Valparaíso

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Freitag, 25. September 2015

Altos de Lircay und Radal Siete Tazas

Ich nahm mir sechs Tage Zeit und reiste am Samstagabend nach Talca, einer kleinen Stadt, etwa drei Stunden südlich von Santiago. Tonia, eine Freundin, macht momentan hier einen einjährigen Freiwilligendienst und holte mich vom Busbahnhof ab. Am Abend besuchten wir mit ihrem Mitbewohner und der Nichte und dem Neffen der Gastmutter die Ramadas in Talca. Das ist ein großer Rummel, der jährlich in der Woche des Nationalfeiertags (18. September) stattfindet. Neben allen möglichen Fahrgeschäften gibt es auch viele Glücks- und Geschicklichkeitsspiele, Tanz und Musik in großen Zelten, sowie typisches Essen und Getränke.
Am nächsten Morgen kaufte ich ein und fuhr dann in die Reserva Nacional Altos de Lircay, die sich in der Nähe von Talca befindet. Bei bestem Wetter und gut gefülltem Rucksack wanderte ich am ersten Tag knapp drei Stunden bis zu einem Campingplatz mitten in der Natur. Auf dem Weg hatte ich einige Wanderer getroffen, aber da Sonntagabend war, war ich nun der einzige dort. Ich baute gemütlich mein Zelt auf und kochte mir am Abend eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße. Leider hatte ich weder an Salz noch an Besteck gedacht, aber sie waren trotzdem essbar.

Der nächste Tag begann wunderschön. Es war zwar klirrend kalt, als ich mich um halb 8 aus dem Zelt schälte, aber die Sonne wartete schon und ich hatte das Ziel, auf den Gipfel des Enladrillado zu steigen, der nur etwa zwei Stunden vom Campingplatz entfernt war. Da in Chile der Winter gerade erst vorbei ist, war auf dem Weg noch viel Schnee, aber man kam gut darauf voran.

Nach über einer Stunde braute sich im Tal hinter mir aber etwas zusammen, tiefschwarze Wolken zogen auf und in nullkommanix waren alle Gipfel von Schneewolken umhüllt. Das veranlasste mich dazu, umzukehren. Auf dem Weg fing es auch auf meiner Höhe ein bisschen an zu schneien und die Sonne verschwand hinter den schwarzen Wolken.

Beim Campingplatz angekommen nieselte es leicht und ich packte blitzschnell mein Zelt und alle Sachen unter einen Holzunterstand. Dort harrte ich zwei Stunden aus aber das Wetter wurde nicht besser. Das ganze Tal war voller Nebel und Nieselregen, sodass auch ein kurzer Ausflug zu einem nahegelegenen „wunderschönen“ (hatten mir die Wanderer vom Vortag vorgeschwärmt) Aussichtspunkt kein wahres Vergnügen war. 

So baute ich mein Zelt komplett ab und marschierte knapp drei Stunden wieder zu einem Zeltplatz in der Nahe des Eingangs des Nationalparks. Dort gab es überdachte Zeltplätze, was natürlich Luxus war, der Regen hatte aber auch aufgehört.

Ich baute mein Zelt auf und machte eine kleine Tour in der Umgebung, hatte teilweise schöne Sicht auf die umliegenden hohen Berge.In dieser Nacht war ich sogar nicht einmal alleine auf dem Campingplatz, ein weiteres Zelt mit zwei Personen war auch dort! Abends ging die Sonne blutrot unter und ich verschwand im Zelt.

Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt fix ab und fuhr dann mit dem Bus um 9 Uhr vom Nationalpark zurück nach Talca und von dort nach Molina. Mein nächstes Ziel war die Reserva Nacional Radal Siete Tazas. Das Problem in der Nebensaison ist, dass nur ein Bus täglich von Molina aus fährt und dieser einen außerdem 10km vom Park entfernt rauslässt, im kleinen Örtchen Radal. Da kam ich also um 19 Uhr abends an und musste mein Zelt dort aufschlagen, auf einem Campingplatz. Leider war ich wieder der einzige auf dem ganzen Platz, aß zu Abend und ging ins Zelt.
Am nächsten Morgen baute ich mein Zelt ab und plötzlich näherte sich ein großer schwarzer Hund und sprang an mir hoch. Ich war erstmal etwas erschreckt und erstaunt, da drehte er sich um, sprang auf den Tisch, schnappte sich eine Tüte mit Essen und lief davon. So verlor ich einen kleinen Jogurt, ein Snickers und ein Brötchen. Und war ziemlich erschreckt. Schnell packte ich alles fertig ein und machte mich auf die längste Tour. Ich lief die zehn Kilometer bis zum Nationalpark.

