Valparaíso

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Sonntag, 19. Januar 2020

Congreso Futuro in Santiago – Teil 4


Am finalen Tag des Congreso Futuro gab es nochmal richtig spannende Themen zu hören. Die ersten Präsentationen drehten sich rund um das Thema „Handeln“, und das mit Bezug auf den Klimawandel. Es ging um die Rolle der Böden im Klimawandel als zweitgrößtes Wasserreservoir nach den Ozeanen und wie diese bedroht sind. Weitere Vorträge beleuchteten den Klimawandel aus soziologischer Sicht  und die Rolle der Wissenschaften, die einen guten Job gemacht haben, den Klimawandel präsent zu machen, aber bisher kaum Einfluss auf Politik nehmen konnten. Abschließend sprach ein Paläoklimatologe über seine Forschung an den Eisschilden der Antarktis. Und das klang ziemlich apokalyptisch mit Bezug auf den Anstieg der Meereslevel.

Nach dem Klimawandel kam direkt ein weiteres meiner Lieblingsthemen: Bildung. Und da wir im Congreso Futuro waren, ging es um die Bildung der Zukunft. Ein Mathelehrer aus Spanien redete über die Schwierigkeit, Schüler für Mathematik zu begeistern aber auf der anderen Seite über die große Wichtigkeit des Themas. Er gab einige Beispiele, wie man es schaffen kann, Neugierde zu kreieren und war allgemein ein ziemlich lustiger Vortragender. In weiteren Vorträgen ging es allgemeiner um die Fähigkeiten, die die Schüler der Zukunft lernen müssten und wie auch die Bildung einen starken Anteil an der größer werdenden Ungleichheit in Chile hat. Ein Strukturwandel wurde gefordert, weg von dem Fokus auf isolierte Titel und mehr auf verschiedene interdisziplinäre Fähigkeiten und Kollaboration. Spannend war auch eine Studie die verschiedene Mentalitäten verglich und zeigte, dass Leute, die an ein konstantes Lernen bis ins hohe Alter glaubten, deutlich schwierigere Probleme lösen konnten. Und der Unterschied dieses „Glaubens“ war nur ein einstündiger Vortrag in dem der einen Gruppe erzählt wurde, dass jeder bis ins hohe Alter lernen könne und Grundintelligenz nur ein kleiner Faktor ist.

Vor der Pause wurde es philosophischer, es ging ums Sterben und welche Bedeutung es in der Gegenwart hat und in der Zukunft haben wird.

Am Nachmittag wurde das Augenmerk wieder mehr auf die politische Situation in Chile gelegt. Zunächst referierten vier Personen über die Wirtschaft Chiles und wie diese zum einen zu einem großen Wachstum in vielen messbaren Größen beigetragen hat, aber auch gleichzeitig zu der großen Ungleichheit beigetragen hat, die die Ursache der Proteste der letzten Monate war. Luigi Zingales, von der University of Chicago, redete über „chronischen Kapitalismus“ und übersetzte das landläufiger mit „Kapitalismus der Schwäger“, da die Politik und die führenden Größen in der Industrie alle irgendwie verwandt sind und somit die Quintessenz des Kapitalismus, nämlich der Wettbewerb, fehlen würde. Nicht umsonst gab es in den letzten Jahren in Chile zahlreiche Skandale rund um die Absprache von Preisen. Er schlug eine Handvoll von Lösungen vor, die allerdings auch schwer umsetzbar sind, weil die Politik diese treffen müsste, und sich damit gewissermaßen ins eigene Fleisch (oder ins Fleisch der Schwäger) schneiden würden.

Dann schwenkte der Fokus ein bisschen und es ging um die gute alte Demokratie. Ein Mathematiker zeigte in 15 Minuten sieben verschiedene Wahlsysteme auf und warum die meisten von ihnen nicht richtig funktionieren würden (vor allem auch die Systeme die momentan verwendet werden). Und dann wurde eine neuartige Methode vorgestellt, die zu einer besseren Entscheidungsfindung führen soll. James Fishkin von der Stanford University zeigte, wie sie in zahlreichen Ländern zufällig (aber proportional gesampelt) Leute ausgewählt haben, die von unabhängigen Experten beraten wurden und dann über mehrere Wochen über die Themen debattierten, bevor sie Entscheidungen trafen. Mehrere der momentan bestehenden Probleme der Demokratie würden dadurch teilweise gelöst. Zum einen, dass wenige Leute sich wirklich ausgiebig informieren, zum anderen, dass kaum jemand Leuten zuhört, die eine andere Meinung haben (und wenn, dann deren Argumenten kaum Beachtung schenkt) und schließlich die Parteibindung, dass viele Entscheidungen getroffen werden, weil man Teil einer Partei ist, aber nicht, weil man wirklich dieser Meinung ist. Sie werden auch im Rahmen der kommenden Wahlen um eine neue Verfassung in Chile ein Pilotprojekt hier starten.

Der letzte Block war wieder philosophischer Art und es ging um den Sinn des Lebens (der Name des Blocks war „Transzendieren“ aber ich weiß nicht genau was das heißt). Aber die Experten diskutierten mit sehr blumigen Worten und Beispielen über die Rolle eines Menschen im Kollektiv der Menschheit und wie sich diese geändert hat.  



Dann war der Congreso Futuro vorbei und María Paz und ich kehrten mit vollen Köpfen und Notizbüchern zurück nach Valparaíso. Es war spannend zu sehen, was wir aus den letzten Jahren gelernt haben und wie gut vorbereitet wir in die nahe Zukunft gehen werden. Es gibt eine Vielzahl von globalen Problemen, deren Lösungen eine viel bessere Zusammenarbeit voraussetzen. Sind wir dafür bereit?

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