Valparaíso

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Sonntag, 25. März 2018

Die Seite B von Valparaíso


Eine Freundin von María Paz ist Stadtführerin und hat uns neulich von einer coolen Tour erzählt, die sie anbietet: El lado B de Valparaíso. Sie versprach uns eine ganz untypische Stadtführung durch einen untouristischen Teil Valparaísos und wir waren natürlich gespannt, was wir dabei lernen konnten. So trafen wir uns am Samstagnachmittag mit 5 weiteren Personen, die teilnahmen und natürlich Camila, der Freundin von María Paz. Wir fuhren im Aufzug Baron nach oben und genossen den Ausblick vom Aussichtungspunkt Diego Portales.

Blick aus dem Fenster des Aufzugs
Hier im Cerro Baron wurden im Jahr 2016 von Künstlern aus Chile riesengroße Graffitis an Häuserwände gesprüht. Ein paar von ihnen kannte ich vom vorbeilaufen, und diese finden sich auch in vergangenen Blogeinträgen. Aber viele sah ich heute zum ersten Mal. Und zudem kannte Camila die spannenden Geschichten, die hinter den Graffitis steckten. Auf zwei von ihnen möchte ich näher eingehen.


Die erste Geschichte ist die Geschichte hinter dem nächsten Foto: „Der Traum des Fischers“. Es nimmt Bezug auf und nimmt Kritik an einem Gesetz, nämlich dem „Gesetz der Fischerei“. Dieses unsägliche Gesetz wurde von einigen wenigen hochrangigen Politikern verabschiedet (die dafür Millionen bekommen haben). Es erlaubt es, ausländischen Firmen vor der Küste Chiles so viel zu fischen, wie diese wollen ohne dafür bezahlen zu müssen. Zum einen gehen dem Land dadurch riesige Einnahmen durch die Lappen, denn durch die kalten Gewässer des Humboldt-Stromes zählt das Meer zu den fischreichsten weltweit. Und andererseits ist es für die Natur eine Katastrophe, da rigoros überfischt wird und viele Arten vom Aussterben bedroht sind. Zu allem Überfluss kamen – verbunden mit diesem Gesetz – noch Einschränkungen für die kleinen lokalen Fischer, die nun Jahr für Jahr immer kleinere und weniger Fische verkaufen können. Man sagt mittlerweile, dass es in Valparaíso billiger ist, einen (importierten) Thunfisch aus der Dose zu kaufen, als einen frischen Fisch. Und das ist für eine Hafen- und Fischereistadt wirklich traurig.


Viele der Werke zeigten auch lokale Berühmtheiten aus Valparaíso. Das Beispiel das ich herausgesucht habe ist das von Carlos Martínez. Unter diesem Namen kennt ihn in Valparaíso allerdings kaum jemand, vielmehr ist er bekannt als der „Motemei“. Er verkauft nämlich Mote de maíz, eine Form von großen Maiskörnern, die traditionell auf spezielle Art zubereitet werden. Wenn er durch die Straßen zieht, kann man ihn von weitem hören „Motemei, motemei“. Auch wenn sich das Geschäft nicht mehr richtig rentiert, so betreibt er es auf eigene Aussage immer noch, weil ihm diese Tradition wichtig ist, die er von seinem Großvater gelernt hat. Bei der Einweihung des Kunstwerkes war natürlich der „Motemei“ auch zugegen.


Jedes Kunstwerk, das uns Camila zeigte, hatte eine spannende Geschichte als Hintergrund und bei manchen ließ sie uns auch zunächst interpretieren, bevor sie sie erzählte. Neben den Graffitis war aber auch die Seite B von Valparaíso ein sehr prägendes Element der Führung. Wir kamen an wirklich sehr heruntergekommenen Häusern vorbei und das Müllproblem, das die ganze Stadt hat, war auch hier extrem ausgeprägt.


Für mich war es eine extrem spannende und lehrreiche Führung durch einen Teil von Valparaíso, den ich so wahrscheinlich nie gesehen hätte. Es zeigte außerdem, dass die Stadt weit außerhalb des Touristenzentrums auch versteckte Highlights zu bieten hat. Und es führte mich zudem in die Nähe der ersten Wohnung, die ich 2014 in Valparaíso gemietet hatte (im Cerro Baron). Wer Interesse an alten Storys und Bildern hat, dem empfehle ich, sich zu den ersten Blogeinträgen durchzuklicken und klein Richards Abenteuer von vor dreieinhalb Jahren nochmal auszugraben.



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