eltern gut in den Bus Richtung Süden verfrachtet, wo sie von Nora und Corinna in Empfang genommen wurden und eine Woche mit ihnen im Valle Cochamó verbrachten. Dann war das nächste Wochenende gekommen und María Paz und ich hüpften ein einen Nachtbus, der uns bis Puerto Montt, 15 Stunden südlich von Valparaíso brachte. Als wir am Terminal ankamen, warteten die ganzen restlichen Voggs schon auf uns und es gab ein großes Wiedersehen.


Sie hatten natürlich viel zu erzählen und wir packten unsere Rucksäcke um, kauften Essen, aßen es auf und verabschiedeten dann Coresch (alias Coi, alias Costra), die Richtung Norden weiterfuhr. Mit den Eltern und Noresh liefen wir dann am Ufer entlang, es war ein wunderschöner Spätsommertag und wir setzten Nora in ein Boot und rannten dann schnell weg. Natürlich sagten wir vorher Tschüss, denn sie würde am Abend den Nachtbus nach Valparaíso nehmen und wir hatten auch eine Busfahrt vor uns.


Diese dauerte zum Glück aber nur dreieinhalb Stunden (von denen noch dazu eine halbe Stunde Fährfahrt dazwischen lag – wir versuchten Delfine zu erspähen, waren aber nicht zu erfolgreich) und wir erreichten am frühen Abend die Stadt Hornopirén.  Das Wetter war immer noch überragend, der Wetterbericht für die nächsten Tage allerdings eher nicht.


So diskutierten wir ein bisschen, ob wir diese Nacht zelten sollten, beschlossen uns aber nach einigem hin und her dagegen und mieteten eine Cabaña (eine kleine Hütte für uns vier). María Paz war überglücklich, denn kaum hatten wir unsere Sachen drinnen abgelegt, schnüffelten schon drei neugierige Katzen an unserer Tür. Nach einer ausgiebigen Streicheleinheit zogen wir los, um Hornopirén ein bisschen zu erkunden und Essen für ein Abendmahl käuflich zu erwerben.


Hornopirén liegt direkt an einer Art Fjord und die Wolken, die sich im Wasser spiegelten, waren das erste kleine Spektakel für die Augen. Das zweite Spektakel waren dann Mama und Papa, die die öffentlichen Sportgeräte am Ufer benutzten. Diese sind in fast jeder Stadt im Süden Chiles zu finden, um die Menschen zum Sport zu animieren. Lustigerweise sieht man aber wenn überhaupt dann Touristen auf ihnen, die Spaßfotos beim Pumpen am Strand machen.


Am nächsten Tag erfüllte sich der Wetterbericht so ziemlich auf die Minute genau, und es fing schon am Morgen an zu regnen. Wir stiegen in den nächsten Bus, der auf die nächste Fähre rollte. Diese Fährfahrt dauerte insgesamt drei Stunden und war ziemlich spektakulär. Wir fuhren die ganze Zeit entlang eines Fjords, das links und rechts von undurchdringlichen Wäldern und Bergen, die in den Regenwolken schemenhaft aufragten umsäumt war.


Mama und Papa, die alten Piraten waren so ziemlich die einzigen Passagiere, die dem Regenwetter trotzten und fast die gesamte Fahrt auf dem Oberdeck Wind und Regen genossen. Wir lasen unten in der Kabine gemütlich und schauten aus dem Fenster. Für ein Foto war natürlich auch Zeit, aber dann bevorzugten wir doch den geheizten Innenraum und eine gute Lektüre, während wir nach Süden schaukelten.


Und als gute Schönwettertouristen steckten wir unsere neugierigen Nasen vorsichtig aus der Tür, als plötzlich die Sonne durch die Wolkendecke stieß und die Aussicht noch besser werden ließ. So verging die Fahrt wie im Fluge, wir fuhren kurz mit dem Bus, dann nochmal kurz mit einer anderen Fähre und dann nochmal mit einem Bus, und erreichten am späten Nachmittag die Stadt Chaitén. Und von Vulkanen, deren Ausbrüchen und was wir sonst in Chaitén erlebten, erzähle ich im nächsten Blogeintrag.



Sonntag, 24. März 2019

Eltern im Anflug


Stück für Stück hatte es sich schon angedeutet – nachdem zunächst Corinna im November nach Chile gereist war und im Dezember auch Nora folgte – da konnten sich die Eltern dem Gruppenzwang nicht länger entziehen, und buchten auch einen Flug von Frankfurt nach Santiago. Im Gegensatz zu den Schwester, die momentan im tiefsten Süden durch eiskalte Flüsse waten und vor Gletschern zelten, kamen die Eltern ohne Spanischkenntnisse an. Ich konnte aber sehr stolz auf sie sein, da sie den Weg vom Flughafen nach Viña del Mar alleine meisterten und ich sie gemütlich am Busterminal in Empfang nehmen konnte. Leider hatte Papa nicht nur Süßigkeiten für mich im Gepäck, sondern auch eine Erkältung. Da sie am Sonntag gen Süden weiterfahren wollten, musste er sich die beiden Tage schonen, während ich mit Mama Valparaíso erkundete.



„Wir machen jetzt aber nicht die ganze Zeit Fotos von jedem Graffiti.“, war das erste was Mama sagte, als wir in den touristischen Bereich kamen. „Oh, diese Eulen sind ja super originell, das können wir ja schon fotografieren“, war der zweite. Und schon nach der ersten Straße war klar, dass der Vorsatz nicht umgesetzt wurde, wir erkundeten die Hügel und liefen kilometerweit durch die Stadt. Mama war beeindruckt von der Vielfalt an Techniken, Farben, Motiven und Größen, die die Graffitis aufwiesen.


