Valparaíso

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Samstag, 22. September 2018

San Pedro de Atacama – Teil 1 – ALMA Observatorium


María Paz und ich nutzten die freien Tage um den Nationalfeiertag, um Urlaub im Norden Chiles zu machen. San Pedro de Atacama heißt das Highlight im Norden des Landes, in der Atacama Wüste, umgeben von herausragenden Landschaften zwischen Wüste, Vulkanen, Geysiren und Lagunen. Natürlich ist man im Urlaub in einem Touristenzentrum zu einem nationalen Feiertag nicht gerade alleine unterwegs, sondern alle Hostals waren ausgebucht und die Tourenanbieter konnten sich vor Anfragen kaum retten. Deshalb versuchten wir, die klassischen Touren zu vermeiden und fuhren sehr gut mit dieser Taktik.

Die Kirche von San Pedro am ersten Abend.
An unserem ersten ganzen Tag hatten wir eine Tour im Observatorium ALMA (Atacama Large Milimeter/Submilimeter Array) gebucht. Die Reservierung hatten wir schon im Januar getätigt, und waren dennoch nur auf die Warteliste gekommen. Das reichte jedoch locker, um einen Platz im einzigen Bus zu bekommen, der an zwei Tagen pro Woche in den Genuss einer Führung kommt.


ALMA ist ein internationales Astronomie-Projekt von enormen Ausmaßen. Wir fuhren zum Basiscamp, wo auch das Besucherzentrum war, auf 2900 Metern Höhe. Die Antennen, mit denen die Strahlen aus dem All empfangen werden, stehen auf 5000 Metern über dem Meeresspiegel auf dem Hochplateau Chajnantor (sprich: Tschachnantor, klingt nach einem äußerst mächtigen Ort: „Männer, packt eure Sachen, wir ziehen nach Chajnantor.“).


Auf der Führung bekamen wir viele Einblicke in die Arbeit von ALMA, hier die interessantesten Fakten, die mir im Gedächtnis geblieben sind:
  • ALMA schaut nicht mit Teleskopen in den Himmel, auf der Suche nach (für den Menschen) sichtbaren Strukturen, sondern empfängt deutlich langwelligere Strahlung, und erhält somit einen anderen Blick auf unser Universum als die meisten Observatorien.
  • Warum Chile? Hochgelegen (auf 5400 Metern ist die Atmosphäre nicht mehr so dick), flach (16 Kilometer in jede Richtung können die Antennen gleichmäßig verteilt werden), trocken (kaum störendes Wasser in der Atmosphäre enthalten, außerdem kein Schnee), erreichbar (nur vier Stunden vom nächsten Hafen entfernt) und eine Politik, die zum Forschen einlädt machen Chaqnantor zum perfekten Ort für dieses internationale Projekt.
  • Jede der 66 Antennen wiegt 100 Tonnen und falls diese für Reparaturen zum Basiscamp transportiert werden müssen, dauert diese Fahrt 8 Stunden, bei einer Geschwindigkeit von 6 km/h und verbraucht 5000 Liter Benzin.
  • Als das Projekt 2011 begann war der Rechner, der die 66 Antennen koordiniert und deren Signale verarbeitet und vereinheitlicht, der leistungsfähigste weltweit. Heute kann er sich immerhin noch mit dem Titel „Leistungsfähigster Rechner über 5000 Meter Höhe“ schmücken. Er realisiert bis zu 17 Quatrillionen Rechenoperationen pro Sekunde.  
  • Je nach Anordnung der Antennen kann ein unterschiedlicher „Zoom“ in das Weltall erreicht werden. Die Konfigurationen reichen von 150 Meter Durchmesser bis hin zu 16 Kilometer.

Nachdem wir die Forscher zu ihrer täglichen Arbeit befragen durften, ging es raus an die frische Luft. Lustigerweise gab es dort eine Sonnenampel, die anzeigen sollte, wie stark die Sonneneinstrahlung momentan ist. Da es durch die Sonne zu hell war, konnte man aber ironischerweise nicht sehen, auf welcher Stufe die Sonnenampel gerade stand.


Die Fahrzeuge, mit denen die Antennen transportiert werden können, sind eine Spezialanfertigung einer deutschen Firma und heißen Otto und Lore (sie wurden extra für diesen Zweck konstruiert und sind weltweit einmalig). Otto war gerade im Basiscamp zu Besuch, und so konnten wir ihn aus der Nähe anschauen und Fotos mit ihm schießen.


Ein kleiner Ausblick: an unserem vierten Tag in San Pedro (der Blogeintrag kommt hoffentlich bald) sahen wir von unserer Vulkanbesteigung aus in der Ferne die Antennen von Chajnantor! Das war ein majestätischer Moment, nicht nur wegen des majestätischen Namens Chajnantor, sondern vor allem weil es, wie das letzte Puzzleteil, unsere Observatoriumstour komplettierte.



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