Eine Freundin von
María Paz ist Stadtführerin und hat uns neulich von einer coolen Tour erzählt,
die sie anbietet: El lado B de Valparaíso. Sie versprach uns eine ganz
untypische Stadtführung durch einen untouristischen Teil Valparaísos und wir
waren natürlich gespannt, was wir dabei lernen konnten. So trafen wir uns am Samstagnachmittag
mit 5 weiteren Personen, die teilnahmen und natürlich Camila, der Freundin von
María Paz. Wir fuhren im Aufzug Baron nach oben und genossen den Ausblick vom
Aussichtungspunkt Diego Portales.
| Blick aus dem Fenster des Aufzugs |
Hier im Cerro
Baron wurden im Jahr 2016 von Künstlern aus Chile riesengroße Graffitis an Häuserwände
gesprüht. Ein paar von ihnen kannte ich vom vorbeilaufen, und diese finden sich
auch in vergangenen Blogeinträgen. Aber viele sah ich heute zum ersten Mal. Und
zudem kannte Camila die spannenden Geschichten, die hinter den Graffitis
steckten. Auf zwei von ihnen möchte ich näher eingehen.
Die erste
Geschichte ist die Geschichte hinter dem nächsten Foto: „Der Traum des Fischers“.
Es nimmt Bezug auf und nimmt Kritik an einem Gesetz, nämlich dem „Gesetz der Fischerei“.
Dieses unsägliche Gesetz wurde von einigen wenigen hochrangigen Politikern
verabschiedet (die dafür Millionen bekommen haben). Es erlaubt es,
ausländischen Firmen vor der Küste Chiles so viel zu fischen, wie diese wollen
ohne dafür bezahlen zu müssen. Zum einen gehen dem Land dadurch riesige
Einnahmen durch die Lappen, denn durch die kalten Gewässer des Humboldt-Stromes
zählt das Meer zu den fischreichsten weltweit. Und andererseits ist es für die
Natur eine Katastrophe, da rigoros überfischt wird und viele Arten vom
Aussterben bedroht sind. Zu allem Überfluss kamen – verbunden mit diesem Gesetz
– noch Einschränkungen für die kleinen lokalen Fischer, die nun Jahr für Jahr
immer kleinere und weniger Fische verkaufen können. Man sagt mittlerweile, dass
es in Valparaíso billiger ist, einen (importierten) Thunfisch aus der Dose zu
kaufen, als einen frischen Fisch. Und das ist für eine Hafen- und
Fischereistadt wirklich traurig.
Viele der Werke
zeigten auch lokale Berühmtheiten aus Valparaíso. Das Beispiel das ich
herausgesucht habe ist das von Carlos Martínez. Unter diesem Namen kennt ihn in
Valparaíso allerdings kaum jemand, vielmehr ist er bekannt als der „Motemei“.
Er verkauft nämlich Mote de maíz, eine Form von großen Maiskörnern, die
traditionell auf spezielle Art zubereitet werden. Wenn er durch die Straßen
zieht, kann man ihn von weitem hören „Motemei, motemei“. Auch wenn sich das
Geschäft nicht mehr richtig rentiert, so betreibt er es auf eigene Aussage
immer noch, weil ihm diese Tradition wichtig ist, die er von seinem Großvater
gelernt hat. Bei der Einweihung des Kunstwerkes war natürlich der „Motemei“
auch zugegen.
Jedes Kunstwerk,
das uns Camila zeigte, hatte eine spannende Geschichte als Hintergrund und bei
manchen ließ sie uns auch zunächst interpretieren, bevor sie sie erzählte. Neben
den Graffitis war aber auch die Seite B von Valparaíso ein sehr prägendes
Element der Führung. Wir kamen an wirklich sehr heruntergekommenen Häusern
vorbei und das Müllproblem, das die ganze Stadt hat, war auch hier extrem
ausgeprägt.
Für mich war es
eine extrem spannende und lehrreiche Führung durch einen Teil von Valparaíso,
den ich so wahrscheinlich nie gesehen hätte. Es zeigte außerdem, dass die Stadt
weit außerhalb des Touristenzentrums auch versteckte Highlights zu bieten hat. Und
es führte mich zudem in die Nähe der ersten Wohnung, die ich 2014 in Valparaíso
gemietet hatte (im Cerro Baron). Wer Interesse an alten Storys und Bildern hat,
dem empfehle ich, sich zu den ersten Blogeinträgen durchzuklicken und klein
Richards Abenteuer von vor dreieinhalb Jahren nochmal auszugraben.
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