Dieses Wochenende
fuhren María Paz und ich nach Santiago. Am Sonntag wurde der Tag des
Kulturerbes (Día del Patrimonio) gefeiert und zahlreiche Museen und Kulturstätten
öffneten ihre Türen für die Öffentlichkeit. Auch am Samstag gab es schon zahlreiche
Aktionen in vielen Orten. Wir hatten ursprünglich geplant, das Haus von
Nobelpreisträger Pablo Neruda „La Chascona“ zu besichtigen, aber dieses
beteiligte sich nur am Sonntag an den Feierlichkeiten. Stattdessen gingen wir
ins Viertel der schönen Künste und besuchten dort das Museo de Bellas Artes
(immerhin als eine der Top 20 Aktivitäten in Chile im Lonely
Planet gelistet).
Dort gab es
stündlich Museumsführungen und außerdem zahlreiche Kunstausstellungen in
verschiedenen Räumen. Da ich Museen allerdings meist nur so naja finde, wurde
ich nicht direkt vom Hocker gerissen und in meiner persönlichen Top 20 Liste in
Chile wird das Museum nicht aufgenommen werden.
| Kunst |
Der Fauxpas mit „La
Chascona“ lehrte uns, für den Sonntag besser zu planen und so schmiedeten wir
zuhause einen herausragenden Plan für den nächsten Tag. Wir durften netterweise
in der Wohnung von María Paz Studienkollegen Jean Pierre übernachten, der
dieses Wochenende nicht in Santiago weilte. Wir standen am nächsten Morgen sehr
früh auf und gingen zu „La Moneda“, dem Äquivalent zum Weißen Haus in Amerika. Wir
kamen genau an, als sie die Türen öffneten und die Schlange der Wartenden
ersteckte sich bereits drei Straßenblöcke weit. Zum Glück ging es recht zügig
vorwärts und wir kamen nach 1,5 Stunden an der Tür an und folgen den
Besuchermassen.
| Vor dem Büro des Präsidenten |
Wir sahen den
Raum für Pressekonferenzen, das riesige Büro der „primera dama“, der Frau des
Präsidenten, unzählige Räume mit Bildern von ehemaligen Präsidenten. Außerdem
Räume, die große chilenische Persönlichkeiten ehrten, wie ein Raum für die
Nobelpreisträger Pablo Neruda und Gabriela Mistral, in denen Werke und Bilder
ausgestellt waren. Zudem gab es Räume mit großer historischer Bedeutung, z.B.
der Raum in dem der damalige Präsident Salvador Allende 1973 beim Militärputsch
ermordet wurde. Alles in allem ein spannender Einblick in einen Ort, den die
Öffentlichkeit normalerweise nicht zu Gesicht bekommt.
| Maria Paz und ein gut erzogener Polizeihund in "La Moneda". |
Draußen vor „La
Moneda“ gab es Vorführungen des Orchesters des Militärs, sowie verschiedener
Pferde und Reiter. Hier musste man wenigstens nicht warten.
Für den nächsten
Punkt auf dem Plan mussten wir wieder ein bisschen Schlange stehen. Wir wollten
den Palast von Eguiguren kennenlernen, der als Residenz für den gleichnamigen
Politiker Anfang des 20. Jahrhunderts diente. Heute ist es die Fakultät für
junge Köche und Tourismus einer Hochschule. Und die Studenten hatten sich ins
Zeug gelegt, uns in die Zeit zurückzuversetzen, als dieser Palast bewohnt war.
Die Tourismus-Studenten hielten Führungen und zeigten die verschiedenen Räume
des Palasts.
Zudem hatten sie in einem Kunstprojekt Fotos von damals und heute
verschmelzen lassen, sodass man die Unterschiede der Epochen sehen konnte. Die
Köche hielten am Ende der Führung eine kulinarische Überraschung bereit,
bestehend aus einer fabelhaften heißen Schokolade, kleinen Desserts und
verschiedenen Arten von Brot.
| Ein Baum aus Schokolade und Früchten aus Marzipan. Die kleinen Nachtische links daneben bekamen wir zum Probieren, am Baum durfte man keine Äste beim Vorbeigehen abbrechen. |
Außerdem konnte
man sich Kleider aus der damaligen Zeit anprobieren und Fotos von sich schießen
lassen, die einem dann ausgedruckt wurden. Hier verloren wir jedoch viel Zeit
in der Schlange, da am Anfang jeder 27 Trillionen Selfies von sich schoss und
es ewig dauerte, bis die Kleider an die nächsten weitergegeben wurden. Nach
einiger Zeit merkten die Studenten das und machten ein bisschen mehr Druck. Hier
ist das Resultat unseres Fotoshootings. Findige Füchse werden sicher das ein
oder andere Detail finden, das in dieser Form nicht in der damaligen Zeit auf
einem Foto zu finden gewesen wäre, aber es war trotzdem eine lustige Aktion.
Wir fuhren am
Nachmittag zurück nach Valparaíso, das viele Schlangestehen hatte uns müde
gemacht. Einen Leckerbissen habe ich jedoch noch: Ein extrem verwirrter
Straßenhund, der nach einer langen Nacht aufwachte und sich plötzlich inmitten
einer nicht enden wollenden Schlange erwartungsfroher Menschen wiederfand.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen