Die Situation in
Chile
Der erste Fall
von Coronavirus in Chile wurde am 3. März bekannt, zu dieser Zeit hatte
Deutschland schon an die 200 Fälle. Erst zwei Wochen später begann ich langsam,
das Problem wahr- und ernst zu nehmen, vor allem wegen der Berichte, die ich
über meine Eltern aus Deutschland hörte. Aber es war zu dieser Zeit noch sehr
komisch, Leuten den Handschlag zu verweigern – es war eher als ein Scherz
gesehen, wenn man zum Gruß mit dem Fuß oder mit der Faust (kein Faustschlag natürlich)
ansetzte.
Die Regierung
reagierte verhältnismäßig schnell, vermutlich, da die Berichte aus Italien und
Spanien zu dieser Zeit ziemlich schockierend waren. Coronavirus war schnell das
Gesprächsthema Nummer 1. Jeden Tag trat der Gesundheitsminister Mañalich vor
die Presse und verkündete die neuen
Zahlen, jeden Tag wurde über Folgen von Entscheidungen diskutiert und über
Fälle von Leuten, die den Coronavirus nicht ernst nahmen und viele andere Leute
ansteckten.
Eine große Sorge
war das öffentliche Gesundheitssystem Chiles, das schon zu normalen Zeiten
häufig überlastet ist. Öffentliche Krankenhäuser wie das Carlos Van Buren in
Valparaíso haben riesige Wartesäle, die gut gefüllt bis überfüllt sind und die
Wartelisten für Operationen sind auch endlos. Nun sind schon 7 Wochen
vergangen und die Anzahl an Infektionen
steigen jeden Tag. Allerdings – und das ist die gute Nachricht – nicht
exponentiell, sondern eher linear. Momentan kommen jeden Tag zwischen 300-500
neue Fälle hinzu. Die Anzahl der Todesfälle ist auch – verglichen mit anderen
Ländern – sehr niedrig. Deshalb ist momentan die Diskussion, ob man die Schulen
wieder eröffnen soll (in meinen Augen eine wahnwitzige Idee) und auch Malls und
sonstige Geschäfte wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Natürlich
ist es eine schwierige Entscheidung, da man wirtschaftliche Interessen (auch in
Chile wurden schon eine große Menge an
Arbeitern entlassen) und gesundheitliche Faktoren (die Kurve flach zu halten)
abwägen muss. Da die Regierung aber hauptsächlich aus Wirtschaftspersonen
besteht, besteht die Befürchtung, dass die Balance zu stark zugunsten der
ersteren pendeln wird.
Unsere Situation
nach dem Ausbruch
María Paz und ich
hatten eigentlich andere Pläne als den Großteil unserer Zeit zu Hause zu
verbringen, und zwar wollten wir zurück nach Deutschland ziehen. Dazu hatten
wir sogar schon gekündigt. Als es gerade drei Fälle in Chile gab, war schon
María Paz‘ letzter Tag. Und danach ging es erst los mit dem Ausbruch des Virus.
Ich hatte noch einen Monat länger zu arbeiten und nutzte die Gelegenheit um
meine Kündigung zu kündigen, also vorerst ganz normal weiterzuarbeiten.
Wir durften
zunächst fast drei Wochen von zuhause aus arbeiten. Da wir sehr strikte
Sicherheitsmaßnahmen zu Datensicherheit erfüllen müssen, bedeutete das
zunächst, dass wir nicht auf die Daten unserer Kunden zugreifen konnten. So
hatten wir viel Zeit für unsere Initiativen und Projekte, die wir für Evalueserve
entwickeln. Diese sind mehr programmierlastig, das kam mir entgegen und so
genoss ich diese Zeit. Zumal wir auch Brötchen und Kuchen buken und allgemein
mehr Zeit für Hobbies zuhause hatten.
Dann mussten wir
jedoch von einem Tag auf den nächsten zurück ins Büro, ohne große Erklärung von
Seiten der Firma, außer dass man Risiken und Nutzen abgewogen habe. Das dauerte
eine Woche und ab heute haben wir endlich wieder die Möglichkeit von zuhause
aus zu arbeiten. Ich habe mir aber erstmal eine Woche Urlaub genommen, den wir
auf Balkonien, Speisekamerun, Kloronto oder Bagladusche verbringen werden.
Datenanalyse
Es gibt
wahnsinnig viele Studien zu Coronavirus und verschiedene Organisationen, die
versuchen, die Daten aus aller Welt zusammenzutragen und öffentlich verfügbar
zu machen. Unter diesem Link ist eine Liste vieler Blogposts, Web Applikationen
und Datensets zu finden. Mit einem dieser Datensets spielte ich rein
interessehalber ein bisschen herum, um zu sehen wie sich die Anzahl an
infizierten Personen in verschiedenen Ländern entwickelt. Da ich selbst aber
keinerlei Kenntnisse über Epistemologie und den Virus, oder die Maßnahmen der
einzelnen Länder habe, benutze ich die Plots nur im Eigeninteresse, um die
Länder zu tracken, an denen ich interessiert bin.


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