Als ich ihr eines der ersten Graffitis zeigen wollte, das ich selbst kennengelernt hatte, von einem Mann, der einen großen Kopf auf einem Skateboard schiebt, merkte ich, dass es mittlerweile durch ein anderes Graffiti ersetzt worden war. Langsam komme ich in ein „Alter“ in Valparaíso, dass ich schon ein altes staubiges Buch aufschlagen kann und mit brüchiger Stimme erzählen kann: „Früüher, als ich nach Valparaíso gekommen bin,…“


Dank neuer Technologien konnten wir die besten Fotos direkt zu Papa senden, der teetrinkend zuhause auf unserem Balkon saß und die Aussicht auf die Bucht und die Hügel der Stadt genoss.


Außerdem lernte Mama am Abend die Eltern von María Paz kennen, es gab leckeres Essen und María Paz und ich fungierten als Simultanübersetzer. Alle verstanden sich sehr gut und konnten besser als vorher gedacht miteinander kommunizieren. Wir genossen dann noch die Aussicht bei Nacht von der Dachterrasse des Hochhauses.


Am nächsten Tag ging María Paz noch mit uns und wir machten weitere Graffiti-Fotos, und fuhren zudem mit den weltberühmten Aufzügen hoch und runter. Dabei hatten wir eine gute Idee für einen Aktivitäten-Tag: An einem Tag so viele Aufzüge wie möglich zu fahren. Das sparen wir uns aber für ein anderes Mal auf.


Sonntagabend war Papa dann auch wieder fit und die Eltern fuhren 15 Stunden mit dem Nachtbus in den Süden, wo sie sich mit Nora und Corinna trafen und eine Woche gemeinsam in der Umgebung von Puerto Montt reisten.



Sonntag, 3. März 2019

Business Trip in die USA


Ende letzten Jahres fragte mich Tim aus meinem Team in den USA, ob ich für Februar schon etwas vorhätte und da ich verneinte, fand ich mich letzte Woche unversehens in einem Flieger zu meinem ersten Business Trip wieder. Ziel war die Kleinstadt Winston-Salem in North Carolina, in der Tim und Ron aus meinem Team arbeiten. Außerdem kam Millie, die neu im Team ist aus Kansas City angeflogen und zu viert starteten wir in diese Woche. Das Wetter war in Ordnung, Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und nur an zwei Tagen regnete es ein bisschen.


Ein Ziel dieses Ausfluges war es mein eigenes Team besser kennenzulernen. Dazu hatten wir eine Videokonferenz mit unserem Chef und den anderen Team-Mitgliedern an anderen Orten. Es war lustig für mich, die Kollegen in Chile im feinen Zwirn im Videokonferenzraum zu sehen und ihnen von der anderen Erdhalbkugel aus zuzuwinken.


Das Kennenlernen von Millie, Tim und Ron war um einiges leichter, da wir jedes Mittag- und fast jedes Abendessen miteinander verbrachten und so natürlich eifrig Raum zum Unterhalten hatten. Frühstück gab es auch einmal im Büro, als Ron zwei Boxen von Krispy Kreme Doughnuts mitbrachte, deren allererste Filiale überhaupt in der Geschichte hier in Winston-Salem ansässig ist. Ansonsten ist die Stadt höchstens durch ihre Vergangenheit in der Zigarettenindustrie bekannt, und dass hier ein Gebäude steht, das der Architekt des Empire State Buildings als Proof of Concept baute, um zu zeigen, dass die Konstruktion möglich ist.


Mehr gab es dann aber auch nicht, und so fuhren Millie und ich am Dienstagabend nach Charlotte, wo wir den Rest der Woche verbringen sollten. Auf dem Weg hielten wir zwei Mal, einmal um eine große Tüte voller Süßigkeiten zu kaufen und ein zweites Mal in einem gigantischen Outdoor-Laden, der wie eine Miniatur-Outdoor-Welt mit Aquarium und ausgestopften Tieren in seinem Inneren hatte (es war spektakulärer, als es klingt). Außerdem sah ich zum ersten Mal, dass Angeln hier ein großes Ding ist; man konnte unter hunderten von Angeln und noch viel mehr Angelgriffen auswählen.


In Charlotte trafen wir uns in den nächsten Tagen mit Business Partnern, um über die Projekte dieses Jahres zu reden und wie wir ihnen mit Datenanalyse helfen können. Außerdem lernten wir ein paar andere Teams kennen, die uns ihre Arbeit vorstellten. Abends gingen wir wieder fein speisen und lernten leckere Restaurants in Charlotte kennen. So verging die Zeit wie im Fluge und schon war der Freitagnachmittag da. 


Ich nutzte die Zeit und fuhr zu einem Second-Hand-Buchladen, der absolut beeindruckend war. Man konnte sich kaum sattsehen an den zahlreichen Regalen, die bis oben hin gefüllt mit Büchern waren. So brauchte ich fast zwei Stunden, bis ich sieben handausgewählte Exemplare höchster Güte zur Kasse trug und glücklich den Laden verließ.


Am Samstagvormittag kaufte ich dann nochmal ordentlich Süßigkeiten ein, um das Restvolumen im Koffer zu füllen. Und dann ging schon der Flug zurück nach Chile. Bei meiner Ankunft und Präsentation aller Süßigkeiten merkte ich, dass ich wohl etwas über die Stränge geschlagen hatte mit der Menge an verschiedenen Sorten. So ist nun also Zurückhaltung und rationalisiertes Genießen gefragt, nicht gerade meine Stärken im Kontext von Süßigkeitenkonsum, aber ich werde mein Bestes geben.