Valparaíso

Valparaíso

Montag, 27. November 2017

Vulkan Antuco

Moritz und ich fuhren von Valparaíso etwa 8 Stunden über Nacht nach Concepción. Dort nutzten wir den Tag, um ein bisschen durch die Stadt zu laufen und einzukaufen. Auf einem Hügel hatte man einen schönen Ausblick über Concepción; außerdem zeigte mir Moritz die Uni, an der er vor anderthalb Jahren ein Austauschsemester gemacht und dabei seine Freundin Fernanda kennengelernt hat.

Universidad de Concepción
Am Abend fuhren wir mit dem Bus zu Fernandas Familie, die etwas außerhalb von Concepción wohnt. Wir kamen zu einer perfekten Uhrzeit, um den Sonnenuntergang über dem Meer mitzubekommen, das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Dann gab es leckeres Essen und noch Gitarrenmusik und Gesang, es war ein lustiger Abend.


Am nächsten Morgen brachen Moritz und ich mit unseren gepackten Wanderrucksäcken früh auf, und fuhren über das Terminal von Concepción, das Terminal von Los Angeles (nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Großstadt) und dem kleinen Dorf El Abanico zum Nationalpark Laguna del Laja. Es waren zwei wunderschöne Sonnentage prognostiziert worden und der Wetterbericht hatte zum Glück Recht. Unser Ziel war der Gipfel des Vulkans Antuco auf fast 3000 Metern Höhe.


Am ersten Tag wanderten wir erst einmal in Richtung des großen Stausees Laguna del Laja, der streng genommen natürlich nicht im Nationalpark liegt, ebensowenig wie das Skigebiet am Fuße des Vulkans. Im Bereich der Lifte war jetzt aber kein Schnee mehr und wir stiegen auf. Bei den letzten Liftstangen erreichten wir dann den Schnee gegen 17 Uhr und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unser Zelt. Wir wurden bald fündig.



Dann war es Zeit für das Abendessen, auf dem Speiseplan stand Couscous mit Artischockensoße und Chorizos. Abschließend tranken wir noch eine warme Milch. Dann machten wir uns schleunigst daran, die Kochsachen abzuwaschen und zusammenzupacken, denn die Sonne ging langsam unter.


Wir brachten uns mit den Kameras in Position und schossen viele Fotos, denn der Ausblick in alle Richtungen war atemberaubend: Schneebedeckte Gipfel und dazu das Rot und Orange der verschwindenden Sonne, da macht das Zähneputzen gleich viel mehr Spaß. Kaum war die Sonne verschwunden, verschwanden wir auch im Zelt, denn es wurde kalt draußen.


Um 5:30 Uhr machten wir uns am nächsten Tag an den Aufstieg. Ohne Steigeisen schafften wir es leider nicht auf die vorgeschlagene Route zu kommen, da man dafür ein Schneefeld queren muss, und das in der Nacht zu Eis gefroren war und mit der Steigung nicht begehbar war. Also stiegen wir entlang der Felder mit Vulkanstein auf und ließen das Zelt schnell hinter uns. Wenig später zeigte sich die Sonne auf den Gipfeln der Berge hinter uns.


Zudem sah man den riesigen Schatten des Vulkans im Tal. Leider erreichten wir das Ende des Steinfeldes und unsere Hoffnung, hier auf die ursprüngliche Route kreuzen zu können, erfüllte sich leider nicht. 


So gingen wir kein weiteres Risiko ein, sondern machten uns wieder an den Abstieg. Am Zelt gab es dann leckeres Porridge mit Schokolade und Trockenfrüchten. Als die Sonne den Schnee etwas angetaut hatte, bauten wir das Zelt ab und machten uns an den Abstieg.



Wir wählten für den Abstieg einen anderen Weg, der lange Zeit am Fuße des Vulkans durch den Schnee führte. Trotz des nicht erreichten Gipfels hatte die Tour richtig Spaß gemacht und der Nationalpark stellte sich als überraschend spektakulär heraus. Moritz fuhr dann zurück nach Concepción, während ich in der Nacht den Bus zurück nach Valparaiso nahm. 


