Bevor der Bericht anfängt, möchte ich
einer der wunderschönen Fotos teilen, die uns die Sonne jeden Abend
ermöglicht, wenn sie untergeht.
Mittlerweile ist es schon über eine
Woche her, da fuhr ich mit einer Gruppe von Chilenen und
Austauschstudenten am frühen Nachmittag mit dem Bus nach Laguna
Verde und von dort wurden wir zu „Las Docas“ mitgenommen, einem
wunderschönen Strand in einer wunderschönen Bucht.
Wir waren zu
zehnt und bauten unsere Zelte am Strand auf. Dazu ließen wir einige
kühle Biere den Rachen hinunterrinnen und genossen den
Sonnenuntergang.
Als es langsam frisch wurde, begannen
wir Feuerholz zu sammeln und machten ein Lagerfeuer um das wir uns
scharten. Über dem Feuer brutzelten wir Würstchen und Käsebrote
und ließen sie uns schmecken. Plötzlich fing die Erde an zu zittern
und zu ruckeln. Das dauerte nur ein paar Sekunden und sorgte für
Heiterkeit, da kleine Beben in Chile häufig vorkommen und keinen
richtig erschrecken. Zudem hatten zwei der Gruppe gewettet, ob es ein
Beben geben würde, und somit hatte der eine ein Abendessen gewonnen.
Plötzlich fingen aber die Handys der meisten an Sirenengeräusche zu
machen. Nach dem schweren Erdbeben von 2010 wurden Warnsysteme
eingeführt, um die Leute möglichst frühzeitig zu informieren. Wir
erfuhren, dass es in der Nähe von Coquimbo (6 Stunden südlich von
Valparaiso) ein Erdbeben der Stärke 8,4 gegeben hatte und ein
Tsunami erwartet wurde.
Da machte sich doch ein bisschen Unruhe
breit, man kann es fast Panik nennen. Ein paar rannten direkt davon
und ließen ihre Zelte und Habseligkeiten einfach liegen. Da das Meer
aber noch ganz ruhig dalag, packten wir mit einigen anderen unsere
Sachen in die Rucksäcke und nahmen die Zelte in die Hand und liefen
auf einen nahegelegenen Hügel. Die Hunde des Strandes erfreuten sich
an den herrenlosen Würstchen und wir suchten einen Platz für die
Nacht. Als wir diesen gefunden hatten, irrten wir nochmal eine gute
halbe Stunde durch die Dunkelheit auf der Suche nach unseren Sachen,
die wir an einer Stelle abgestellt hatten. Endlich hatten wir alles
und waren alle wieder zusammen. Das Meer blieb ruhig und so machten
sich einige nochmal auf den Weg runter zum Strand, um die übrigen
Sachen zu holen. Sicherheitshalber blieben wir trotzdem auf dem Hügel
und verbrachten die Nacht in der Nähe einer Gruppe, die Ayahuasca
nahm und die ganze Zeit und Digeridoo-Geräuschen mantraartige
Gesänge in den Nachthimmel entließ.
In der Nacht gab es noch einige
Nachbeben aber wir waren sicher.
Als wir am nächsten Morgen aufstanden
und dann nach Valparaíso zurückfuhren, bekamen wir erst mit, dass
das Erdbeben ziemlich große Schäden im Norden hinterlassen hatte
und der Tsunami bis nach Concon (von wo ich letztes Mal die schönen
Sonnenntergangsfotos gepostet habe) kam. In jedem Fall eine
aufregende Nacht!
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