Von Curacautín
fuhr ich also etwa 4 Stunden in einem Bus nach Icalma. Zwar ist Icalma nicht so
weit entfernt von Curacautín, aber der Bus hielt überall an der Strecke und
ließ Leute ein- und aussteigen. Bis dato hatte ich Icalma noch nicht auf meiner
To-Do-Liste gehabt, allerdings wurde es mir von mehreren Leuten wärmstens
empfohlen und ein Mann vom Hostal in Curacautín hatte sogar einen Insider-Tipp
für mich: Ich sollte mit einem Boot auf die andere Seite des Sees Icalma fahren
und dort bei der Terrasse aussteigen und „schöne Grüße von Frank, ich möchte
hier campen“ sagen. Klang für mich erst einmal verrückt, aber um 14:30 Uhr nahm
ich die öffentliche Fähre, die drei Mal pro Tag um den See fährt.
Ich stieg bei der
Terrasse aus und richtete die schönen Grüße von Frank aus. So lernte ich Yanies
und Pep kennen, die dort in der Nähe der Terrasse in einer Mapuche-Comunidad
wohnen. Pep selbst kommt aus Spanien und ist internationaler Bergführer und
arbeitet in Chile momentan an einem Projekt, um Skilanglauf in den Schulen zu
etablieren. Zum einen macht das in der Gegend Sinn, da im Winter alles
zugeschneit ist, aber die Idee ist auch, den Kindern eine Perspektive zu geben
und für Sport zu begeistern. Ich lernte nicht nur die beiden kennen, sondern
auch die vier Hunde, die mit ihnen leben.
Nachdem ich eine
Nacht dort am Ufer gezeltet hatte, machte ich mich ganz früh mit leichtem
Gepäck auf zum Berg Batea Mahuida (der Name ist in der Sprache der Mapuche;
Batea ist so ein großes Holzblech, auf dem man Teig kneten kann und Mahuida bedeutet
Berg; dieser Name ist auf seine einzigartige Form zurückzuführen, denn er sieht
aus wie ein normaler Berg, dessen Spitze mit einem Messer abgeschnitten wurde).
| Morgensonne hinter einem Baum. Im Hintergrund der Batea Mahuida. |
Ich kam gut
voran, und der Weg führte wieder durch Araukarienwälder. Je höher ich kam,
desto cooler wurde auch die Aussicht auf die Vulkane der Region, sowie den See
Icalma.
Nach etwa drei Stunden kam ich am „Gipfel“ an, wobei von Gipfel zu
sprechen, ist aufgrund der Form etwas lustig. Tatsächlich findet man dort ein
riesiges Plateau, das vermutlich von Gletschern geformt wurde. Ich begann mit
einer Umrundung des Plateaus und machte in alle Richtungen Fotos.
Insgesamt dauerte
es drei Stunden, einmal das Plateau zu umrunden und die Sonne wurde stärker.
Ich sah wilde Pferde und drei Kondore, die über dem Plateau kreisten. Zudem
kamen mehr und mehr Autos den Berg nach oben gefahren.
Ich machte mich nach
der Umrundung an den Abstieg und flitzte den Weg nach unten. Die ganzen Touristen
kamen jetzt erst an, aber am Vormittag hatte ich den Berg fast für mich
alleine.
Als der Weg langweilig, heiß und staubig wurde, trampte ich bei einem
herunterfahrenden Auto zurück zur Terrasse. Ich ruhte mich aus und redete dann
mit Pep über die Besteigung des Vulkans Sollipulli. Zudem überredeten wir den
12-jährigen Bruder von Yanies, Daniel, uns zu begleiten. Erst war er nicht so
begeistert, aber letztlich sagte er doch ja. Am nächsten Morgen erwartete uns
der See in seinen schönsten Farben.
Wir frühstückten
und fuhren mit Peps Auto zum Eingang des Nationalparks, in dem der Sollipulli
steht. Zum ersten Mal in diesem Urlaub schien nicht die Sonne, es war neblig
und regnete stellenweise sogar leicht. Wir kamen gut voran und wieder war der
Weg sehr abwechslungsreich: Unten Araukarienwälder, dann Vulkangestein und
weiter oben liefen wir über Schnee.
Leider hatten wir
aufgrund der Wolken nicht den besten Blick. Pep erzählte mir, dass man einen
beeindruckenden Blick auf den 4x6 km (!) großen Krater hat, der komplett mit
einem Gletscher gefüllt ist. Zudem sieht man auch die umliegenden Vulkane. Als
sich die Wolken etwas verzogen, konnte ich einen kurzen Blick in das Innere des
Kraters erhaschen.
Auf der Runterweg
rannten wir den Abhang herunter. Daniel, der voller Energie und Tatendrang war,
filmte beim Rennen, so kam dieses etwas verwackelte Handy-Video zustande.
Wir kamen
wieder beim Auto an und die beiden fuhren mich noch nach Melipeuco. Dort
verabschiedeten wir uns.
Dieses war der
zweite Streich und der dritte folgt sogleich.
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