Stück für Stück hatte
es sich schon angedeutet – nachdem zunächst Corinna im November nach Chile
gereist war und im Dezember auch Nora folgte – da konnten sich die Eltern dem
Gruppenzwang nicht länger entziehen, und buchten auch einen Flug von Frankfurt
nach Santiago. Im Gegensatz zu den Schwester, die momentan im tiefsten Süden
durch eiskalte Flüsse waten und vor Gletschern zelten, kamen die Eltern ohne
Spanischkenntnisse an. Ich konnte aber
sehr stolz auf sie sein, da sie den Weg vom Flughafen nach Viña del Mar alleine
meisterten und ich sie gemütlich am Busterminal in Empfang nehmen konnte.
Leider hatte Papa nicht nur Süßigkeiten für mich im Gepäck, sondern auch eine
Erkältung. Da sie am Sonntag gen Süden weiterfahren wollten, musste er sich die
beiden Tage schonen, während ich mit Mama Valparaíso erkundete.
„Wir machen jetzt
aber nicht die ganze Zeit Fotos von jedem Graffiti.“, war das erste was Mama
sagte, als wir in den touristischen Bereich kamen. „Oh, diese Eulen sind ja
super originell, das können wir ja schon fotografieren“, war der zweite. Und
schon nach der ersten Straße war klar, dass der Vorsatz nicht umgesetzt wurde,
wir erkundeten die Hügel und liefen kilometerweit durch die Stadt. Mama war
beeindruckt von der Vielfalt an Techniken, Farben, Motiven und Größen, die die
Graffitis aufwiesen.
Als ich ihr eines
der ersten Graffitis zeigen wollte, das ich selbst kennengelernt hatte, von
einem Mann, der einen großen Kopf auf einem Skateboard schiebt, merkte ich,
dass es mittlerweile durch ein anderes Graffiti ersetzt worden war. Langsam komme
ich in ein „Alter“ in Valparaíso, dass ich schon ein altes staubiges Buch
aufschlagen kann und mit brüchiger Stimme erzählen kann: „Früüher, als ich nach
Valparaíso gekommen bin,…“
Dank neuer
Technologien konnten wir die besten Fotos direkt zu Papa senden, der teetrinkend
zuhause auf unserem Balkon saß und die Aussicht auf die Bucht und die Hügel der
Stadt genoss.
Außerdem lernte
Mama am Abend die Eltern von María Paz kennen, es gab leckeres Essen und María
Paz und ich fungierten als Simultanübersetzer. Alle verstanden sich sehr gut
und konnten besser als vorher gedacht miteinander kommunizieren. Wir genossen
dann noch die Aussicht bei Nacht von der Dachterrasse des Hochhauses.
Am nächsten Tag ging
María Paz noch mit uns und wir machten weitere Graffiti-Fotos, und fuhren zudem
mit den weltberühmten Aufzügen hoch und runter. Dabei hatten wir eine gute Idee
für einen Aktivitäten-Tag: An einem Tag so viele Aufzüge wie möglich zu fahren.
Das sparen wir uns aber für ein anderes Mal auf.
Sonntagabend war
Papa dann auch wieder fit und die Eltern fuhren 15 Stunden mit dem Nachtbus in
den Süden, wo sie sich mit Nora und Corinna trafen und eine Woche gemeinsam in
der Umgebung von Puerto Montt reisten.
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