In La Paz traf ich mich mit Gabriel, einem Schweden der auch in Valparaíso studiert. Er wurde begleitet von seinem schwedischen Kumpel Jorge und dessen Freundin Cony. Wir buchten eine 3-Tages-Tour, um den 6088 Meter hohen Berg Huayna Potosí, der ganz in der Nähe der Stadt liegt, zu besteigen.
Am ersten Tag fuhren wir zum Base Camp. Zusätzlich zu uns vieren war auch noch Alexander, ein Argentinier am Start. Das Base Camp ist eine Hütte, auf 4750 Meter gelegen. Wir kamen mittags da an und es gab erstmal gut Essen. Dann stand schon die erste Tour zum Akklimatisieren an. Wir liefen etwa eine Stunde und unsere Guides erklärten uns dann wie man sich auf einem Gletscher bewegt, bergauf, bergab und steil oder nicht steil. Dann hatten wir noch ein lustiges Falltraining, wo wir harmlos über den Gletscher schlendernd plötzlich ins Stolpern geraten sollten und uns dann mit einem gezielten Schlag mit dem Eispickel retten sollten. Zum Abschluss durften wir noch eine etwa fünf Meter hohe Gletscherwand mit zwei Pickeln und Steigeisen hochklettern.
Ziemlich platt liefen wir zurück zur Hütte und spielten abends noch ein paar Runden Uno, bevor dann alle in ihre Betten gingen.
Die Nacht war katastrophal. Das lag nicht daran, dass Alex sägte wie ein Holzfäller, sondern dass ich richtig starke Kopfschmerzen hatte und das Gefühl hatte, überhaupt nicht geschlafen zu haben. Als wir uns zum Frühstück trafen, ging es zum Glück allen genau so. Sogar Alex sagte das, und ich hatte echt das Gefühl, dass er durchgeratzt hat. Wie dem auch sei, geteiltes Leid ist halbes Leid und so ging es uns nach dem Frühstück schon ein bisschen besser. Heute hatten wir keine weite Wanderung vor uns, aber dafür mit komplettem Gepäck. Wir liefen insgesamt knapp drei Stunden vom Base Camp zum Campo Alto, was auch eine Hütte war.
Diese schon auf 5120 Metern. Nach dem Mittagessen sollten wir uns etwas aufs Ohr hauen und in unseren Betten dösen. Später gab es Kaffeetrinken und dann auch direkt danach schon das Abendessen. Um 17.30 Uhr war schon Schlafenszeit. Außer Alexander dösten alle so vor sich hin, er schon wieder im vollen Schnarchmodus. Zum Glück wurde er um Mitternacht gestoppt, denn da standen wir alle auf.
Die wärmsten Klamotten wurden angezogen, dazu die komplette Gletscherausrüstung angelegt. Ich war mit dem ältesten Guide Felix und Cony an einem Seil zusammengebunden. Langsam und gleichmäßig schnauften wir durch den Schnee nach oben. Einer der Guides hatte schon bald Feierabend, da die Französin mit der er unterwegs war, sich erbrechen und umkehren musste. Er war ein ganz witziger Kerl und beim Vorbeigehen zwinkerte er mir zu und meinte, wie cool es doch wäre, dass er jetzt noch die ganze Nacht in Ruhe durchpennen könne. Da wusste der Gute aber noch nicht, dass auch Alex einige hundert Meter weiter schlapp machte und ebenfalls zurück musste.
Wir waren nicht allzu flott unterwegs, aber durch den gleichmäßigen Trott kamen wir dennoch voran. Als wir auf 5.900 Metern angekommen waren, hörten wir von weiter oben einen Ruf, dass der Gipfel nicht erreichbar sei.
Das war keine zu große Überraschung, da schon seit vier Tagen wegen andauernden Schneefällen, der schmale Pfad zum Gipfel nicht begehbar war. Da in diesen Momenten auch die Sonne aufging, machten wir noch ein paar Fotos und uns dann langsam an den Abstieg.
So erreichten wir das Campo Alto um kurz vor 9 und später mussten wir nochmal mit Vollgepäck zum Base Camp, wo wir mit dem Bus schließlich nach La Paz zurückgebracht wurden.
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