Moritz zu Besuch in Valparaíso

Als ich vor ein paar Wochen den Link zu meinem Blog postete, erreichte mich wenig später eine Nachricht: „Du auch hier?“ Moritz, der auch als Freiwilliger in Munaychay war (in der Generation nach meiner) und ebenfalls ein Austauschsemester in Chile gemacht hatte, war gerade in Concepción im Süden Chiles zu Besuch bei seiner Freundin. Letztes Wochenende kam er mit dem Nachtbus nach Valparaíso gefahren und wir erkundeten zusammen mit María Paz die Stadt.


Am Samstag liefen wir am Vormittag durch die Cerros Alegre und Concepción und kamen dabei bei vielen Aussichtspunkten vorbei.


Wie immer, wenn man durch die Gassen streift, entdeckt man sehr viel Neues, wir interpretierten riesige Graffitis, auf denen wie auf einem Wimmelbild ganz viele Details zu entdecken waren und machten zahlreiche Fotos.


Auch an schon bekannten Orten kamen wir natürlich vorbei und kamen nicht umhin, ein paar klassische Touristenfotos zu schießen. 


Gegen Mittag erreichten wir das Haus des chilenischen Nobelpreisträgers und Dichters Pablo Neruda. Das Haus „La Sebastiana“ steht weit oben in Valparaíso und man hat einen herrlichen Blick über die ganze Stadt.  Wir machten eine Tour durch die fünf Stockwerke des Hauses, das der Künstler ganz in seinem Geschmack eingerichtet und tolle Werke aus der ganzen Welt  gesammelt hat. „La Sebastiana“ ist übrigens nicht das einzige Haus von Pablo Neruda, auch in Santiago gibt es eines, und in Isla Negra ein weiteres. Das auf Isla Negra habe ich sogar auch schon besucht (https://richard-in-valparaiso.blogspot.cl/2015/03/ausflug-zur-isla-negra.html).


Am Sonntag waren in Chile Wahlen. Moritz und ich begleiteten María Paz zu ihrem Wahllokal, was relativ weit weg war. Anscheinend wird man hier nicht dem nächsten Wahllokal zugeordnet, sondern mehr oder weniger zufällig auf eines der wenigen Wahllokale in Valparaíso aufgeteilt. Das erklärte auch den kilometerlangen Stau, der sich am Vormittag bildete und der sich auch sicher nicht so schnell auflöste, da aus allen Straßen und Seitenstraßen Autos kamen. Zum Glück waren wir zu Fuß unterwegs und konnten auf diesem Weg gleich neue Graffitis entdecken.

Ganz frisches Graffiti

Nach der Wahl machten wir eine Bootstour durch den Hafen von Valparaíso, von wo man nochmal einen ganz anderen Blick auf die ganze Stadt bekommt und in einer halben Stunde nah an den großen Schiffen und Kränen vorbeifährt.


Am Montag bereiteten Moritz und ich uns dann für die Abreise vor und fuhren in der Nacht Richtung Concepción, von wo ich in meinem nächsten Blogeintrag  berichten werde.




Donnerstag, 16. November 2017

Nationalpark La Campana

 Nicht zum ersten und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal machten sich María Paz und ich heute auf zum Nationalpark La Campana, genauer gesagt auf den Berg La Campana im Nationalpark La Campana. Man kann den Park gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Metro und Bus) erreichen, muss dafür aber relativ früh aufstehen, denn die Fahrt dauert knapp zwei Stunden. Um 9 Uhr kamen wir beim Nationalpark an und begannen den Aufstieg.


Zunächst war alles noch neblig und wolkig und man konnte nicht weit sehen. Für den Aufstieg waren die Temperaturen allerdings perfekt und wir kamen schnell voran.


Im Laufe des Vormittages kämpfte sich auch die Sonne durch den Nebel und verscheuchte diesen Richtung Tal, bis er sich komplett auflöste. Zugleich kämpfte sich auch ein immer stärker aufkommendes Hungergefühl in meinen Bauch und ich war froh, als wir bei La Mina ankamen, und unsere selbstgemachten Sandwiches und einen Apfel essen konnten.


