Ich nahm mir sechs Tage Zeit und reiste
am Samstagabend nach Talca, einer kleinen Stadt, etwa drei Stunden
südlich von Santiago. Tonia, eine Freundin, macht momentan hier
einen einjährigen Freiwilligendienst und holte mich vom Busbahnhof
ab. Am Abend besuchten wir mit ihrem Mitbewohner und der Nichte und
dem Neffen der Gastmutter die Ramadas in Talca. Das ist ein großer
Rummel, der jährlich in der Woche des Nationalfeiertags (18.
September) stattfindet. Neben allen möglichen Fahrgeschäften gibt
es auch viele Glücks- und Geschicklichkeitsspiele, Tanz und Musik in
großen Zelten, sowie typisches Essen und Getränke.
Am nächsten Morgen kaufte ich ein und
fuhr dann in die Reserva Nacional Altos de Lircay, die sich in der
Nähe von Talca befindet. Bei bestem Wetter und gut gefülltem
Rucksack wanderte ich am ersten Tag knapp drei Stunden bis zu einem
Campingplatz mitten in der Natur. Auf dem Weg hatte ich einige
Wanderer getroffen, aber da Sonntagabend war, war ich nun der einzige
dort. Ich baute gemütlich mein Zelt auf und kochte mir am Abend eine
Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Leider hatte ich weder an Salz
noch an Besteck gedacht, aber sie waren trotzdem essbar.
Der nächste Tag begann wunderschön.
Es war zwar klirrend kalt, als ich mich um halb 8 aus dem Zelt
schälte, aber die Sonne wartete schon und ich hatte das Ziel, auf
den Gipfel des Enladrillado zu steigen, der nur etwa zwei Stunden vom
Campingplatz entfernt war. Da in Chile der Winter gerade erst vorbei
ist, war auf dem Weg noch viel Schnee, aber man kam gut darauf voran.
Nach über einer Stunde braute sich im
Tal hinter mir aber etwas zusammen, tiefschwarze Wolken zogen auf und
in nullkommanix waren alle Gipfel von Schneewolken umhüllt. Das
veranlasste mich dazu, umzukehren. Auf dem Weg fing es auch auf
meiner Höhe ein bisschen an zu schneien und die Sonne verschwand
hinter den schwarzen Wolken.
Beim Campingplatz angekommen nieselte
es leicht und ich packte blitzschnell mein Zelt und alle Sachen unter
einen Holzunterstand. Dort harrte ich zwei Stunden aus aber das
Wetter wurde nicht besser. Das ganze Tal war voller Nebel und
Nieselregen, sodass auch ein kurzer Ausflug zu einem nahegelegenen
„wunderschönen“ (hatten mir die Wanderer vom Vortag
vorgeschwärmt) Aussichtspunkt kein wahres Vergnügen war.
So baute
ich mein Zelt komplett ab und marschierte knapp drei Stunden wieder
zu einem Zeltplatz in der Nahe des Eingangs des Nationalparks. Dort
gab es überdachte Zeltplätze, was natürlich Luxus war, der Regen
hatte aber auch aufgehört.
Ich baute mein Zelt auf und machte eine
kleine Tour in der Umgebung, hatte teilweise schöne Sicht auf die
umliegenden hohen Berge.In dieser Nacht war ich sogar nicht einmal
alleine auf dem Campingplatz, ein weiteres Zelt mit zwei Personen war
auch dort! Abends ging die Sonne blutrot unter und ich verschwand im
Zelt.
Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt
fix ab und fuhr dann mit dem Bus um 9 Uhr vom Nationalpark zurück
nach Talca und von dort nach Molina. Mein nächstes Ziel war die
Reserva Nacional Radal Siete Tazas. Das Problem in der Nebensaison
ist, dass nur ein Bus täglich von Molina aus fährt und dieser einen
außerdem 10km vom Park entfernt rauslässt, im kleinen Örtchen
Radal. Da kam ich also um 19 Uhr abends an und musste mein Zelt dort
aufschlagen, auf einem Campingplatz. Leider war ich wieder der
einzige auf dem ganzen Platz, aß zu Abend und ging ins Zelt.
Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt
ab und plötzlich näherte sich ein großer schwarzer Hund und sprang
an mir hoch. Ich war erstmal etwas erschreckt und erstaunt, da drehte
er sich um, sprang auf den Tisch, schnappte sich eine Tüte mit Essen
und lief davon. So verlor ich einen kleinen Jogurt, ein Snickers und
ein Brötchen. Und war ziemlich erschreckt. Schnell packte ich alles
fertig ein und machte mich auf die längste Tour. Ich lief die zehn
Kilometer bis zum Nationalpark.
Auf dem Weg gibt es schon ein paar
Highlights, wie den Wasserfall Velo de la Novia, oder die Siete
Tazas. Ich besuchte beide Aussichtspunkte und kam schließlich
mittags im Nationalpark an. Da machte ich noch einen Rundwanderweg
von drei Stunden und ruhte mich dann aus. Dann war die Zeit gekommen,
nach Radal zurückzulaufen.
Nach insgesamt neun Stunden Wanderung kam
ich sehr müde dort an und baute mein Zelt auf.
Am nächsten Morgen musste ich im
Dunkeln und bei Regen mein Zelt abbauen, um den (einzigen) Bus um
7:30 Uhr zu erwischen. Wieder fuhr mir der Schreck in die Glieder als
der gleiche Hund wie gestern wie aus dem Nichts auftauchte und mich
wieder besprang. Diesmal hatte ich zum Glück alles besser verpackt
und so zog er von dannen. Endlich war ich im Bus und konnte trocknen
und weiterschlafen. Beide Nationalparks waren sehr schön und im
Sommer gibt es noch viel mehr Möglichkeiten für Wanderungen. Dafür
hatte ich sie jetzt fast alleine für mich.


