Valparaíso

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Freitag, 24. April 2020

Coronavirus


Die Situation in Chile

Der erste Fall von Coronavirus in Chile wurde am 3. März bekannt, zu dieser Zeit hatte Deutschland schon an die 200 Fälle. Erst zwei Wochen später begann ich langsam, das Problem wahr- und ernst zu nehmen, vor allem wegen der Berichte, die ich über meine Eltern aus Deutschland hörte. Aber es war zu dieser Zeit noch sehr komisch, Leuten den Handschlag zu verweigern – es war eher als ein Scherz gesehen, wenn man zum Gruß mit dem Fuß oder mit der Faust (kein Faustschlag natürlich) ansetzte.

Die Regierung reagierte verhältnismäßig schnell, vermutlich, da die Berichte aus Italien und Spanien zu dieser Zeit ziemlich schockierend waren. Coronavirus war schnell das Gesprächsthema Nummer 1. Jeden Tag trat der Gesundheitsminister Mañalich vor die Presse und  verkündete die neuen Zahlen, jeden Tag wurde über Folgen von Entscheidungen diskutiert und über Fälle von Leuten, die den Coronavirus nicht ernst nahmen und viele andere Leute ansteckten.

Eine große Sorge war das öffentliche Gesundheitssystem Chiles, das schon zu normalen Zeiten häufig überlastet ist. Öffentliche Krankenhäuser wie das Carlos Van Buren in Valparaíso haben riesige Wartesäle, die gut gefüllt bis überfüllt sind und die Wartelisten für Operationen sind auch endlos. Nun sind schon 7 Wochen vergangen  und die Anzahl an Infektionen steigen jeden Tag. Allerdings – und das ist die gute Nachricht – nicht exponentiell, sondern eher linear. Momentan kommen jeden Tag zwischen 300-500 neue Fälle hinzu. Die Anzahl der Todesfälle ist auch – verglichen mit anderen Ländern – sehr niedrig. Deshalb ist momentan die Diskussion, ob man die Schulen wieder eröffnen soll (in meinen Augen eine wahnwitzige Idee) und auch Malls und sonstige Geschäfte wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Natürlich ist es eine schwierige Entscheidung, da man wirtschaftliche Interessen (auch in Chile wurden schon eine  große Menge an Arbeitern entlassen) und gesundheitliche Faktoren (die Kurve flach zu halten) abwägen muss. Da die Regierung aber hauptsächlich aus Wirtschaftspersonen besteht, besteht die Befürchtung, dass die Balance zu stark zugunsten der ersteren pendeln wird.

Unsere Situation nach dem Ausbruch

María Paz und ich hatten eigentlich andere Pläne als den Großteil unserer Zeit zu Hause zu verbringen, und zwar wollten wir zurück nach Deutschland ziehen. Dazu hatten wir sogar schon gekündigt. Als es gerade drei Fälle in Chile gab, war schon María Paz‘ letzter Tag. Und danach ging es erst los mit dem Ausbruch des Virus. Ich hatte noch einen Monat länger zu arbeiten und nutzte die Gelegenheit um meine Kündigung zu kündigen, also vorerst ganz normal weiterzuarbeiten.

Wir durften zunächst fast drei Wochen von zuhause aus arbeiten. Da wir sehr strikte Sicherheitsmaßnahmen zu Datensicherheit erfüllen müssen, bedeutete das zunächst, dass wir nicht auf die Daten unserer Kunden zugreifen konnten. So hatten wir viel Zeit für unsere Initiativen und Projekte, die wir für Evalueserve entwickeln. Diese sind mehr programmierlastig, das kam mir entgegen und so genoss ich diese Zeit. Zumal wir auch Brötchen und Kuchen buken und allgemein mehr Zeit für Hobbies zuhause hatten.


Dann mussten wir jedoch von einem Tag auf den nächsten zurück ins Büro, ohne große Erklärung von Seiten der Firma, außer dass man Risiken und Nutzen abgewogen habe. Das dauerte eine Woche und ab heute haben wir endlich wieder die Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten. Ich habe mir aber erstmal eine Woche Urlaub genommen, den wir auf Balkonien, Speisekamerun, Kloronto oder Bagladusche verbringen werden.

Datenanalyse


Es gibt wahnsinnig viele Studien zu Coronavirus und verschiedene Organisationen, die versuchen, die Daten aus aller Welt zusammenzutragen und öffentlich verfügbar zu machen. Unter diesem Link ist eine Liste vieler Blogposts, Web Applikationen und Datensets zu finden. Mit einem dieser Datensets spielte ich rein interessehalber ein bisschen herum, um zu sehen wie sich die Anzahl an infizierten Personen in verschiedenen Ländern entwickelt. Da ich selbst aber keinerlei Kenntnisse über Epistemologie und den Virus, oder die Maßnahmen der einzelnen Länder habe, benutze ich die Plots nur im Eigeninteresse, um die Länder zu tracken, an denen ich interessiert bin.



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