Valparaíso

Valparaíso

Dienstag, 8. November 2022

Im Zug durch Chile

Ich glaube, es gibt wenige Länder auf dieser Welt, deren Form sich besser für einen effizienten Zugverkehr anbieten würden als Chile. Aufgrund der Geschichte und der momentan sehr starken Lobby für LKWs und Busse, gibt es leider sehr wenige funktionierende Züge. In unserer Reise in den Süden lernten wir aber einige davon kennen, teilweise sehr abenteuerlich.


María Paz, ihre Eltern Veronica und Armando, und ich fuhren letzte Woche nach Santiago und stiegen in den Zug Richtung Chillán. Wir stiegen in Curicó aus und fuhren nach Radal, wo wir eine Cabaña (eine Hütte) für zwei Nächte mieteten. Von Radal liefen wir am nächsten Tag zum Nationalpark Siete Tazas (Sieben Tassen). Auf dem Weg kommt man nach drei Kilometern erst einmal am Wasserfall Velo de la Novia vorbei.



Und dann erreichten wir die bekannten Siete Tazas. In der Vergangenheit (im Jahr 2015) hatte ich diese schon einmal bereist und darüber hier berichtet. Wir hatten Glück, da wir die Tassen ganz für uns allein hatten. Eine Stunde später war schon alles voll mit Touristen und Schulklassen. Da waren wir aber schon bei der nächsten Attraktion, dem Wasserfall La Leona.



Nach so vielen Schritten machten wir uns am nächsten Tag einen gemütlichen Tag in den Hängematten in der Natur. Zwei Katzen legten sich dazu und ließen sich streicheln. Armando freundete sich mit dem Besitzer der Hütte an und half ihm mit einer Therapie. Dafür bekamen wir Empanadas und einen Obstkuchen geschenkt.



Am dritten Morgen brachen wir auf zum zweiten Teil des Urlaubs. Wir fuhren via Molina und Talca nach Constitución. Wir hatten großes Glück, da uns der Mann, der die Schlüssel für unser AirBnB überreichte, María Paz aus dem Studium kannte. Er überreichte uns also nicht nur die Schlüssel, sondern nahm uns auch in seinem Auto mit zu einer spontanen Stadtrundfahrt, bis zum Hafen. Wir machten Fotos am Strand und liefen die Strandpromenade entlang.



Die Stadt Constitución hat während des starken Erdbebens 2010 traurige Bekanntheit erlangt, als Ort mit den meisten Todesopfern. Über 200 Leute hatten auf der Insel Orego im Fluss Maule gecampt, und über 120 kamen beim Tsunami nach dem Erdbeben ums Leben. An unserem zweiten Tag machten wir eine Bootsfahrt rund um die Insel Orego und sahen die Gedenkstätte.



Es war ein sehr windiger Tag und nach der halben Stunde auf dem Boot waren wir trotz Sonnenschein heftig durchgefroren und tauten bei einem Spaziergang langsam wieder auf. Wir liefen auf einen Hügel oberhalb der Stadt und genossen den Ausblick über die Mündung des Flusses in den Ozean.



Nach zwei Tagen in Constitución fuhren wir wieder ab, diesmal in einem sehr alten Zug namens Ramal, der uns nach Talca bringen sollte. Die Fahrt war sehr abenteuerlich, da durch die starken Winde am Vortag viele Äste auf die Schienen gefallen waren. Der Zugführer und der Kontrolleur mussten immer wieder aussteigen und die Schienen freiräumen. In einem Fall dauerte das 20 Minuten, da sie mit einer Axt einen Stamm durchhacken mussten.



Leider fiel nach der Hälfte der Fahrt der Motor aus und wir steckten für über zwei Stunden in einem 4-Häuser-Dorf fest. Wenigstens konnten wir zum Fluss laufen und den Ausblick genießen. Irgendwann kam ein Bus und fuhr uns über eine abenteuerliche Hoppelpiste mit vielen Kurven nach Talca, von wo wir abends noch nach Temuco fuhren.



In Temuco verbrachten wir die letzten beiden Tage und erkundeten die Stadt hauptsächlich zu Fuß. Wir liefen auf den bekannten Berg in der Stadt, den Cerro Ñielol und schauten uns das Fußballstadion der Stadt an. Da machten wir auch ein Nickerchen auf den VIP Sitzen, sehr bequem und empfehlenswert. 



Am letzten Tag schauten wir uns noch das Eisenbahnmuseum von Temuco an, wo wir viel über die Geschichte der Züge in Chile lernten, die in der Vergangenheit weitaus mehr Städte miteinander verbanden, als das heute der Fall ist. Es waren dort auch ganz viele Lokomotiven aus alten Zeiten ausgestellt.



Nach der Zeit in Temuco endete unser "Urlaub im Urlaub" und wir fuhren in den bequemen Sitzen eines Nachtbusses zurück nach Valparaíso, wo wir uns ausruhten und Fotos sortierten. In den nächsten Tagen gibt es mehrere Geburtstagsfeiern in der Familie und dann wird es auch schon Zeit für mich, nach Deutschland zurückzukehren.

Donnerstag, 3. November 2022

Urlaub in Valparaíso

Ziemlich genau zwei Jahre nach unserem Umzug von Chile nach Deutschland betraten María Paz und ich im Oktober wieder chilenischen Boden. Ich habe einen ganzen Monat Urlaub, und María Paz wird sogar bis Januar hierbleiben, und den Sommer fast komplett genießen. Die Eltern von María Paz waren superglücklich, uns nach so langer Zeit wieder zu sehen und verwöhnten uns mit Eis, Empanadas und anderen Leckereien. 

Zuerst erkundeten wir die Stadt für ein paar Tage und entdeckten dabei einige schöne neue Dinge: Es gibt jetzt einen großen VALPARAISO Schriftzug in Barón, bei dem man sich ein schönes Touri-Foto schießen kann. Da wir unter der Woche morgens dort waren, hatten wir den Ort ganz für uns allein und machten ganz viele Fotos. 


Wir bewunderten die neugestaltete Plaza O’Higgins, fuhren mit den berühmten Aufzügen (Ascensores) und besuchten auch bekannte Graffitis und Treppen. Für diese Woche waren wir sozusagen voll im Touri-Modus, was sehr viel Spaß machte.



Die ersten Tage waren von vielen Treffen und Besuchen geprägt: Die Familie, die Großeltern und Freunde. Wir trafen uns mit Ángela, Rodrigo (die das letzte Jahr in Deutschland waren) und Llin auf einen Burger. Es war lustig, sie wieder in einer anderen Umgebung zu treffen, nachdem wir z.B. den chilenischen Nationalfeiertag in Hann. Münden zusammen gefeiert hatten. Unter anderem darüber hat María Paz in ihrem Blog "María Paz en Alemania" (auf Spanisch) geschrieben und Fotos hochgeladen. Auf dem Bild hatten wir viel Spaß, weil wir gerade gelernt hatten, dass die Kamera von Llin automatisch auslöst, wenn sie eine gehobene Hand sieht. 




An einem Tag fuhren wir in die Nachbarstadt Viña del Mar und liefen an der Strandpromenade entlang. So verging die erste Woche wie im Fluge. Wir nutzten die Zeit auch, um unsere Reise in den Süden zu planen, in der ich im nächsten Blogeintrag ein bisschen berichten will.

 


Obwohl wir hier im Urlaub sind, und ich meine Arbeit am PhD zuhause lassen möchte, konnte ich es doch nicht lassen, Affen zu suchen und zu finden. Zum Glück ging das aber auch ohne Computer.