Valparaíso

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Samstag, 18. Oktober 2014

Universidad Técnica Federico Santa María

Nachdem das Semester nun bereits neun Wochen alt, und damit bereits über die Hälfte vorbei ist, ist vielleicht Zeit ein kleines Zwischenfazit zu ziehen. Außerdem kann ich ein bisschen über die Kurse und das Unileben im Allgemeinen plaudern.
Viele sagen, die Uni erinnere sie an Hogwarts.

Was sicher schon in den ersten Blogartikeln durchgeklungen ist: Die Uni ist überragend gelegen. Nur durch knapp 200 Treppenstufen und eine Straße vom Meer getrennt, ist das alte Gemäuer immer eine Augenweide. Der Campus ist sehr kompakt und wird durch Pförtner rund um die Uhr bewacht. Neben den Gebäuden für alle möglichen technischen Fachrichtungen, gibt es einen großen Fußballplatz, zwei kleinere Betonplätze, ein kleines Schwimmbad und einen Park.

Wer findet mich unter all den Austauschstudenten?

Da die Uni weltweit einen sehr guten Ruf genießt, sind auch viele Austauschstudenten hier. Viele kommen aus Deutschland und Frankreich. Ich höre insgesamt vier Kurse, was von der Credito-Anzahl über dem Schnitt der Austauschstudenten liegt, aber es ist deutlich entspannter als meine letzten Semester in Kaiserslautern.

In Series de Tiempo II geht es um nichtparametrische Statistik und im zweiten Teil um mehrdimensionale Zeitreihen (ARCH, GARCH). Der Kurs ist in zweierlei Hinsicht speziell. Zum einen habe ich dort nur zwei Kommilitonen, sodass der Professor einen immer sehr direkt anspricht und immer wartet, bis es alle verstanden haben (oder bis alle behaupten, es verstanden zu haben). Die zweite Besonderheit ist der Dozent selbst: Er ist aus der Slowakei und spricht fast kein Spanisch. Also hält er den Kurs auf Englisch und hat auch sein eigenes Lehrkonzept, was stark von dem der chilenischen Professoren abweicht.

Mein Lieblingskurs in diesem Semester heißt Inferencia Estadística und wird von einem chilenischen Professor gehalten, der total motiviert ist. Man merkt in jeder Stunde, dass er das Thema liebt und der Funke springt teilweise auch auf uns Studenten über. Hier haben wir bereits zwei kleine Tests geschrieben und ein Certamen und ich hatte bisher nur gute Punktzahlen. Wobei wir die Note vom zweiten Test noch nicht haben, also sollte ich mich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben, aber auch nicht vor dem Abend in die Tonne kloppen. Macht mir auf jeden Fall viel Spaß der Kurs.

Des Weiteren höre ich noch Nichtlineare Optimierung, weil ich mir diesen Kurs möglicherweise als zweite Vertiefungsvorlesungen in Kaiserslautern anrechnen lassen kann. Der Professor ist noch sehr jung und kann richtig gut erklären. Allgemein arbeitet er immer mit einer Extratafel an der er alles was er erzählt durch Beispiele und Skizzen untermalt. Auch hier haben wir schon ein Certamen geschrieben, wo wir aber noch auf die Note warten. War ziemlich happig, wie auch eine Hausaufgabe, die wir abgeben mussten. Im Allgemeinen (d.h. außer in Series de Tiempo) sind die Hausaufgaben hier benotet und relativ anspruchsvoll. Dafür gibt es im ganzen Semester nur drei große Hausaufgaben. Eine andere Verteilung des Stresses als in Kaiserslautern, mit den wöchentlichen Übungsblättern.

Der vierte Kurs den ich hier höre, ist der Spanischkurs. Zum Glück wurde ich am Anfang in den höchsten Spanischkurs eingestuft, sodass ich noch einiges dazulerne und auch die Texte, die wir lesen, sind durchaus anspruchsvoll. Der Spanischlehrer ist meistens gut gelaunt, dann nennt er uns „Schätzchen“ und wirft mit einigen Brocken Deutsch um sich, zur allgemeinen Belustigung. Zudem lässt er uns meist eine halbe Stunde eher gehen, damit wir noch rechtzeitig in die Nony gehen können, ein sehr leckeres, aber schnell gefülltes Restaurant, das billige Mittagsmenüs anbietet. In Spanisch hatten wir schon zwei Tests, die ich beide sehr gut bestanden habe.

Lediglich die Mensa muss ich mit einer schlechten Gesamtnote bewerten. Da vermisse ich doch unsere gute Lautrer Mensa ein bisschen. Hier gibt es immer nur ein Menü (bzw. vegetarische Alternative, aber vegetarisch ist für mich bekanntlich Abfall ;) ), was aus Suppe mit Brötchen, Salat (ohne Dressing, nur mit Zitrone und Salz), einer Schuhsohle (bzw. manchmal sogar Fleisch) mit trockenen Kartoffeln, einem Getränk und einem Nachtisch (ok, der ist meistens lecker) besteht. Deshalb esse ich aber eigentlich nur einmal pro Woche dort, und ansonsten in der Nony oder anderen umliegenden Restaurants oder auch zuhause, wenn ich um die Mittagszeit keine Uni habe. Außerdem kann man im Kiosk auf dem Patio Central auch Sandwiches kaufen, sodass man zum Glück selten hungern muss. Viele Studenten laufen auch rum und verkaufen Alfajores (leckere Schokoteilchen), Sushi oder andere Leckereien, das ist oft praktisch, dann muss man sich nicht mal bewegen.

Immer wenn ich Donnerstagabend in der Inferencia-Vorlesung sitze, aus dem Fenster schaue und über dem Meer die Sonne untergehen sehe, denke ich mir, dass ich hier doch eine coole Zeit verlebe. Also auf in die letzten beiden Monate des Semesters!

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