Valparaíso

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Sonntag, 28. April 2019

Aus der Brillenhistorie


Ich habe eine neue Brille! Und passend zu diesem Anlass habe ich mal in die Schmunzelkiste aus alten Geschichten zum Thema Brille gegriffen und wurde fündig. Es ist gewissermaßen ein schneller geschichtlicher Rückblick zu den Anfangszeiten – als klein Richard im Altern von lediglich 19 Jahren von einem sehenden Menschen zu einem augenzusammenkneifenden, in-der-ersten-Reihe-in-der-Vorlesung-sitzenden Etwas wurde.
Da ich generell wenig überstürze, dauerte es geschlagene fünf Semester, bis mein Mitbewohner Nicolas auch schlechtere Augen bekommen hatte und wir zusammen unsere erste Brille kaufen gingen. Im Brillenladen direkt neben unserer WG in Kaiserslautern ließen wir uns fachkundig beraten, auch wenn ich mit dem Service nicht ganz zufrieden war. Während Nicolas von der Brillenfachfrau gelobt wurde und jede Brille mit großem „Ah“ und „Oh“ und „Sie haben wahrlich ein Brillengesicht“ und „Die passt ja wie angegossen“ gefeiert wurde, probierte ich mir derweil die ausgemusterten Brillen von Nicolas an und feierte mich höchstens selbst ein bisschen.
Am nächsten Tag war die Sachlage aber ganz anders. Nachdem wir uns beiden für ein Modell entschieden hatten und wiederkehrten, wurde Nicolas von seiner Mutter und Schwester begleitet. Und die fanden das Modell für das er – und die Brillenfachfrau – sich entschieden hatten „ganz schrecklich“. So konnte ich meine Brille kaufen, im Supermarkt einkaufen gehen, kochen, waschen, bügeln, ein Studium beenden, während er nochmal durch den ganzen leidigen Prozess musste, diesmal aber unter den strengen Augen von Schwester und Mutter. Na gut, alles das habe ich nicht geschafft – zumindest das mit dem Bügeln war geflunkert.
Nachdem diese Brille nun auch schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, und ich sie zudem im Süden in unserer letzten Unterkunft in Maullín vergaß, war die Zeit gekommen, sich auf ein nächstes Level des Brillentragens zu erheben. María Paz half mir bei der Auswahl, und nach einigen Mittagspausen entschied ich mich schließlich für ein hervorragendes Modell, das nun – da ich diese Zeilen schreibe, schon auf meiner Nasenspitze thront.
Hoffentlich gewöhne ich mich bald an das neue Gesicht in meinem Spiegel. Kombiniert mit meiner Schafswollmütze aus dem Süden, sehe ich ganz schön hipstermäßig aus. Pläne zur Öffnung eines veganen Chai-Tee Restaurants sind schon ausgearbeitet (sorry an alle Inhaber von veganen Chai-Tee Restaurants - war nicht böse gemeint).



Bald gibt es auch mal Lachfotos mit Brille, aber dieses passt besser zum ernsten Ton dieses Blogeintrags.

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