Auch die Flora und Fauna des Nationalparks meinte es gut mit uns, und wir konnten große Spinnen, farbenfrohe Eidechsen, wilde Kühe und schöne Pflanzen beobachten. Insgesamt waren nur eine Handvoll anderer Leute außer uns unterwegs, was die Wanderung sehr angenehm machte.


Gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung Gipfel und nach insgesamt vier Stunden Wanderung kamen wir auch an. Dort wehte eine Chile-Flagge und wir machten die obligatorischen Gipfelfotos, gefolgt von einem obligatorischen Gipfel-Mittagschlaf.



Der Abstieg zog sich wie immer in die Länge, zudem mittlerweile in der prallen Sonne und wir und unsere Beine waren ganz schön müde. 


Wir kamen um 17:30 Uhr beim Ausgang des Nationalparks an und fuhren zurück nach Valparaíso, wo uns María Paz‘ Eltern mit einer leckeren Pizza und einem kühlen Bier erwarteten.

Montag, 13. November 2017

Geburtstagsfeiern und verrücktes Wolkenmeer

Am Wochenende war ich mit María Paz in Valparaíso unterwegs, und kamen bei dieser schwindelerregenden Treppe vorbei. Zum Glück mussten wir sie nicht nach oben laufen, aber ich stelle mir vor, dass es einige Leute gibt, die tagtäglich diese engen, steil aufsteigenden Stufen nehmen. Nebenan wäre auch einer der berühmten Aufzüge, aber der wird zurzeit renoviert.


An einem Aussichtspunkt schossen wir auch ein Selfie, damit der Blog auch mal wieder mit Gesichtern gefüllt wird.


Am Abend feierten wir die Geburtstage von María Paz, ihrem Vater und ihrem Onkel gemeinsam mit der ganzen Familie und noch einigen Freunden der Eltern in einem Raum auf der Dachterrasse des Hochhauses, in dem ihre Eltern wohnen. Das bedeutet, in der 28. Etage, und da hat man einen tollen Ausblick in alle Richtungen und insbesondere aufs Meer.


Es ließ sich an diesem Tag ein merkwürdiges Phänomen beobachten: Über dem Meer bildeten sich Wolken und ehe wir uns versahen, war das Meer ersetzt durch ein Wolkenmeer.


Drinnen gab es derweil allerlei Leckereien und wir schlugen uns die Bäuche voll. Einer von María Paz‘ Onkeln spielte Gitarre und brachte die älteren Herrschaften zum Schunkeln und Singen. Stimmungsaufhellend war auch für die meisten, dass der Fußballclub von Valparaíso, die Wanderers das Pokalfinale gegen die Universidad de Chile 3-1 gewinnen konnte.


Unterdessen fraßen die Wolken vom Meer die Stadt auf, zumindest die tiefgelegenen Straßen. Das war ein beeindruckendes Schauspiel. Für unsere Wäsche, die wir draußen aufgehängt hatten, nur suboptimal, aber definitiv Balsam fürs Auge.


Auch am Abend sah man noch Wolken wabern, aber in der Nacht verzogen sie sich dann wieder und als wir nach Hause kamen, saß eine Katze auf dem Nachbardach und genoss die Ruhe der Nacht.


Donnerstag, 9. November 2017

Von kleinen Gassen, bunten Treppen und viel Kunst

Nachdem ich den Vormittag über nach Jobs gesucht hatte, rief mich heute am Nachmittag die Sonne nach draußen. Die Busse haben hier keinen Fahrplan, aber eigentlich kommt alle paar Minuten einer vorbei. So war es auch und ich fuhr ins touristische Stadtzentrum. Ich stieg aus dem Bus aus und begann meinen Spaziergang. Von der viel befahrenen Hauptstraße geht man ein paar Treppenstufen nach oben und schon befindet man sich in kleinen, ruhigen, verwinkelten Gassen.



Im Prinzip könnte man hier mehrere Tage verbringen und würde immer neue, aufregende Details entdecken, neue Straßen, und neue Kunstwerke an den Wänden. Teilweise ist es ganz schon schweißtreibend, wenn man sich die unzähligen Stufen einer als Klavier bemalten Treppe nach oben quält, oder die steilen Gassen immer weiter nach oben führen.