Auf dem Weg gibt es schon ein paar Highlights, wie den Wasserfall Velo de la Novia, oder die Siete Tazas. Ich besuchte beide Aussichtspunkte und kam schließlich mittags im Nationalpark an. Da machte ich noch einen Rundwanderweg von drei Stunden und ruhte mich dann aus. Dann war die Zeit gekommen, nach Radal zurückzulaufen. 

Nach insgesamt neun Stunden Wanderung kam ich sehr müde dort an und baute mein Zelt auf.
Am nächsten Morgen musste ich im Dunkeln und bei Regen mein Zelt abbauen, um den (einzigen) Bus um 7:30 Uhr zu erwischen. Wieder fuhr mir der Schreck in die Glieder als der gleiche Hund wie gestern wie aus dem Nichts auftauchte und mich wieder besprang. Diesmal hatte ich zum Glück alles besser verpackt und so zog er von dannen. Endlich war ich im Bus und konnte trocknen und weiterschlafen. Beide Nationalparks waren sehr schön und im Sommer gibt es noch viel mehr Möglichkeiten für Wanderungen. Dafür hatte ich sie jetzt fast alleine für mich.

Kurzer Erdbebenbericht

Bevor der Bericht anfängt, möchte ich einer der wunderschönen Fotos teilen, die uns die Sonne jeden Abend ermöglicht, wenn sie untergeht.

Mittlerweile ist es schon über eine Woche her, da fuhr ich mit einer Gruppe von Chilenen und Austauschstudenten am frühen Nachmittag mit dem Bus nach Laguna Verde und von dort wurden wir zu „Las Docas“ mitgenommen, einem wunderschönen Strand in einer wunderschönen Bucht. 

Wir waren zu zehnt und bauten unsere Zelte am Strand auf. Dazu ließen wir einige kühle Biere den Rachen hinunterrinnen und genossen den Sonnenuntergang.
Als es langsam frisch wurde, begannen wir Feuerholz zu sammeln und machten ein Lagerfeuer um das wir uns scharten. Über dem Feuer brutzelten wir Würstchen und Käsebrote und ließen sie uns schmecken. Plötzlich fing die Erde an zu zittern und zu ruckeln. Das dauerte nur ein paar Sekunden und sorgte für Heiterkeit, da kleine Beben in Chile häufig vorkommen und keinen richtig erschrecken. Zudem hatten zwei der Gruppe gewettet, ob es ein Beben geben würde, und somit hatte der eine ein Abendessen gewonnen. Plötzlich fingen aber die Handys der meisten an Sirenengeräusche zu machen. Nach dem schweren Erdbeben von 2010 wurden Warnsysteme eingeführt, um die Leute möglichst frühzeitig zu informieren. Wir erfuhren, dass es in der Nähe von Coquimbo (6 Stunden südlich von Valparaiso) ein Erdbeben der Stärke 8,4 gegeben hatte und ein Tsunami erwartet wurde.
Da machte sich doch ein bisschen Unruhe breit, man kann es fast Panik nennen. Ein paar rannten direkt davon und ließen ihre Zelte und Habseligkeiten einfach liegen. Da das Meer aber noch ganz ruhig dalag, packten wir mit einigen anderen unsere Sachen in die Rucksäcke und nahmen die Zelte in die Hand und liefen auf einen nahegelegenen Hügel. Die Hunde des Strandes erfreuten sich an den herrenlosen Würstchen und wir suchten einen Platz für die Nacht. Als wir diesen gefunden hatten, irrten wir nochmal eine gute halbe Stunde durch die Dunkelheit auf der Suche nach unseren Sachen, die wir an einer Stelle abgestellt hatten. Endlich hatten wir alles und waren alle wieder zusammen. Das Meer blieb ruhig und so machten sich einige nochmal auf den Weg runter zum Strand, um die übrigen Sachen zu holen. Sicherheitshalber blieben wir trotzdem auf dem Hügel und verbrachten die Nacht in der Nähe einer Gruppe, die Ayahuasca nahm und die ganze Zeit und Digeridoo-Geräuschen mantraartige Gesänge in den Nachthimmel entließ.
In der Nacht gab es noch einige Nachbeben aber wir waren sicher.


Als wir am nächsten Morgen aufstanden und dann nach Valparaíso zurückfuhren, bekamen wir erst mit, dass das Erdbeben ziemlich große Schäden im Norden hinterlassen hatte und der Tsunami bis nach Concon (von wo ich letztes Mal die schönen Sonnenntergangsfotos gepostet habe) kam. In jedem Fall eine aufregende Nacht!

