María Paz und ich
haben uns eine Woche Urlaub genommen, da wir in Santiago Karten für eine
sehr spannende Konferenz bekommen haben – den Congreso Futuro 2020. Wir haben
uns für die ganze Woche ein Zimmer in einem Hostel gebucht und warteten
gespannt auf den ersten Tag. Und da dieser schon so voll mit coolen Gedanken
und Ideen und Projekten aus verschiedenen Disziplinen war, wollte ich diese in
einem kurzen Text zusammenfassen.
Die Konferenz
begann mit einem Vortrag von Chimamanda Ngozi Adichie, der Autorin des
Bestsellers „We should all be feminists“, in dem sie für Empathie gegenüber
anderen Kulturen, anderen Ländern und anderen Personen plädierte. Wunderbar mit
Geschichten aus ihrem eigenen Leben verwoben, legte sie uns ans Herz, zu
hinterfragen was „normal“ für uns ist, und mehr Bücher und Geschichten von
Menschen mit anderen Hintergründen und vielleicht auch anderen Meinungen als
wir lesen.
Anschließend fand
ein Block zum Thema „Teilnahme“ statt. Katherine Maher redete über Wikipedia und
eine Krise des Vertrauens, die wir lösen müssen um die großen Themen unser Zeit
angehen können. Ein weiterer Vortrag stellte eine Applikation vor, die es
Menschen ermöglicht, einfacher zusammenzuarbeiten und auch an politischen
Projekten mehr Anteil zu nehmen. Ein weiterer Vortrag einer Französin schlug
ein komplett neues Wahlsystem vor, das sogar in Frankreich momentan zur Debatte
steht. Hier war die Hauptidee, statt einer Stimme für einen Kandidaten, jedem
Kandidaten eine Bewertung zwischen „sehr gut“ und „sehr schlecht“ zu geben. Dies
würde die wahre Meinung des Volkes deutlich besser widerspiegeln und auch
Probleme wie die Wahl aus vielen Kandidaten ohne Stichwahl oder die
Wertlosigkeit von leeren Stimmzetteln lösen. Für mich war dies einer der
interessantesten Vorträge, da er in einfacher Weise zeigt, was wir in vielen
Bereichen tun müssen: Dinge hinterfragen, die wir „schon immer so gemacht haben“
und durch bessere Lösungen ersetzen. Zum Abschluss des Blocks gab es noch einen
Vortrag von einem Mann, der seine Daten von Cambridge Analytica gefordert und bekommen
hat und alles was damit zusammenhängt. Sehr spannend, und er empfahl den
Netflix Film „The great hack“ - bei dem er auch eine Rolle hat.
Der nächste Block
stand unter dem Thema „Interaktion“ und hier ging es hauptsächlich um Roboter.
Von Hackathons zu neuen Sexspielzeugen, über Furhat, einem Roboter, der live
vorgeführt wurde und schon sehr menschlich rüberkommt zu Nannybot, einem
Vorschlag, die Aufzucht unserer Babies in die Hand von Künstlicher Intelligenz
zu legen, um schlauere, nettere und glücklichere Menschen zu bekommen.
Da María Paz und
ich dann tierischen Hunger hatten und die Zeitverzögerung vor und zwischen den
Vorträgen die Mittagspause komplett gefressen hatte, verpassten wir einen Teil
des Blocks über „Entschlüsseln“, was aber hauptsächlich Gesundheitsthemen waren
und deshalb für uns nicht so spannend. Interessant war ein Vortrag, in dem über
Trends in die Entwicklung von Open Source Hardware geredet wurde, also
Kollaboration im Bereich von Benutzung und Weiterentwicklung von
Messinstrumenten.
Es gab einen
kurzen Vortrag über die Geräusche von Walen, Korallenriffen und Schiffen im
Ozean und was wir daraus lernen können (eine Menge!). Nach vielen Jahren
Forschung in diesem Gebiet, wird sich Melania Guerra, die Forscherin aus Costa
Rica die das Thema vorstellte, nun in die Politik wechseln, um als Vertreterin
der Meere stärker für deren Schutz zu plädieren.
Abschließend ging
es in einer Diskussionsrunde um „Zusammenleben“, und da gab es aus Chiles Sicht
natürlich viel zu diskutieren nach den Protesten der letzten Monate. Es waren
vier unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema und wie sich das Zusammenleben
ändern kann und muss, um in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Insgesamt war
es jedoch keine politische Diskussion (alle vier Sprecher waren sich einig,
dass die Proteste gerechtfertigt waren), sondern eine Ebene tiefer, wo es um
die menschlichen Interaktionen, Klassendenken (sehr ausgeprägt in Chile) und
Rassismus ging. Während der Diskussionsrunde hatte ich viele Gedanken und
Ideen.
Zum Glück habe
ich für diese ganze Woche ein kleines Büchlein dabei, in das ich alle Gedanken
aufschreibe und sie so später nochmal aufgreifen kann. Denn die Dichte an Ideen
ist in den Vorträgen so hoch, dass sonst viele Gedanken einfach davonfliegen
würden. Morgen geht es dann weiter, und ich denke ich werde im Laufe der Woche
nochmal eine Zusammenfassung schreiben.

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