Da ist es praktisch, dass es in Valparaíso noch einige der historischen Aufzüge gibt, die einem für unter einem Euro einige Höhenmeter abnehmen können. Alternativ gibt es für den Weg nach unten auch das freundliche Angebot an der Hauswand „Benutze das Fahrrad“. Das lässt man sich doch nicht zweimal sagen, oder? ;)

"Benutz das Fahrrad"

Toll ist es, wenn man zwischen den bunten Häusern plötzlich Ausblick auf den Hafen und das Meer hat. Insbesondere bei so schönem Sonnenschein wie heute ist es doch ein inneres Blumenpflücken, wenn man mit solchen Aussichten belohnt wird.



Ich kann auch nicht müde werden, von den vielen Kunstwerken an den Häuserwänden zu schwärmen. Dabei geht die Palette von riesengroßen Kunstwerken, bis hin zu kleinen, witzigen Details, ganz unterschiedliche Stile reihen sich aneinander und bringen den Auslöserknopf der Kamera zum Glühen.



































Und nach einem aufregenden Ausflug durch die kleinen Gassen, steht da plötzlich ein Auto der Feuerwehr, genauer gesagt der Ortswehr von Ehrhorn-Wintermoor, mitten auf der Plaza Sotomayor. Da kommen doch Heimatgefühle auf. 


Montag, 6. November 2017

Rückkehr nach Valparaíso

Nachdem ich meine Masterarbeit in Kaiserslautern losgeworden bin, ging schon bald mein Flug nach Chile. Der Flug war wieder lang (3 Stunden von Frankfurt nach Madrid, 12 Stunden von Madrid nach Santiago), aber insbesondere in der letzten Stunde belohnte mich der Fensterplatz mit herrlichen Ausblicken über die Andenketten, mit keiner Spur eines menschlichen Einflusses weit und breit.


Ich landete in Santiago, María Paz holte mich am Flughafen ab und wir fuhren gemütlich nach Valparaíso. Nachdem mir die Temperaturen in Deutschland in letzter Zeit zu stark auf den Winter zugingen, erhoffe ich mir hier noch einen Sommer mitzunehmen. Leider war es erstmal bewölkt und gar nicht so warm, erst am zweiten Abend kam dann doch die Sonne raus und ging wie immer wunderschön unter.


Ansonsten fühlte sich alles sehr gewohnt an, Valparaíso, der Markt, das Meer, die Uni und der viele Verkehr auf den großen Straßen. Ich musste einige Dinge erledigen, mich registrieren und einen Ausweis bestellen, außerdem viel Essen kaufen und aufessen. Natürlich stattete ich auch der Universität einen kurzen Besuch ab, und sagte der Statue des Gründers Don Féderico Santa María „Hola“, die einen wunderschönen Ausblick über das Meer genießt, und sich täglich den Missetaten der zahlreichen Möwen ausgesetzt sieht.


Es gab ein paar neue, große Graffitis in der Stadt, die ich auf meinen bisherigen Spaziergängen bewundern konnte. Obwohl ich bisher noch gar nicht im touristischen Zentrum von Valparaíso unterwegs war, ist es doch immer wieder beeindruckend, was die Künstler da an Häuserwände zaubern. Natürlich ist nicht alles so große Kunst wie auf den folgenden Beispielen, auch viele Schmierereien finden sich überall, aber es ist dennoch sehr charakteristisch für das Stadtbild der kreativen Stadt Valparaíso.



Mein Plan für die nächste Zeit ist, mich bei diversen Firmen im Bereich Statistik und Data Science zu bewerben und hoffentlich einen Job in Valparaíso oder im Umkreis zu finden. Mit meinem Working Holiday Visum habe ich eine Aufenthaltsgenehmigung für das nächste Jahr und gleichzeitig auch eine Arbeitserlaubnis. Falls es mit dem Job nicht sofort klappt, wäre ich aber auch nicht unglücklich, denn jetzt beginnt gerade erst der Sommer und vielleicht bietet sich ja die ein oder andere Reise an.