Am finalen Tag
des Congreso Futuro gab es nochmal richtig spannende Themen zu hören. Die
ersten Präsentationen drehten sich rund um das Thema „Handeln“, und das mit
Bezug auf den Klimawandel. Es ging um die Rolle der Böden im Klimawandel als
zweitgrößtes Wasserreservoir nach den Ozeanen und wie diese bedroht sind. Weitere
Vorträge beleuchteten den Klimawandel aus soziologischer Sicht und die Rolle der Wissenschaften, die einen
guten Job gemacht haben, den Klimawandel präsent zu machen, aber bisher kaum
Einfluss auf Politik nehmen konnten. Abschließend sprach ein Paläoklimatologe
über seine Forschung an den Eisschilden der Antarktis. Und das klang ziemlich
apokalyptisch mit Bezug auf den Anstieg der Meereslevel.
Nach dem
Klimawandel kam direkt ein weiteres meiner Lieblingsthemen: Bildung. Und da wir
im Congreso Futuro waren, ging es um die Bildung der Zukunft. Ein Mathelehrer
aus Spanien redete über die Schwierigkeit, Schüler für Mathematik zu begeistern
aber auf der anderen Seite über die große Wichtigkeit des Themas. Er gab einige
Beispiele, wie man es schaffen kann, Neugierde zu kreieren und war allgemein
ein ziemlich lustiger Vortragender. In weiteren Vorträgen ging es allgemeiner
um die Fähigkeiten, die die Schüler der Zukunft lernen müssten und wie auch die
Bildung einen starken Anteil an der größer werdenden Ungleichheit in Chile hat.
Ein Strukturwandel wurde gefordert, weg von dem Fokus auf isolierte Titel und
mehr auf verschiedene interdisziplinäre Fähigkeiten und Kollaboration. Spannend
war auch eine Studie die verschiedene Mentalitäten verglich und zeigte, dass
Leute, die an ein konstantes Lernen bis ins hohe Alter glaubten, deutlich
schwierigere Probleme lösen konnten. Und der Unterschied dieses „Glaubens“ war
nur ein einstündiger Vortrag in dem der einen Gruppe erzählt wurde, dass jeder
bis ins hohe Alter lernen könne und Grundintelligenz nur ein kleiner Faktor
ist.
Vor der Pause
wurde es philosophischer, es ging ums Sterben und welche Bedeutung es in der
Gegenwart hat und in der Zukunft haben wird.
Am Nachmittag
wurde das Augenmerk wieder mehr auf die politische Situation in Chile gelegt.
Zunächst referierten vier Personen über die Wirtschaft Chiles und wie diese zum
einen zu einem großen Wachstum in vielen messbaren Größen beigetragen hat, aber
auch gleichzeitig zu der großen Ungleichheit beigetragen hat, die die Ursache
der Proteste der letzten Monate war. Luigi Zingales, von der University of
Chicago, redete über „chronischen Kapitalismus“ und übersetzte das landläufiger
mit „Kapitalismus der Schwäger“, da die Politik und die führenden Größen in der
Industrie alle irgendwie verwandt sind und somit die Quintessenz des
Kapitalismus, nämlich der Wettbewerb, fehlen würde. Nicht umsonst gab es in den
letzten Jahren in Chile zahlreiche Skandale rund um die Absprache von Preisen.
Er schlug eine Handvoll von Lösungen vor, die allerdings auch schwer umsetzbar
sind, weil die Politik diese treffen müsste, und sich damit gewissermaßen ins
eigene Fleisch (oder ins Fleisch der Schwäger) schneiden würden.
Dann schwenkte
der Fokus ein bisschen und es ging um die gute alte Demokratie. Ein
Mathematiker zeigte in 15 Minuten sieben verschiedene Wahlsysteme auf und warum
die meisten von ihnen nicht richtig funktionieren würden (vor allem auch die
Systeme die momentan verwendet werden). Und dann wurde eine neuartige Methode
vorgestellt, die zu einer besseren Entscheidungsfindung führen soll. James
Fishkin von der Stanford University zeigte, wie sie in zahlreichen Ländern
zufällig (aber proportional gesampelt) Leute ausgewählt haben, die von
unabhängigen Experten beraten wurden und dann über mehrere Wochen über die
Themen debattierten, bevor sie Entscheidungen trafen. Mehrere der momentan
bestehenden Probleme der Demokratie würden dadurch teilweise gelöst. Zum einen,
dass wenige Leute sich wirklich ausgiebig informieren, zum anderen, dass kaum
jemand Leuten zuhört, die eine andere Meinung haben (und wenn, dann deren
Argumenten kaum Beachtung schenkt) und schließlich die Parteibindung, dass
viele Entscheidungen getroffen werden, weil man Teil einer Partei ist, aber
nicht, weil man wirklich dieser Meinung ist. Sie werden auch im Rahmen der
kommenden Wahlen um eine neue Verfassung in Chile ein Pilotprojekt hier
starten.
Der letzte Block
war wieder philosophischer Art und es ging um den Sinn des Lebens (der Name des
Blocks war „Transzendieren“ aber ich weiß nicht genau was das heißt). Aber die
Experten diskutierten mit sehr blumigen Worten und Beispielen über die Rolle
eines Menschen im Kollektiv der Menschheit und wie sich diese geändert hat.
Dann war der
Congreso Futuro vorbei und María Paz und ich kehrten mit vollen Köpfen und
Notizbüchern zurück nach Valparaíso. Es war spannend zu sehen, was wir aus den
letzten Jahren gelernt haben und wie gut vorbereitet wir in die nahe Zukunft
gehen werden. Es gibt eine Vielzahl von globalen Problemen, deren Lösungen eine
viel bessere Zusammenarbeit voraussetzen. Sind wir dafür bereit?

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