Kaum war das Semester in Kaiserslautern
vorbei, schon begann meine Reise nach Valparaíso. Ich flog über
Nacht von Frankfurt nach Sao Paolo. Zum Glück saß ich nicht
zwischen zwei dicken pupsenden Männern, schlafen konnte ich aber
trotzdem nicht so viel. In den frühesten Morgenstunden verbrachte
ich einige Stunden in Sao Paolo und wartete auf den Flug nach
Santiago. Der ging über schneebedeckte Andengipfel und das sah schon
phänomenal aus.
Vom Flughafen in Santiago fuhr ich
ziemlich billig mit einem Bus zum Terminal und von dort zum Terminal
in Valparaíso, verlief alles reibungslos. Dann kam aber das erste
kleine Problem, weil die Busse, die mich zum Hostel bringen sollten,
an dem Tag streikten, und so hatte ich Glück, dass eine Schülerin,
die in eine ähnliche Richtung musste, mir alles erklärte. So kam
ich nachmittags entspannt aber ein bisschen müde im Hostel an. Jakob
Schreiber (der auf der gleichen Schule war wie ich, und auch für ein
Semester in Valparaíso ist) wartete schon und wir machten uns auf,
die ersten kulinarischen Höhepunkte der Stadt kennenzulernen.
Empanadas gibt es überall, aber auch sonst alle möglichen
Sandwiches und Wraps auf der Straße.
| Eine der zahlreichen Katzen im Hostal. |
Am nächsten Tag war dann schon die
Begrüßung in der Uni. Erstmal vielleicht ein paar Worte zur Uni:
Wahnsinn! Sie ist knapp 200 Stufen vom Strand entfernt, thront wie
Hogwarts mega beeidruckend auf einem kleinen Hügel. Es gibt im
Campus einen Pool und total viele Turnhallen, Sportplätze und
Cafeterien. Und man sieht von überall das Meer und die Stadt, die
sich über die ganzen Hügel ausbreitet. Das kann echt was werden!
| Jakob beim ersten Aufstieg zur Uni Santa María |
Die Tutoren führten uns über den
Campus und dann gabs noch ein paar allgemeine Tipps und Termine und
schließlich als kleines Schmankerl noch viele Empanadas. Die konnte
man sich gut auf den Zahn legen.
| Sonnenuntergang von der Uni aus gesehen |
Ich hatte auch schon viel Gelegenheit
durch die Gassen von Valparaíso zu schlendern, und über all sind
Graffitibilder, aber richtig gute. Und die Häuser sind fast alle
bunt, also sieht schon ziemlich cool aus, auch wenn ich jetzt nicht
so der Fan von Städten bin, aber das hat mich schon beeindruckt.
Auch bemerkenswert sind die zahlreichen ascensores (Aufzüge), durch
die man für kleines Geld schnell die Hügel nach oben fahren kann.
| Graffiti |
Nach zwei Tagen im Hostel war es auch
an der Zeit, in unser Appartement zu ziehen. Also packten Jakob und
ich unsere großen Rucksäcke und unternahmen eine kleine Odyssee
durch die Stadt. Das Appartement ist nah bei der Uni. Etwas erschöpft
kamen wir an, und gingen eigentlich davon aus, dass wir Geld- und
Schlüsselübergabe mit den Besitzern machen würden und das Ganze
schnell über die Bühne gehen würde. Aber da hatten wir die
Rechnung ohne den Wirt gemacht, bzw. ohne den Mietvertrag. Der war
nämlich mehrere Seiten kleingedruckt auf Spanisch und bei den
meisten Punkten gab es ordentlich Diskussionsbedarf. Da gab es zum
Beispiel die garantía, was wir als Kaution interpretierten. Als wir
fragten, ob wir diese am Ende wiederbekommen würden, hieß es: ja,
aber nicht alles. Insgesamt knapp 200 Euro würden auf jeden Fall
einbehalten werden. Oder dass wir für alle Brandschäden,
Erdbebenschäden und auch für Schäden, die durch terroristische
Anschläge verursacht würden, verantwortlich wären. Am Ende lautete
der betreffende Paragraph dann: Weder Mieter, noch Vermieter sind für
Brandschäden, Erdbebenschäden oder Schäden durch Terroranschläge
verantwortlich. Das kann ja was werden ;) Aber am Ende hatten wir
alles zu unserer Zufriedenheit geklärt. Wir mussten nur noch quer
durch die Stadt fahren, um den Vertrag vor den Augen eines Notars zu
unterzeichnen, und dann wieder den ganzen Weg zurück. Es war schon
dunkel, als wir endlich angekommen waren.
Am Montag geht nun die Uni los, erstmal
mit einem Spanischtest und dann habe ich auch gleich die erste
Vorlesung (Zeitreihenanalyse II), mal sehen wie das wird.
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