Samstag, 12. September 2015

La Campana und Sonnenuntergang in Concon

Es freuen sich nicht nur meine Freunde, dass ich wieder in Valparaíso bin, sondern auch die zahlreichen Möwen. Als wir Mitte der Woche mit ein paar Leute in der Cafeteria auf dem Dach saßen, wurden wir plötzlich von oben mit einem „Feuerwerk“ beschossen. Zuerst dachten wir verwirrt, dass es regnen würde, doch die Wahrheit war schlimmer...

Am Donnerstag unternahm ich einen Ausflug zum Nationalpark La Campana. Dafür musste ich vor 7 Uhr aufstehen und erstmal fast zwei Stunden mit Bahn und Bus bis zum Eingang des Parks fahren. Die äußeren Bedingungen waren ideal, nicht zu warm aber klare Sicht. Ich lief also alleine auf den 1880 Meter hohen Berg, der schon von Charles Darwin bestiegen worden war. Auf dem Weg traf ich aber auch ein paar andere Wanderer. Nach knapp drei Stunden kam ich am Gipfel an und genoss da erstmal mein selbstbelegtes PapandwichTM und ließ ein Gipfelfoto von mir schießen.

Dann machte ich mich gemächlich an den Abstieg, mittlerweile war auch die Sonne herausgekommen. Auf dem Weg sah ich auch wieder den Fuchs, der durch die vielen Besucher relativ zutraulich ist und immer auf einen Happen Futter hofft. Da musste ich ihn leider enttäuschen, denn ich aß meine Schokokekse lieber selbst. Am Abend kam ich glücklich und erschöpft wieder in Valparaíso an.

Am nächsten Tag stand dann der Besuch des Sonnenuntergangs auf dem Programm. Mit María Paz, Alberto und Dani fuhren wir zu den Sanddünen von Concon, die etwas nördlich von Valparaíso liegen. Von da sah man wunderbar die Sonne immer roter und roter werden und dann über dem Meer untergehen. Wir schossen einige Fotos im schönen Abendlicht.





Der Abend wurde abgerundet durch drei leckere Bleche Pizza! Mjam!

Dienstag, 8. September 2015

Zurück in Valparaíso


Nach erfolgreich abgegebener Bachelorarbeit und der letzten Bachelor-Klausur, machte ich mich auf in den Urlaub. Das Ziel lautet wieder einmal Valparaíso, sodass ich vermutlich diesen schon etwas eingestaubten Blog reaktivieren und ein bisschen über meine Erlebnisse hier schreiben werde.

Auf dem Flug von Frankfurt nach Sao Paulo unterhielt ich mich mit meiner Sitznachbarin, einer älteren Dame, die – wie sich herausstellte – auch nach Chile flog. Ich konnte auch ganz gut schlafen und so verging der Flug wie im Fluge. In Sao Paulo ging dann wunderschön die Sonne hinter dem Flughafen auf und versüßte mir die Wartezeit.
Lustigerweise wurde dann meine Begleiterin auf Portogiesisch ausgerufen und musste zum Sprint ihres Lebens ansetzen, denn es stellte sich heraus, dass sie zwar auch nach Santiago flog, ihr Flug aber zwei Stunden vor meinem ging.
Ich blieb alleine zurück, aber kurze Zeit später flog ich dann auch über die schneebedeckten Gipfel der Anden und landete in Santiago.
María Paz holte mich am Flughafen ab und wir fuhren zusammen im Bus nach Valparaíso. Bemerkenswert waren die fast sommerlichen Temperaturen, die mich erwarteten. Ein ungewöhnlich warmer Winter, und ich hatte weder kurze Hose, noch Badehose eingepackt. Nach zwei Tagen fielen die Temperaturen und alles war wieder so wie ich es in Erinnerung hatte. Ich traf mich in den folgenden Tagen mit einigen Freunden und wir erfreuten uns an den Gummibärchen und Schokoladen-Schätzen, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte.
Am Sonntag nahm ich spontan an einem 10 Kilometer-Lauf teil. María Paz und ihre Mutter liefen 5 Kilometer und fragten mich, ob ich nicht mitkommen wollte. Sie traf sich dort mit zwei Freunden, die auf Austauschsemester sind, Helene (aus Belgien) und Ricardo (aus Spanien). Und mit ihnen lief ich spontan die 10 Kilometer, wobei der letzte Kilometer recht steil durch die Straßen nach oben führte. Ich gönnte mir noch einen Schlusssprint zusammen mit einem Chilenen und war dann gut platt. Im Ziel gab es aber Meloneneis und Wasser. Wir schossen noch ein paar Fotos und fuhren zufrieden nach Hause.