Von La Paz fuhr ich über Nacht nach Uyuni. Ich kam um 9 Uhr am Morgen in dem kleinen Ort an und weniger als zwei Stunden später saß ich schon im Jeep auf der Drei-Tages-Tour durch den Salar de Uyuni. Mit mir waren drei Franzosen und ein Typ aus Quebec mit richtig coolem Holzfällerbart. Wir verstanden uns auf jeden Fall auf Anhieb gut und nach kurzer Fahrt kamen wir zum ersten Haltepunkt der Tour, dem Cementerio de Trenes (Zug-Friedhof). Hier stehen ganz viele alte verrostete Züge in der Wüste, fast wie ein Spielplatz für Touristen. Ich weiß gar nicht, wieso ich gedacht hätte, dass man bei Uyuni relativ alleine mit seiner Gruppe unterwegs ist. Wahrscheinlich weil auf den ganzen Fotos nie die Horden von Touris zu sehen sind, mit denen man von Highlight zu Highlight gekarrt wird. Auf jeden Fall waren wir nicht alleine, sondern schlugen uns mit Leuten aus aller Herren Länder um die begehrten Plätze auf der Schaukel und den coolen Zügen.
Nach einer Viertelstunde mussten wir schon runter vom Spielplatz. Wir liefen dorthin, wo die ganzen Jeeps warteten. Aber trotz langer Suche (es waren schon extrem viele) fanden wir unseren Jeep nicht wieder. Erst nach etwa zehn Minuten kam er angefahren und er hatte keine guten Nachrichten für mich: Ich war raus. Nicht raus aus der Tour, sondern raus aus dem Team. Eiskalt ausgetauscht durch zwei Japanerinnen. Nach dem herzzereißenden Abschied schlich ich mit meinem Gepäck zum Jeep nebenan, mit dem ich von nun an herumfahren sollte. Etwas aufgeregt wartete ich auf die neuen Teammitglieder (und hoffte, dass es kein Sumo-Ring-Team auf Mannschaftsausflug war, denn in den Jeeps war wenig Platz). Die Sorgen waren aber unbegründet. Es waren vier Franzosen und ein Deutschen in meinem Alter, die ein Auslandssemester in Bogotá gemacht hatten. Wir fuhren zu den Spiegeln, wo sich auf dem Salzsee Wasser gesammelt hat. Auch hier durften wir Fotos schießen und dann gab es Mittagessen.
Am Nachmittag gab es dann das Highlight, auf das ich schon die ganze Zeit gewartet hatte. Die lustigen Uyuni-Fotos. Wir probierten ein bisschen aus, aber leider fast nur die Standard-Sachen. In dem Moment fiel mir dann leider auch nicht allzu viel Kreatives ein.
Und die Zeit war auch begrenzt, denn wir mussten noch weiterfahren zur Isla Incahuasi, eine Insel im „Salzsee“, auf der total viele große Kakteen standen. Wir liefen zur Spitze der Insel, einige Unvorsichtige hatten sich schon heftige Sonnenbrände geholt. Ich dagegen, umsichtig wie ein Fuchs, cremte mich immer gut ein. Nach dem Besuch der Insel fuhren wir dann schon zur Unterkunft für die Nacht, ein Hostel aus Salz. Aber gut eingerichtet, war vielleicht das beste Hostel und das beste Bett, in dem ich auf der gesamten Reise geschlafen habe.
Am nächsten Morgen ging es um 7 Uhr weiter mit der Fahrt. Wir verließen den Salzsee und fuhren ab jetzt durch wüstenähnliche Gegend. Zunächst zu einem Aussichtspunkt auf einen rauchenden Vulkan. Da durften wir eine Viertelstunde in den Steinen rumklettern und Fotos schießen.
Die nächsten Sehenswürdigkeiten waren ein paar Lagunen. Die erste war die schönste: Im Wasser spiegelten sich die umliegenden Berge und die Wolken. Zudem war die ganze Lagune voller Flamingos.
In der zweiten Lagune waren dann ein paar Vikuñas, die am Ufer grasten. Wir grasten dann auch, und zwar unser Mittagessen.
Gestärkt ging es weiter bis zum bekannten Arbol de Piedra (Baum aus Stein). Der ist erstaunlich groß und wurde vom Wind geformt. Spätestens an dieser Stelle war ich aber ein bisschen genervt vom Massentourismus, da bei jeden Haltepunkt immer schon viele Jeeps warteten und noch mehr dazukamen.
Aber nach dem letzten Punkt, der Laguna Colorada (die ihre roten Farbe von irgendwelchen Bakterien hat) war der Tag auch schon vorbei, wir kamen um 16 Uhr in unserer Unterkunft an, wo wir uns ausruhen konnten. Vermutlich fragt sich jetzt jemand: Nanu? Schon vorbei? Ihr habt ja fast nichts gesehen an dem Tag! Aber es ist tatsächlich so, dass man viel Zeit im Auto verbringt, und zwischen den einzelnen Stationen bis zu zwei Stunden durch die Wüste fährt.
Wir duschten, aßen zu Abend und genossen den überragenden Sternenhimmel. Dann gingen wir schlafen.
Wir mussten schon um 4.30 Uhr zum Frühstück erscheinen und direkt danach ging es noch im Dunkeln los. Gefühlt hunderte Jeeps fuhren wir leuchtende Käfer die Berge hoch und wir erreichten pünktlich zum Sonnenaufgang die Geysire, die fröhlich und unbeeindruckt von den Touristenmengen vor sich hinsprudelten.
Da es an dieser Stelle aber wirklich ziemlich ziemlich voll mit Menschen war, schossen wir ein Foto und fuhren dann als erste weiter. Daher erreichten wir vor allen anderen die Thermalbecken. Draußen war es ziemlich kalt. Trotzdem riss ich mir alle Kleidung vom Leib und gönnte mir ein Bad im warmen Wasser. Mit der Zeit kamen dann auch alle anderen und der Pool füllte sich immer mehr. War total angenehm, da im Morgenlicht zu dümpeln.
Wir fuhren noch zu den letzten beiden Lagunen weiter und dann ließen mich die anderen an der Grenze zu Chile raus und fuhren zurück nach Uyuni. So überschritt ich am Vormittag die Grenze und war zurück in Chile. Mitten in San Pedro de Atacama in der Wüste.
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