Ich fuhr mit dem
Nachtbus nach Victoria und in den Morgenstunden direkt weiter in die Kleinstadt
Curacautín, die nördlich vom Nationalpark Conguillío liegt. Ich kam am Hostal
an und begann, meinen Aufenthalt ein bisschen zu planen. Von Valparaíso aus
hatte ich schon einige Routen herausgesucht, aber es gab viele Dinge, die mir
noch unklar waren und deshalb war es schlauer, das vor Ort zu machen. Die
Reiseagentur neben dem Hostal half mir dabei, und ich erfuhr unter anderem,
dass der Conguillío in diesen Tagen überfüllt mit Touristen war. Außerdem
startete von der Agentur am Nachmittag eine Raftingtour, der ich mich spontan
anschloss.
Mit fünf Damen
aus Santiago und einem lustigen Guide fuhren wir in dem großen Gummiboot den
Río Cautín herunter, der ein paar Stromschnellen aufzuweisen hatte.
Zwischendurch machten wir immer wieder Stops, um zum Beispiel von einem höheren
Baumstumpf aus ins Wasser zu springen, oder nutzten das Boot als Art
Wasserrutsche.
Nach etwa drei Stunden fuhren wir zurück zum Hostal und ich
ruhte mich aus. In der Küche lernte ich einen Franzosen und eine Polin kennen,
die – wie ich auch – am nächsten Tag in den Nationalpark Malalcahuello wollten.
Das Gute war: sie hatten ein Auto und nahmen mich mit. Zuerst fuhren wir ein
Stück und wanderten dann zum Crater Navidad.
Dies ist ein
kleiner Krater neben dem Vulkan Lonquimay, der erst 1988 bei einem Ausbruch
entstanden ist (am 25. Dezember, deshalb heißt er „Navidad“). Man konnte sogar
ein Stück in den Krater einsteigen und dort war ein extrem tiefes Loch, was wir
mit einem Steinwurf austesteten. Wir beschlossen, heute lieber nicht
hineinzufallen, denn der Stein prallte erst nach mehreren Sekunden Flug auf dem
Boden auf.
Wir machten dann
noch eine weiter Tour von knapp zwei Stunden durch einen Araukarienwald, wo wir
am Ende schöne Sicht auf die Vulkane Lonquimay und Llaima hatten. Nun war es
aber schon Zeit, sich Gedanken um einen Zeltplatz zu machen. Da man im
Nationalpark nicht zelten darf, schlug ich Laguna Blanca vor, einen See, von
dem ich gehört hatte, dass man dort zelten kann.
Leider konnten
die beiden die letzten 7 Kilometer nicht mehr mit dem Auto befahren und mussten
umdrehen. Ich lief noch knapp zwei Stunden, bis ich an der Lagune ankam. Da
traf ich Andrés, der den Zeltplatz, Kanuverleih für die Lagune und die beiden
Hunde Beni und Winnetou betreut. Er schlug mir vor, noch einen schnellen
Spaziergang zu einem Aussichtspunkt zu machen, und ich war sofort dabei. In der
Abendsonne sahen die Araukarien (das sind die typischen Bäume in dieser Region) noch viel besser aus.
Er zeigte mir
auch den Weg zum Nationalpark Malalcahuello (von der anderen Seite) und nutzte
die Gelegenheit, um mit seinen Freunden zu schreiben, da er dort oben der
einzige Ort mit Empfang war. Dann meldete sich aber bei uns beiden der Hunger
und wir machten uns wieder an den Abstieg. Als wir am Zeltplatz ankamen, war es
schon dunkel.
Wir aßen uns satt
und plauderten am Lagerfeuer. Dann ging ich ins Zelt und schlief bis zum nächsten
Morgen. So schön wie der gestrige Tag geendet hatte, begann auch dieser: Ich
machte mir Porridge und aß mit einem herrlichen Blick auf den Vulkan Tolhuaca.
Am Vormittag lief
ich dann eine Tour, die mir Andrés empfohlen hatte, zum Aussichtspunkt der
Kondore. Diese ließen sich zwar nicht blicken, aber es war trotzdem eine tolle
Tour, vorbei an vielen Araukarien.
Dann packte ich meinen Rucksack und lief Richtung Curacautín. Die letzten
Kilometer wurde ich zum Glück vom einzigen Auto das vorbeikam, mitgenommen. Ich
schlief noch eine Nacht im Hostal und fuhr dann im Bus weiter.
Denn dies war der
erste Urlaubsstreich, und der zweite folgt sogleich!

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